Ein glücklicher Schuster
Ibrahim Contur war zwölf Jahre alt, als er in der Schusterwerkstatt seines Vaters aushalf. Inzwischen macht er diesen Beruf schon fast vierzig Jahre. Und er mag ihn immer noch.
„I love shoes“ heißt die Schusterwerkstatt von Ibrahim Contur. Das ist Englisch und heißt „Ich liebe Schuhe“. Tatsächlich sieht man dem Schuster aus Berlin an, dass er seinen Beruf sehr gerne macht. Wenn man den kleinen Werkstattladen betritt, lächelt er einen breit an.
Und das, obwohl Herr Contur viel Arbeit hat! Bergeweise Schuhe stapeln sich in den Kisten. Ein Exemplar hat er gerade neu besohlt, indem er die alten, abgelaufenen Sohlen abgemacht und neue aufgeklebt hat. „Die müssen jetzt noch fertig gemacht werden“, sagt der Schuster. Dafür hat er eine große Maschine. Mit dieser fräst er die überstehenden Ränder ab. Dann poliert er die Schnittkanten und färbt sie je nach Schuhfarbe braun oder schwarz. Das macht eine Menge Lärm und Dreck. Aber bei Herrn Contur geht es rasend schnell. Denn er hat jahrelange Übung.
Als Kind begonnen
„Ich war zwölf, als mein Vater dieses Geschäft eröffnet hat“, erzählt er. „Ich musste ihm helfen, morgens vor der Schule und auch danach.“ Aber da war er doch noch ein Kind! Herr Contur lacht. „Ja, Spaß hat mir das nicht immer gemacht. Aber so habe ich diesen Beruf gelernt. Und dafür bin ich meinem Vater heute sehr dankbar.“
Ibrahim Contur sagt: „Was Kaputtes heil zu machen, macht mich glücklich.“ Neben der Neubesohlung kann er auch das Leder von Schuhen und Taschen nähen. Außerdem ersetzt Ibrahim Contur Reißverschlüsse und Klettverschlüsse. Wenn die Farbe ab ist, bessert er die Stellen aus. Und natürlich weiß der Schuster, wie man das Leder putzt und bürstet, damit es schön glänzt!
Ein praktisches Händchen braucht es dafür und viel Geduld. Immer wieder kommt Kundschaft in den Laden und unterbricht den Schuster bei der Arbeit. Für eine Essenspause findet er keine Zeit. „Macht nichts“, sagt Herr Contur. „Gleich gehe ich runter in den Keller zum Beten. Dadurch schöpfe ich neue Kraft.“ Fünfmal am Tag betet Ibrahim Contur. So will es sein Glauben, er ist Muslim. Ehe er geht, hängt er ein Schild in die Tür: „Bin in zehn Minuten zurück“.
Der nächste Kunde wartet schon
Als der Schuster wieder in den Laden kommt, hat er neue Schuhe an. Sie sind aus dünnem, schwarzem Leder und sehen wie Socken aus. „Vor dem Beten muss ich mir die Füße waschen“, erklärt er. Auch das schreibt seine Religion vor. „Damit ich das vor dem nächsten Gebet
nicht noch mal machen muss, trage ich jetzt solche ‚Khuff‘. Diese Schuhe kann ich ganz einfach sauber reiben“, erklärt er.
Das spart also Zeit, und die hat Herr Contur dringend nötig. Die nächsten Kunden warten schon und bringen noch mehr Schuh.





