Zusammen durch den Lockdown

Zusammen durch den Lockdown
Foto: Getty Images


Vor etwa einem Jahr hast du womöglich zum ersten Mal das Wort Corona gehört. Heute sitzt du im Homeschooling, musst beim Einkaufen eine Maske tragen und darauf achten, so wenig Kontakte wie möglich zu haben. Puuh. Geht dir bei diesem Thema auch manchmal die Puste aus? Vor allem, weil sich leider noch immer viele Menschen mit dem Virus anstecken und noch kein Ende in Sicht ist? Wir haben mit Kinderpsychologin Elisabeth Raffauf darüber gesprochen, wie du mit dieser Situation umgehen kannst.

Elisabeth Raffauf ist Diplom-Psychologin und Autorin in Köln. Foto: Tina Niedecken/dpa-tmn

Was ist an der Situation so besonders?

Das Coronavirus hat das Leben von allen Menschen auf der Welt verändert. Und durch all die wichtigen Regeln fühlen wir uns natürlich auch anders. „Gerade Kinder sind mit dem Thema stark konfrontiert. Und durch das Masketragen in der Schule zuletzt auch stärker als vielleicht manch ein Erwachsener – je nach Beruf“, sagt Elisabeth Raffauf. Das sei wie bei einer Ohnmacht: Denn auch das Coronavirus können wir nicht steuern.

Was hilft dagegen?

Du bist also nicht allein in dieser besonderen Situation. Aber dass es vielen anderen Menschen gerade auch so geht, tröstet vielleicht nur wenig, während du alleine vor deinem Laptop im digitalen Unterricht sitzt. Aber was hilft stattdessen? Struktur! Heißt: Frage dich, auf was du dich als nächstes freuen kannst. Und wenn es eine digitale Verabredung zum Spieleabend ist. Oder ein Telefonat mit Oma, bei dem jeder von euch einen Witz erzählt. „Oder auch der Nachbarsjunge, der dich durchs Fenster heute angelächelt hat. Oft sind es die ganz kleinen Dinge, die einen Tag schön machen können“, sagt Elisabeth Raffauf. Versuch doch mal, auf solche Details zu achten und dich abends daran zurückzuerinnern. Wichtig ist, dass auch etwas ohne Schule oder Druck dabei ist.

Und was noch?

Und apropos nicht alleine sein: Vertrau dich einer Person an, die dich ernst nimmt. Denn: „Vielleicht fällt es dir vor allem schwer, dass auch deine Eltern gerade manchmal nicht weiterwissen“, sagt Elisabeth Raffauf. Die Erwachsenen machen sich aktuell natürlich auch Sorgen – um Oma und Opa, den Job, wie alles mit der Schule weitergeht. Also: Sprich ruhig alles aus, was dich beschäftigt und was du wissen möchtest. Auch bei der Nummer gegen Kummer (116 111) kannst du dich immer anonym und kostenlos melden. Und wenn du manchmal nicht reden willst – weil schon alles gesagt ist oder du das Thema einfach nicht mehr hören kannst? „Dann frag dich: Wonach ist dir gerade, was tut dir gut? Manchmal hilft es zum Beispiel auch, seine Gedanken aufzumalen oder aufzuschreiben“, sagt die Psychologin.

Wie viele Sorgen sind normal?

Vielleicht kommen deine Mitschüler viel besser mit dem Homeschooling zurecht als du. Vielleicht macht es dir auch viel mehr aus als anderen, dass der Sport im Verein gerade nicht stattfindet. „Ob du dir mehr oder weniger Gedanken als andere Kinder um das Coronavirus machst, hängt von vielen Dingen ab. Von deinem Alter, deinem Charakter, ob du mit Dingen generell locker umgehst oder nicht“, sagt Elisabeth Raffauf. Und: Nichts davon ist besser oder schlechter! „So wie du bist, ist das okay. Konzentriere dich auf den Teil, den du selbst beitragen kannst: Maske tragen und deine Kontakte so gut es geht einschränken.“

Wenn du trotzdem noch oft traurig bist, ist es vielleicht ratsam, mit deinen Eltern professionelle Hilfe zu suchen.

Was tun bei Streit zu Hause?

Aber: Trotzdem kann dich die Oma am Telefon, der Nachbarsjunge oder das digitale Spielen vielleicht nicht jeden Tag aufheitern. Da hängt der Haussegen schon mal schief. „Bei Streit hilft vor allem, sich in Erinnerung zu rufen: Nicht du bist schuld an dieser Situation und auch nicht deine Eltern! Das Coronavirus ist schuld“, sagt Elisabeth Raffauf. „Ich habe mal von einer Familie gehört, in der jedes Mitglied ein eigenes Zeitfenster dafür hatte, um einmal kurz seine Wut rauszulassen.“ Das kann laut schreien sein oder auf ein Kissen schlagen – Hauptsache natürlich, alle behandeln sich trotzdem mit Respekt.

„Auch bewusste Medienpausen und stattdessen an die frische Luft gehen oder einen Kuchen backen können dabei helfen, um mal auszubrechen aus dem ganzen Corona-Thema.“

Von Elisa Sobkowiak

Foto: IVDC/China CDC via GISAID/dpa

Wissenswert – Corona
Wenn du mehr über das Coronavirus wissen möchtest oder du dir Sorgen machst, findest du hier mehr Informationen: https://www.duda.news/wissenswert-corona/