Seit wann verreisen die Menschen?

Seit wann verreisen die Menschen?
Das Reisen mit der Kutsche konnte sich früher fast niemand leisten. Deswegen blieben alle zuhause. (Foto: dpa)

Thailand, USA, Spanien, Schweden – in den Sommerferien fahren viele Leute weit weg. Doch das war nicht immer so. Sehr lange war Reisen beschwerlich und teuer. Deswegen haben das früher nur wenige Menschen gemacht. Wenn du deine Sommerferien also in Deutschland oder in Köln verbringst, knüpfst du an eine alte Tradition an. Und du bist sogar im Trend. Zum Beginn der Sommerferien erzählen wir dir die Geschichte des Reisens.

Gute Gründe für die Reise

Vor vielen Hundert Jahren verreiste niemand zum Spaß. Wer sich im Mittelalter auf den Weg machte, hatte einen guten Grund: Kaufleute zogen umher, um Waren zu kaufen und verkaufen. Eroberer segelten mit dem Schiff übers Meer, um neues Land zu entdecken. Pilger reisten an heilige Stätten, um für ihr Seelenheil zu beten. Frauen waren im Mittelalter kaum unterwegs. Denn Reisen war sehr gefährlich: Die Hauptstraßen waren holprige, matschige Feldwege. Am Wegesrand warteten Diebe und Raubritter darauf, Reisende auszurauben. In den Wäldern lebten wilde Tiere wie Bären und Wölfe. Und es gab kaum ausgeschilderte Wege – man konnte sich also schlimm verlaufen. Unterwegs war man übrigens meistens zu Fuß.

Lernen auf der Reise

Venedig ist auch heute noch ein beliebtes Urlaubsziel. (Foto: dpa)

Venedig ist auch heute noch ein beliebtes Urlaubsziel. (Foto: dpa)

Erst vor gut 200 Jahren begannen Menschen, aus Spaß in Urlaub zu fahren – aber nur die Superreichen. Um 1800 konnte sich nur etwa ein Prozent der Bevölkerung reisen leisten. Manche machten Bildungsreisen – sie fuhren an andere Orte, um etwas zu lernen. Wichtige Städte, die man damals gesehen haben musste waren Rom, Venedig, Wien oder Paris. Auch der Schriftsteller Johann Wolfgang von Goethe machte eine solche Reise: Mit der eigenen Kutsche fuhr er zwei Jahre durch Italien.

Cuxhaven ist ein deutsches Strandbad. (Foto: dpa)

Cuxhaven ist ein deutsches Strandbad. (Foto: dpa)

Andere reiche Deutsche fuhren an die Strände in Norddeutschland. Heiligendamm in Mecklenburg-Vorpommern wurde als erstes Seebad in Deutschland gegründet und war sehr beliebt. Schwimmen gingen die feinen Leute übrigens nicht so gerne. Und die Armen? Die arbeiteten oft 16 Stunden pro Tag in Fabriken – bis 1895 war nicht mal der Sonntag frei. Erst 1903 bekamen die ersten Arbeiter Urlaub –  und zwar drei freie Tage im Jahr.

Die ganze Welt bereisen

Viele Deutsche fliegen nach Mallorca. (Foto: dpa)

Viele Deutsche fliegen gerade nach Mallorca. (Foto: dpa)

Urlaub leisten konnten sich die meisten Menschen  erst nach dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem  Auto oder Zug fuhren viele Ende der 1950er Jahre bis nach Italien. In den 1970er Jahren begannen viele Leute in den Urlaub zu fliegen – und die Insel Mallorca zu entdecken. Und heute? Verreisen sehr viele Deutsche.  Im vergangenen Jahr wurden fast 70 Millionen Reisen verkauft,  sagt der Deutsche Reiseverband.

Obwohl man mit dem Flugzeug an fast jeden Ort der Welt gelangen kann, ist Deutschland  das beliebteste Reiseland der Deutschen. Viele machten 2015 aber auch in Spanien, Italien und der Türkei Urlaub. Doch jetzt trauen sich  viele nicht mehr, in die Türkei, nach Tunesien  oder Ägypten zu fliegen. Dort gibt es immer wieder Anschläge, etwa von der Terror-Gruppe IS. Und in Italien und Griechenland stranden viele Flüchtlinge. Das Leid dieser Menschen möchten die meisten in ihrem Urlaub nicht sehen. Deswegen ist Spanien gerade sehr beliebt.

Von Angela Sommersberg