So ist Ballett entstanden

So ist Ballett entstanden
Früher durften nur Männer Ballett tanzen. (Foto: dpa)

Im Spagatsprung durch die Luft schweben, mit Spitzenschuhen über die Bühne tippeln, im weißen Tutu eine Pirouette drehen. Es gibt viele Mädchen, die davon träumen, Ballerina zu sein. So auch Félicie, die Hauptdarstellerin aus dem Animationsfilm „Ballerina“.

Worum geht’s im Film?

Félicie lebt in einem Waisenhaus auf dem Land in Frankreich und will unbedingt auf der großen Bühne stehen. Also macht sie sich gemeinsam mit ihrem Freund Victor, einem Erfinder, auf nach Paris. Dort angekommen, versucht sie, in einer tollen Ballettschule angenommen zu werden. Ob das klappt, verraten wir an dieser Stelle natürlich nicht. Dafür aber, wie Ballett entstanden ist.

So hat alles angefangen

Tanzen – das machen die Menschen wohl schon immer. Nur die Art und Weise, wie getanzt wird, hat sich mit der Zeit verändert. Im Mittelalter zum Beispiel haben die Adeligen auf großen Festen miteinander getanzt. Doch irgendwann wurde ihnen das zu langweilig.

Schon vor etwa 500 Jahren soll es in Italien die ersten kleinen Ballett-Aufführungen gegeben haben. Die Italienerin Katharina von Medici soll die Tanzform nach Frankreich gebracht haben, als sie dort Königin wurde. Am französischen Königshof wurde das erste große Ballett veranstaltet.

Warum diese Aufführung als erstes Ballett gilt? Weil es schon so etwas wie eine Choreographie gab, die Tänzer hatten also einen Plan, wann sie welche Bewegung machen sollten. Außerdem tanzten nur bestimmte Adelige und nicht alle. Und der Tanz wurde auf einer kleinen, abgesteckten Fläche vorgeführt – einer Art Bühne. Das war neu.

Ein König spielt die Sonne

Die Spitzenschuhe sind für’s Ballett sehr wichtig. (Foto: dpa)

Ein großer Ballett-Fan war König Ludwig XIV. (der Vierzehnte), ein Urenkel von Katharina. König Ludwig XIV. tanzte selbst gerne Ballett – am liebsten übernahm  er die Rolle der Sonne. Das brachte ihm später den Spitznamen „Sonnenkönig“ ein. Ludwig mochte Kunst und Ballett sehr – und er steckte viele Adelige mit seiner Leidenschaft an. Im Jahr 1661 gründete der König sogar die erste Ballettschule der Welt. Der Leiter dieser Schule dachte sich viele Ballettfiguren aus und auch die bekannten fünf Positionen für die Füße.

Frauen im Ballett

Am Anfang tanzten nur Männer Ballett – eigentlich verrückt, wenn man bedenkt, dass Ballett heute als Mädchen-Hobby gilt. Doch an König Ludwigs Schule durften auch Mädchen Unterricht nehmen. Und mit der Zeit wurden solche Ballerinen immer wichtiger. Vor allem in der Phase Romantik, in der alles verträumt aussehen sollte. Das konnten die weiblichen Tänzerinnen mit ihren leichten und weichen Bewegungen besonders gut. Damals wurden auch die Spitzenschuhe erfunden. Denn wer auf den Zehenspitzen tanzt, sieht eben aus als würde er gleich wegschweben. Das war eine sehr wichtige Erfindung für die Tanz-Welt.

Russland wird Ballett-Land

Im russischen Bolschoi-Theater treten Tänzer auf, die zu den besten der Welt zählen. (Foto: dpa)

Doch vor etwa 150 Jahren fanden die Menschen in Europa Ballett immer langweiliger – sie interessierten sich mehr für so etwas wie Musicals. Dafür wurde Ballett in einem anderen Land richtig beliebt: in Russland. An einer Schule dort arbeitete ein Mann namens Pjotr Tschaikowski. Er schrieb Musik für das Ballett, unter anderem  „Schwanensee“ und den „Nussknacker“.

Zeitgenössischer Tanz

Vor mehr als hundert Jahren entwickelte sich in den USA eine ganz neue Tanz-Richtung aus dem Ballett: zeitgenössischer Tanz. Genauer gesagt ist es als Gegensatz zu Ballett entstanden. Einigen Tänzern gefiel damals nämlich nicht, dass man im Ballett nach strengen Regeln tanzen, immer hübsche Kostüme tragen und seine Gefühle verbergen musste.

Die Tänzer entwickelten eine neue Form, in der sie sich richtig ausleben konnten. Zeitgenössischer Tanz sollte nicht nur schön aussehen, sondern echt und gefühlvoll sein. Anfangs gab es für diese Tanzart keine Regeln – mittlerweile aber schon.

Ballett zu Rockmusik

Ballett hat aber nicht nur den zeitgenössischen Tanz beeinflusst, sondern auch andere Tanzarten. Bewegungen, die es im Jazz Dance, im Musical oder im Video Clip Dancing gibt, kommen zum Teil aus dem Ballett. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde auch das klassische Ballett wieder beliebter. Noch heute schauen sich viele Leute gerne das klassische „Schwanensee“ oder den „Nussknacker“ auf der Bühne an. Doch Ballett hat sich auch weiterentwickelt. So gibt es zum Beispiel Tanz-Gruppen, die Ballett mit anderen Tanzstilen mischen und zu Rockmusik tanzen.

Von Angela Sommersberg

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