Was steht in unserem Grundgesetz?

Was steht in unserem Grundgesetz?
"Die Würde des Menschen ist unantastbar" - Dieser Satz steht ganz weit vorne im Grundgesetz. Aber was bedeutet er? (Foto: dpa)

Der 23. Mai ist in Deutschland Verfassungstag. An diesem Tag wird  daran erinnert, dass das Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland, wie unsere Verfassung heißt, am 23. Mai 1949, also vor  68 Jahren verkündet wurde. Aber was steht in so einer Verfassung eigentlich drin?

Richter entscheiden nach dem Grundgesetz. (Foto: dpa)

Das Grundgesetz ist so etwas wie der Boden, das Fundament, für alle anderen Gesetze. Sie beziehen sich alle irgendwie auf das Grundgesetz. Und sie dürfen nur gelten, wenn sie dem Grundgesetz nicht widersprechen. Es beginnt mit einem Vorwort, Präambel genannt. Da steht unter anderem, dass das deutsche Volk „in einem vereinten Europa dem Frieden der Welt“ dienen will. Wenn ihr zum Beispiel zum Schüleraustausch nach Frankreich, Polen oder England fahrt und Jungen und Mädchen aus diesen Ländern kennenlernt, mit ihnen redet, Spaß habt und miteinander in Kontakt bleibt, dann ist das auch ein Beitrag zum Frieden und zur Einheit in Europa.

Nach dem Vorwort kommen in 19 Artikeln die Grundrechte der Deutschen. Eines besagt, dass alle Menschen vor dem Gesetz gleich sind, das heißt, dass die Gesetze  für alle gleich gelten. Auch die freie Meinungsäußerung,  das Versammlungsrecht, also zum Beispiel friedlich demonstrieren zu dürfen und das Briefgeheimnis sind Grundrechte.

Fairness ist das Wichtigste

Ein Adler und Deutschlands Farben vorne drauf: So sieht das Grundgesetz als Buch meist aus. (Foto: dpa)

Wenn ihr  eine Email verschickt und jemand öffnet sie, um euch zu kontrollieren, ist das ein Verstoß gegen euer Grundrecht. Das erste Grundrecht aber ist das wichtigste, ohne das alle anderen wertlos sind. Im Artikel 1 steht: „Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.“  Aber was ist die Würde des Menschen? Und wieso ist sie unantastbar?

In den Regeln für eure Schulklasse steht vielleicht so ein Satz wie „Wir lachen andere nicht aus“. Diese Regel ist wichtig, weil es gemein ist, andere auszulachen. Aber das Lachen kratzt auch ein bisschen an dem, was wir Würde nennen.

Als ich ein kleiner Junge war, habe ich oft mit meinem Bruder  gerauft. Bei unseren Kämpfchen gab es aber eine klare Grenze: Wir haben uns nie ins Gesicht geschlagen. Ohne dass wir darüber  gesprochen hatten, war uns klar, dass so ein Schlag nicht nur wehtun würde, sondern auch ein Angriff auf unsere Würde gewesen wäre.  Weil es aber nicht nur in eurer Klasse oder unter Geschwistern wichtig ist, dass man die  Würde achtet, haben alle Polizisten, alle Politiker und auch alle Richter  die Aufgabe, auf den Schutz der Würde des Menschen aufzupassen.

Streit um eure Rechte

Am Reichstag in Berlin ist das Grundgesetz in groß auf Plexiglas geschrieben. (Foto: dpa)

Von Kinderrechten ist  nicht ausdrücklich die Rede im Grundgesetz. Darüber gibt es gerade Streit in der Bundesregierung. Die SPD, also die eine Partei, möchte dass die Kinderrechte, wie sie von den Vereinten Nationen aufgeschrieben wurden, Teil des Grundgesetzes werden. Die CDU, also die andere Partei, sagt: Wieso? Das Grundgesetz schützt doch schon alle Menschen, also auch Kinder.

Im Grundgesetz steht  noch viel mehr: Über die Aufgaben der Bundesregierung und der Landesregierungen, darüber, wie der Bundestag gewählt wird, wie der sich mit dem Bundesrat, also  der Vertretung der Bundesländer, die Aufgaben teilt und was der Bundespräsident bestimmen darf. Insgesamt hat das Grundgesetz 146 Artikel, also ziemlich viele.

Von Peter Seidel

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