Wie entstehen Wellen im Hallenbad?

Wie entstehen Wellen im Hallenbad?
In manchen Schwimmbädern gibt es Wellen. Wie kommen sie da hinein? (Foto: dpa)

In manchen Hallenbädern passiert etwas Besonderes: Es gibt dort Wellen! Um sie erzeugen zu können, braucht man drei Dinge: Wasser, Strom und jede Menge Luft.

Plötzlich dröhnt ein Gong durch die Schwimmhalle. Aus den Lautsprechern krächzt eine Stimme: „Bitte das Springen einstellen. In drei Minuten beginnt der Wellengang.“

Heinz Peter Melder läuft am Rand des großen Schwimmbeckens entlang. Er ist der Chef dieses Hallenbades. Es liegt mitten in Neuss. Das ist eine Stadt im Bundesland Nordrhein-Westfalen. Immer freitags passiert dort etwas Besonderes: Es gibt Wellen!

Stille statt Überschwemmung

Übersicht: So funktioniert ein Wellenbad. Mit einem Klick vergrößerst du das Bild. (Grafik: dpa)

Übersicht: So funktioniert ein Wellenbad. Mit einem Klick vergrößerst du das Bild. (Grafik: dpa)

Auf einmal wird es im Hallenbad merkwürdig still. Heinz Peter Melder erklärt: „Das kommt, weil nun kein Wasser mehr in die Ablaufrinnen am Beckenrand fließt“. Der Fachmann zeigt auf eine graue Linie am Beckenboden. Dort fließt stattdessen nun ein Teil des Wassers ab.

Das ist wichtig. „Würde man das nicht machen, würden später die Wellen über den Beckenrand schwappen und das Hallenbad überschwemmen“, erklärt Heinz Peter Melder.

Ein besonderer Speicher fängt das Wasser auf. Es ist ein großes Becken unterhalb des eigentlichen Schwimmbeckens. Normalerweise ist der Speicher mit Luft gefüllt. Die Luft wurde mithilfe eines Ventilators stark zusammengepresst. So hält sie das Wasser wie eine Art Polster aus Luft vom Hineinfließen ab. Experten sagen auch: In dem Speicher herrscht Überdruck.

Wird aber eine Klappe geöffnet, strömt Luft über ein Rohr aus diesem Speicher heraus. Dadurch wird der Überdruck langsam geringer – und das Wasser fließt aus dem Schwimmbecken hinein in den Speicher. Heinz Peter Melder schaut auf die Uhr. Drei Minuten sind um. Es ist genügend Wasser aus dem Becken abgelassen.

Wellen kommen vom Startblock

Gong! Der Wellengang beginnt. Und tatsächlich, die ersten kleinen Wellen sind schon zu sehen. Nach und nach werden sie immer größer.

Heinz Peter Melder zeigt hinüber zum Ende des Beckens, dort wo die Startblöcke stehen. „Da entstehen die Wellen“, verrät er. Hinter dem Becken, direkt unter den Startblöcken, sind die Wellenkammern. Dort werden die Wellen gemacht.

Große Ventilatoren blasen Wasser weg

Hinter den Wellen steckt viel Technik. (Foto: dpa)

Hinter den Wellen steckt viel Technik. (Foto: dpa)

Das funktioniert zum Beispiel so: Im Hallenbad in Neuss gibt es mehrere Wellenkammern. Darin ist Wasser. Hinter den Kammern sind drei große Ventilatoren. Sie können superstark Luft herausblasen. Die Luft drückt von oben auf das Wasser in den Kammern und schiebt so das Wasser durch Gitter hinaus in das Schwimmbecken.

Das passiert bei den Kammern immer abwechselnd. So entstehen mehrere Wellen nebeneinander. Die Kammern füllen sich nacheinander ständig wieder mit Wasser. Und immer wieder wird das Wasser herausgedrückt.

Nach ein paar Minuten werden die Wellen klein. Das Wasser beruhigt sich – der Wellengang ist vorbei. Nun springt der große Ventilator unten am Speicher wieder an. Der Speicher füllt sich mit Luft. Die Luft drückt das Wasser zurück ins Schwimmbecken. Nach einer Weile ist das Becken wieder randvoll. Bis zum nächsten Gong!

Von Stefanie Paul (dpa)