Coronavirus – Fragen und Antworten

Coronavirus – Fragen und Antworten
Foto: Oliver Berg/dpa

Es muss sicher schon drei Monate her sein, dass du zuletzt mit deinen Freunden gespielt hast. Moment… nein. Das war ja erst vor drei Wochen, als alle Schulen geschlossen haben! Und trotzdem kommt es dir vielleicht vor wie eine Ewigkeit.

Gerade an langweiligen Nachmittagen, wenn alle Schulaufgaben erledigt und all’ deine Spiele schon zum dritten Mal ausprobiert sind, fällt es besonders schwer, das “Warum” zu verstehen. Warum reden alle jetzt nur noch über dieses Coronavirus? Warum darf ich nicht mehr raus? Und vor allem: Wann soll das Ganze denn endlich vorbei sein? Wir geben dir heute ein paar Antworten auf diese Fragen.

Warum ist das Coronavirus so besonders?

Thomas Preis ist Apotheker in Köln und Chef des Apothekerverbands Nordrhein. Deswegen kann er die Lage gut einschätzen – nicht zuletzt, weil täglich viele Menschen in seine Apotheke kommen, die die gleichen Fragen haben wie du. Denn auch viele Erwachsene sind verunsichert. Gegen Husten, Schnupfen & Co. kann man viele Medikamente in seiner Apotheke kaufen. Gegen das Coronavirus nicht. “Das Coronavirus ist so besonders, weil es ein ganz neues Virus ist. Im Laufe unseres Lebens bilden wir Menschen nach und nach Antikörper gegen viele nicht so gefährliche Viren – immer dann, wenn wir Kontakt mit ihnen hatten. Danach können uns die Antikörper davor beschützen, nochmal krank zu werden”, sagt Preis. Deswegen werden Erwachsene zum Beispiel auch weniger oft krank, als Kinder – weil die Erwachsenen schon viele Antikörper haben. Aber: “Weil das Coronavirus ganz neu ist – es ist erst vier Monate alt –, konnte noch fast niemand Antikörper dagegen bilden. Deshalb reagieren jetzt alle so empfindlich darauf.” Und eine Impfung wie für viele anderen Krankheiten gibt es ja auch noch nicht.

Die gute Nachricht: Kinder macht das Coronavirus meistens nur leicht krank. Nur ein bisschen Halsschmerzen und Husten und schon ist man wieder gesund. Aber: Für deine Großeltern kann es schon viel gefährlicher werden. Vor allem, wenn etwa ihr Herz oder ihre Lunge nicht mehr richtig funktionieren.

Warum darf ich meine Freunde nicht sehen?

Ältere Menschen sind also besonders gefährdet. Jetzt fragst du dich vielleicht, warum es dann nicht ausreicht, wenn du deine Großeltern nicht mehr besuchst – sondern du zusätzlich auch deine Freunde nicht mehr sehen darfst. “Angenommen, du gehst weiter zur Schule. Oder feierst mit vielen Freunden deinen Geburtstag. Und ihr Kinder steckt euch gegenseitig an. Dann nehmen alle Kinder die Viren auch mit nach Hause und stecken dort die Eltern an. Und weil die Mutter von deiner Freundin öfters auch die Oma besuchen muss, weil sie Hilfe im Alltag braucht, erreicht auch die Oma das Virus”, beschreibt der Apotheker, wie schnell sich das Virus verbreiten kann. Um diese Kettenreaktion zu stoppen, “machen wir eine richtige Vollbremsung! Alle bleiben zu Hause. Dann bleiben auch die Familien gesund – und die besonders gefährdeten Großeltern auch”, sagt Thomas Preis. Normalerweise passen alle immer auf die Kinder auf – jetzt müssen Eltern und Kinder besonders aufpassen, dass Oma und Opa nicht krank werden.

Wann kann man das Coronavirus behandeln?

Besonders wichtig ist, dass wir schnell einen Impfstoff gegen Corona haben. Gegen andere Krankheiten wie Masern oder Keuchhusten werden Kinder ja schon geimpft. “Ein Zelt oder ein Planschbecken kann ich schnell im Garten aufbauen. Aber einen Impfstoff zu entwickeln, das ist ungefähr so aufwendig, wie ein Hochhaus zu bauen”, sagt Apotheker Preis. Er glaubt: Zuerst wird es ein Medikament gegen das Coronavirus geben, vielleicht schon nach dem Sommer. Der Unterschied: Ein Medikament nehmen Menschen, die bereits am Coronavirus erkrankt sind. Es könnte dann den Zustand von sehr kranken Patienten verbessern. Eine Impfung hingegen bekommt man, wenn man vollkommen gesund ist, damit man anschließend vor dem Coronavirus geschützt ist. Deshalb muss dieser Stoff hundertprozentig sicher und geprüft sein, damit es nicht plötzlich auch den Gesunden schlecht geht. “Einen Impfstoff wird es daher erst in etwa einem Jahr geben”, sagt der Apotheker.

Welche Kurve soll abflachen?

Schon seit Wochen reden alle immer wieder von einer Kurve, die abflachen muss oder schreiben im Internet auf Englisch “Flatten The Curve”. Aber was bedeutet das eigentlich? Gemeint sind mit dieser Kurve die Anzahl an Menschen, die sich mit dem Coronavirus angesteckt haben. Werden es mehr, geht die Kurve in die Höhe, werden es weniger, geht sie nach unten. Das ist so wichtig, weil nicht alle Menschen gleichzeitig im Krankenhaus behandelt werden können. Denn so viele Betten und Ärzte gibt es gar nicht! “Das wäre ungefähr so, als wenn plötzlich alle Kölner Schulen gleichzeitig Schwimmunterricht hätten – das geht natürlich nicht. Es kann immer nur eine Klasse gleichzeitig ins Becken, damit alle in Ruhe ihre Bahnen schwimmen und die Lehrer auf alle achtgeben können”, sagt Thomas Preis.

Was passiert mit dem Coronavirus, wenn ich die Hände wasche?

Wenn du deine Hände mit Seife wäscht, wird die Hülle des Coronavirus kaputt gemacht. Dann kann es dich nicht mehr krank machen. “Das Virus ist zwar gefährlich, aber richtig verteidigen kann es sich also nicht”, sagt Preis.

Viel wahrscheinlicher ist übrigens die sogenannte “Tröpfcheninfektion”. So heißt es, wenn ein Corona-Patient zum Beispiel hustet oder niest und du dich dabei ansteckst. Auf Oberflächen wie dem Griff des Einkaufswagens im Supermarkt, Türklinken oder Geld überlebt das Virus einige Stunden. “Deshalb ist es wichtig: Niemals mit ungewaschenen Händen ins Gesicht fassen! Denn die Schleimhäute von Mund, Nase und Augen sind die wichtigsten Eintrittspforten für das Virus in den Körper”, sagt Thomas Preis. Waschen sollte man mit viel Seife und lang genug. Wenn du zwei Mal das Lied “Happy Birthday” singst, ist das genau lang genug. Und: Auch bis zum Handgelenk waschen, bis dorthin, wo dein Pulli anfängt.

Kann ich den Apothekern und Ärzten irgendwie helfen?

Thomas Preis sagt: Ja! Zum Beispiel, wenn deine Mutter einkaufen geht. “Dann hilft es schon, wenn du auch mal eine Stunde alleine zu Hause bleiben kannst. Denn je weniger Menschen in den Supermarkt oder in die Apotheke gehen, desto weniger Menschen können sich auch anstecken.” Und: Je nachdem wie alt du bist, kannst du natürlich auch für deine Großeltern einkaufen gehen, damit sie nicht nach draußen müssen. Am besten dann die Einkaufstüte einfach nur vor ihrer Tür abstellen. Du sollst sie ja besser nicht persönlich treffen. Wenn alle mithelfen, diese Dinge zu berücksichtigen, dann hat der Spuk vielleicht bald schon ein Ende oder du kannst dich wenigstens bald wieder mit deinen Freunden treffen. “Es kann zwar niemand garantieren, dass es nie wieder so ein Virus gibt. Aber: Dann sind wir wenigstens vorbereitet und wissen, wie wir reagieren müssen!”, sagt Preis.

Von Elisa Sobkowiak

Foto: IVDC/China CDC via GISAID/dpa

Wissenswert – Corona

Wenn du mehr über das Coronavirus wissen möchtest oder du dir Sorgen machst, findest du hier mehr Informationen:
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