Wie riecht der Sommer?
Wenn wir an den Sommer denken, kommen uns bestimmte Gerüche in den Sinn. Wieso ist das so? Was wir riechen und warum wir Gerüche mit Erinnerungen verbinden, erklärt ein Genussforscher.
Erdbeerkuchen, Sonnencreme, Schwimmbad! Wer sich an einen besonders schönen Sommertag erinnert, hat vielleicht auch einen bestimmten Geruch in der Nase. Aber ist das der Geruch des Sommers? Um das herauszufinden, müssen wir erst mal verstehen, was Gerüche eigentlich sind. „Was wir riechen, sind Geruchsstoffe. Diese Geruchsstoffe sind sehr, sehr klein. So klein, dass sie in der Luft schweben und wir sie mit der Nase wahrnehmen können“, erklärt Dietmar Krautwurst. Er erforscht den Geruchssinn.
Wir Menschen haben etwa 400 unterschiedliche Typen von Geruchsrezeptoren. Die helfen uns, diese Geruchsstoffe aufzuspüren. Mit unserer Zunge können wir nur fünf Geschmacksrichtungen unterscheiden: süß, sauer, salzig, bitter und umami. Alles andere, was wir wahrnehmen, sind Gerüche. Wenn wir also ein Stück Erdbeerkuchen probieren, müssten wir eigentlich sagen: Das schmeckt süß und riecht nach Erdbeere.
Verbindung zwischen Nase und Zunge
Der Geruchsforscher erklärt: „Dass wir Geruch und Geschmack oft nicht gut unterscheiden können, liegt daran, dass der Rachenraum unsere Nase und unsere Zunge verbindet.“ Hier kommen die Wahrnehmung der Aromen aus der Luft und die Geschmackswahrnehmungen zusammen. Doch eigentlich sind für diese Wahrnehmungen zwei völlig unterschiedliche Organe verantwortlich. Und: Nicht jeder von uns hat exakt dieselben Geruchsrezeptoren. Vielleicht kannst du also einige Aromen riechen, die jemand anderes nicht riechen kann.
Tiere, Pflanzen, Lebensmittel und Gegenstände um uns herum haben aber selten einen einzigen Geruch. Was wir wahrnehmen, ist oft eine Mischung mehrerer Geruchsstoffe. Forschende können einzelne Stoffe aus diesen Geruchsmischungen herauslösen und so feststellen, woraus sich etwa der Geruch des Erdbeerkuchens zusammensetzt. Einige Geruchsstoffe sind sehr stark. Den Geruch von Waldmeister etwa erkennen wir leicht. „Einige Blumensorten tragen ebenfalls Geruchsstoffe, die wir sofort erkennen“, sagt Dietmar Krautwurst.
Für jeden anders
Aber wie riecht denn nun der Sommer? „Der Geruch des Sommers wird von den Dingen geprägt, die uns im Sommer begegnen“, erklärt der Experte. Das können Früchte sein, die es nur im Sommer gibt. Blumen, die nur im Sommer blühen. Aber auch Orte, an denen wir uns im Sommer oft aufhalten, etwa das Freibad.
Einige Gerüche stechen im Sommer besonders heraus. „Dazu zählt der Geruchsstoff Furaneol, der den Duft von Erdbeeren ausmacht. Dazu zählen auch die Geruchsstoffe, die Rosenduft bilden“, erklärt der Fachmann weiter. Welche Gerüche wir mit dem Sommer verbinden, habe aber viel mit unseren Erinnerungen und Erfahrungen zu tun. „Deshalb riecht der Sommer für jeden von uns ein bisschen anders“, sagt Dietmar Krautwurst.
Von Mariana Friedrich (dpa)






