„Hallo Brillenschlange“

„Hallo Brillenschlange“
Foto: Getty Images

Bestimmt hast du auf dem Schulhof schon viele Schimpfwörter gehört. Oder du hast selbst welche benutzt. Das ist ab und zu okay. Doch dabei muss man auch gut aufpassen. Denn Worte können andere Menschen sehr verletzen. Das findet auch die Sprach-Expertin Konstanze Marx. Die Professorin arbeitet an der Universität Greifswald und forscht darüber, wie Menschen miteinander sprechen und welche Gefühle dabei entstehen. Im Interview erklärt sie uns, wann es okay ist, andere zu ärgern – und wann der Spaß aufhört.

Konstanze Marx erforscht, wie Menschen miteinander sprechen und welche Gefühle dabei entstehen. Foto: Privat/dpa

Interview

In der Pause auf dem Schulhof werden oft Schimpfwörter benutzt. Wie finden Sie das?
Das ist erst mal normal. Und zwar, wenn es Frotzeleien innerhalb von Gruppen betrifft. Man will damit zeigen, dass man zueinander, zu einer Gruppe gehört. Und dabei kann es durchaus sein, dass derbe Wörter benutzt werden oder auch Tabus gebrochen werden.

Das Wort “Schwein” oder “Sau” wird oft als Beleidigung verwendet. Was wohl das Schwein dazu sagen würde? Foto: Uwe Anspach/dpa

An welche Wörter denken Sie da zum Beispiel?
Na ja, es hängt ja nicht an bestimmten Wörtern. Eine Gruppe entwickelt eigene Begrüßungen oder bestimmte Anreden. Das können Abkürzungen sein, die andere gar nicht verstehen, etwa „Noob“. Oder Tiernamen als scherzhafte Beleidigungen, wie zum Beispiel „Du blöde Sau“. Den Lehrerinnen oder Lehrern schlackern da verständlicherweise die Ohren. Aber deswegen muss man nicht beunruhigt sein.

Warum nicht?
Weil sich die Mitglieder einer Gruppe, also zum Beispiel einer Schulhof-Clique, damit zeigen, dass sie zusammengehören. Wenn sie sich beleidigen, ist das scherzhaft gemeint. Dass Eltern und Lehrkräfte so nicht angesprochen werden, wissen Kinder und Jugendliche. Auch Schüler und Schülerinnen, die nicht zur eigenen Gruppe gehören, dürfen nicht beleidigt werden. Weder im direkten Kontakt noch über WhatsApp oder hinter deren Rücken. Das ist Ausgrenzung und eine Form von Gewalt.

Was kann man in solchen Fällen machen?
Dann darf man nicht weggucken. Es kann sein, dass auf die verletzenden Wörter sogar körperliche Gewalt folgt. Man kann dann versuchen, ausgegrenzten Personen zu zeigen, dass sie nicht alleine sind. Man kann ihnen sagen, dass man die Meinung der anderen nicht teilt. Und man kann mit ihnen gemeinsam zu Vertrauenspersonen gehen.

Das Interview führte Katharina Heimeier (dpa)

Manchmal wird das Schimpfwort «Heulsuse» benutzt
, nur weil jemand weint. Foto: Franz-Peter Tschauner/dpa

Schimpfwörter

Viele Wörter kann man unterschiedlich verstehen. „Auch etwas völlig Unverdächtiges wie Radiergummi kann zum Schimpfwort werden“, sagt Konstanze Marx. Nämlich dann, wenn man dieses Wort benutzt, um jemanden zu verletzen und zu beleidigen. „Wörter werden zu Schimpfwörtern, wenn man sie als solche gebraucht“, sagt die Expertin.

Ein anderes Beispiel ist Brillenschlange. Unter Freunden kann das witzig gemeint sein – es kann jemanden, der eine Brille tragen muss, aber auch total verletzen.