Jugend-Schiedsrichterin: So sorgt eine 13-Jährige für Ordnung

Lenja ist Schiedsrichterin. (Foto: Jennifer Wagner)
Lenja ist Schiedsrichterin. (Foto: Jennifer Wagner)

Ohne sie geht es eigentlich nicht beim Fußball: Schiedsrichter. Sie sorgen dafür, dass es möglichst fair zugeht. Die 13-jährige Lenja aus Bonn ist eine von wenigen Nachwuchs-Schiedsrichtern in Deutschland. Duda.news hat sie besucht.

Vor dem Spiel

Alle Spiele müssen von Lenja vor- und nachbereitet werden. (Foto: Jenny Wagner)

Alle Spiele müssen von Lenja vor- und nachbereitet werden. (Foto: Jennifer Wagner)

„Hallo, ich bin die Schiedsrichterin“, stellt sich Lenja beim Trainer der Jugendsportgemeinschaft (JSG) Beuel vor und schüttelt seine Hand. Die 13-Jährige ist heute beim Freundschaftsspiel gegen DJK Südwest Köln die Chefin. Auf ihre Entscheidungen müssen Spieler, Trainer und die Zuschauer hören.

Vor ihrem Einsatz muss sie allerdings einiges erledigen: In ihrem Schiedsrichter-Büro fährt sie zuerst den Computer hoch und loggt sich im Internet auf der Plattform „DFB-Net“ ein.

Dort kann sie die Aufstellung der beiden Mannschaften sehen und sie auf ihrer Schiedsrichterkarte notieren. Das ist wichtig, damit sie sich während des Spiels aufschreiben kann, wer ausgewechselt wurde, wer ein Tor geschossen hat oder wem sie eine gelbe oder rote Karte zeigt.

Regeln sind wichtig

Offiziell dürfen Kinder ab 12 Jahren als Schiedsrichter "arbeiten". (Foto: Jenny Wagner)

Offiziell dürfen Kinder ab 12 Jahren als Schiedsrichter „arbeiten“. (Foto: Jennifer Wagner)

Damit sie alle Regeln kennt und weiß, welche Aufgaben sie hat, musste Lenja an zwei Wochenenden ein Schiedsrichter-Seminar belegen. Damals war sie erst zwölf Jahre alt. Bei dem Seminar musste sie auch eine Prüfung machen und sogar einen Lauftest – immerhin rennt sie fleißig neben den Spielern mit über den Platz. Generell dürfen Kinder ab zwölf Jahren in Deutschland als Schiedsrichter pfeifen.

„Viele Vereine erlauben das aber erst 14-Jährigen“, sagt Manfred Harder, der Vorsitzender des Schiedsrichterausschusses im Kreis Bonn ist. Manche glauben nämlich, dass sich 14-Jährige besser durchsetzen können im Spiel. „Bei uns geht es aber schon mit zwölf Jahren“. Lenja und andere junge Spiel-Chefs sind bei ihren ersten Einsätzen auch nicht alleine: Sie haben einen Paten, der ihnen zur Seite steht und ihnen Tipps gibt.

Chefin der Jungs

In dieser Partie ist Lenja die Chefin von 22 Jungs auf dem Platz. Es ist oft so, dass sie Jungenmannschaften pfeift, doch damit hat sie kein Problem. „Ich habe auch schonmal eine rote Karte gegeben“, erzählt Lenja. „Damals hat ein Junge einem Mitspieler den Mittelfinger gezeigt. Wegen der roten Karte wurde er sogar für ein Spiel gesperrt. Aber da musste ich durchgreifen.“

Sie findet es zwar ein bisschen leichter, wenn sie Mädchen pfeifen kann – „Die sind entspannter!“ – aber bei den Jungs setzt sie sich genauso durch. „Die sind zwar schneller mal lauter, aber es geht“, sagt Lenja, die selbst in einer Mädchenmannschaft in der Abwehr spielt. „Aber pfeifen macht mir mehr Spaß als Spielen“, sagt sie. Deshalb hat sie sich auch dafür entschieden, Schiedsrichterin zu werden: „Ich habe mich immer aufgeregt über die Eltern, die sich über den Schiedsrichter ärgern und manchmal habe ich mich auch selbst geärgert über Entscheidungen. Da dachte ich mir, dass ich selbst pfeifen könnte.“

Kontrolle ist alles

Lenja kontrolliert den Platz, damit alles regelkonform abläuft. (Foto: Jenny Wagner)

Lenja kontrolliert den Platz, damit alles regelkonform abläuft. (Foto: Jennifer Wagner)

Kurz vor dem Anpfiff kicken sich die Mannschaften warm. In dieser Zeit läuft Lenja einmal um den ganzen Platz herum. Sie überprüft, wo die Seiten- und Torlinien sind und ob sie gut zu sehen sind. Außerdem checkt sie, ob die Tore sicher stehen und ob die Tornetze in Ordnung sind. Anschließend kontrolliert die junge Schiedsrichterin noch alle Spielerpässe und dann kann es losgehen: Anpfiff!

Den Überblick behalten

Jungs sind schwerer zu pfeifen als Mädchen, aber Lenja muss trotzdem durchgreifen. (Foto: Jenny Wagner)

Jungs sind schwerer zu pfeifen als Mädchen, aber Lenja muss trotzdem durchgreifen. (Foto: Jennifer Wagner)

Lenja flitzt mit den Spielern über den Platz, weicht dem Ball aus, beobachtet das Verhalten der Mannschaften. Und plötzlich ertönt ihre Pfeife: Tor für Beuel! Jubel von der Seitenlinie, an der Trainer und Eltern stehen. Doch nicht nur sechs Tore – das Spiel endet 3:3 – kann Lenja heute auf ihrer Schiedsrichterkarte notieren: Auch einige Fouls und Auswechslungen muss sie festhalten.

Am Ende ist die Schiedsrichterin geschafft, aber glücklich. Zusammen mit ihrer Mutter, die ihre Mädchenmannschaft in Menden trainiert, analysiert sie ihre Entscheidungen. Immer besser werden, das ist das Ziel von Lenja – vielleicht sogar so gut wie ihr Vorbild Bibiana Steinhaus: die erste deutsche Profi-Schiedsrichterin in der Bundesliga.

Von Jennifer Wagner