Was macht ein Forscher so?

Was macht ein Forscher so?
Forscher untersuchen zum Beispiel Dinge unter dem Mikroskop, wie hier Kinder bei der Kinderuni. (Bild: Christoph Hennes)

In Zeichentrickfilmen haben sie oft wilde Frisuren und sind ein bisschen durcheinander, trotzdem erfinden sie tolle Sachen: Wissenschaftler. Aber was macht so ein Forscher wirklich den ganzen Tag? Und wie wird man einer? Wir haben Jörg Hacker gefragt: Er ist Präsident der Leopoldina, der Nationalen Akademie der Wissenschaften und Professor für Mikrobiologie – also auch selbst Wissenschaftler.

Herr Hacker, warum sind Sie Wissenschaftler geworden?

Jörg Hacker: Ich war immer schon neugierig und wollte wissen, wie Pflanzen funktionieren oder das Wetter entsteht. Mein Vater hatte ein Elektrogeschäft, da konnte ich sehen, wie Fernseher und Radios funktionieren und was Strom bewirkt – das fand ich spannend. Als Jugendlicher habe ich außerdem gerne Biografien, also die Lebensgeschichten von Wissenschaftlern, gelesen. So ein Forscherdasein wollte ich auch.

Wie sieht denn der Alltag eines Wissenschaftlers aus?

Hacker: Als Molekularbiologe war ich viel im Labor. Da denkt man sich Experimente aus, führt sie durch und überlegt, was die Ergebnisse bedeuten. Ich habe immer gerne mikroskopiert, mir also durch ein Vergrößerungsgerät angesehen, wie sich die kleinen Mikroben, winzige Lebewesen, bewegen. Da sieht man zum Beispiel, wie sich Bakterien an menschliche Zellen legen und sie umbringen. Man muss verstehen, wie sie das tun. Dann kann man eine Medizin finden, die sie daran hindert und so kranke Menschen wieder gesund macht. Ein Forscher muss aber seine Ergebnisse auch aufschreiben und mit anderen Wissenschaftlern darüber reden.

Was macht man als Professor?

Hacker: Professor heißt ein bestimmter Job an einer Universität. Ein Professor leitet zum Beispiel Arbeitsgruppen von mehreren Forschern, die etwas untersuchen. Und er muss Studenten unterrichten und sie prüfen, ihre Diplomarbeiten und Doktorarbeiten lesen und bewerten – ein bisschen wie ein Lehrer. Außerdem muss er sich Projekte ausdenken, damit die Uni Geld bekommt für ihre Forschung. Im Labor ist ein Professor meist nicht mehr so viel.

Heute leiten Sie die Leopoldina, die Nationale Akademie der Wissenschaften. Was macht so eine Akademie?

Hacker: Solche Akademien gibt es in vielen Ländern auf der Welt. Sie sind wie Vereine, die Wissenschaftler aufnehmen, die besonders gut sind. Sie sorgen dafür, dass sich Forscher treffen und darüber reden, was sie herausgefunden haben. Außerdem können diese Forscher Politikern die Wissenschaft erklären. Zum Beispiel, wie gefährlich Infektionskrankheiten sind: Muss man Menschen dagegen impfen? Oder muss eine Schule zu machen, wenn ein Kind die Krankheit hat, weil sie so ansteckend ist? Die Wissenschaftler können den Politikern Tipps geben, was sie tun sollten.

Muss man gut in der Schule sein, um Wissenschaftler zu werden?

Hacker: Viele Wissenschaftler waren gute Schüler, aber nicht alle. Wichtig ist, dass man neugierig ist, dass man neue Informationen schnell versteht, dass man geschickt ist beim Experimentieren. Und dass man viel mit anderen redet und sich austauscht.

Im Comic sind Wissenschaftler immer ein bisschen chaotisch – und wie sind sie in echt?

Hacker: Das Vorbild für solche fantasievollen Wissenschaftler war Albert Einstein. Er ist so bekannt, weil er sich für den Frieden und für Gerechtigkeit eingesetzt hat.  In Wirklichkeit gibt es auch bei Wissenschaftlern ganz unterschiedliche Persönlichkeiten. Vielleicht kommen sie anderen manchmal komisch vor, weil sie nie so richtig Ferien haben – sie denken ständig über ihr Thema nach, weil es sie so sehr interessiert.

Von Silke Offergeld

Forschen in Köln

Im Kölner Abenteuermuseum Odysseum können Kinder an verschiedenen Erlebnisstationen selbst experimentieren und und sich als Forscher ausprobieren. Weitere Informationen im Internet.

www.odysseum.de