Warum werden jetzt mehr Flüchtlinge abgeschoben?

Warum werden jetzt mehr Flüchtlinge abgeschoben?
Plötzlich bleibt ein Stuhl im Klassenzimmer leer. (Foto: dpa)

Am Dienstag saß Umar noch auf seinem Platz in der zweiten Reihe. Er hat seine Hausaufgaben vorgelesen. Und in der Pause  mit den Jungs gekickt. Am Mittwoch ist Umar nicht mehr da. In der Woche darauf auch nicht. Plötzlich ist er weg. Umar und seine Familie wurden abgeschoben. Die Geschichte von Umar ist ausgedacht, aber sie passiert so ähnlich zurzeit in vielen Schulen. Was Abschiebung bedeutet, erklären wir zusammen mit Claus-Ulrich Prölß. Er ist  der Chef des Kölner Flüchtlingsrats.

Was ist eine Abschiebung?

Wenn Flüchtlinge in ein Land kommen, müssen sie erstmal bei den Behörden fragen, ob sie bleiben dürfen. Dazu stellen sie einen Asylantrag. Die Behörden prüfen diesen Antrag. Sie schauen: Ist das Leben des Flüchtlings in seiner Heimat so sehr in Gefahr, dass man ihn auf keinen Fall dorthin zurückschicken kann? Wenn die Behörden diese Frage mit „Ja“ beantworten, erhält der Flüchtling Asyl. Er darf bleiben. Sagen die Behörden „Nein“, darf der Flüchtling abgeschoben werden. Das heißt: Es ist wahrscheinlich, dass man ihn in sein Land zurückschickt  – auch, wenn er Angst davor hat.

Wer bekommt Asyl?

Ob die Behörden mit „Ja“ oder „Nein“ antworten, hängt von vielen Dingen ab. Meistens lehnen die Behörden einen Antrag ab, wenn ein Flüchtling aus einem sogenannten sicheren Herkunftsland kommt. Das sind Staaten, die zumindest die Bundesregierung für sicher hält. Dazu gehören zum Beispiel Länder aus Osteuropa wie Albanien und Kosovo. Dort herrscht zwar kein Krieg wie in Syrien, aber manche Leute sind extrem arm oder werden bedroht:

„Menschen, die zum Beispiel zu der Volksgruppe Roma gehören, werden ausgegrenzt. Romakinder können in diesen Ländern oft nicht zur Schule oder zum Arzt gehen“, sagt Claus-Ulrich Prölß. In Deutschland hoffen sie auf ein besseres Leben. „Solche Gründe werden aber oft nicht anerkannt.“ Insgesamt sind die Gesetze für Abschiebungen seit Herbst 2015 härter geworden – es müssen mehr Menschen gehen:  Im Jahr 2016 haben 25.000 Flüchtlinge Deutschland verlassen, im Jahr 2014 waren es rund 11.000. Die meisten waren etwa ein oder zwei Jahre hier.

Warum müssen viele gehen?

In den vergangenen zwei Jahren sind sehr viele Flüchtlinge nach Deutschland gekommen. Damals war die sogenannte Balkanroute noch geöffnet. Das war ein Weg, der aus dem Südosten von Europa bis in den Nordwesten führte. Normalerweise ist eine Flucht sehr teuer, doch dieser Weg  war relativ günstig. Deswegen haben viele arme, unterdrückte Menschen aus Osteuropa, aber auch aus Syrien oder Afghanistan ihn benutzt. Es kamen so viele, dass die Flüchtlingsheime und Schulen sehr voll waren. Es war schwierig, alle zu versorgen. Das sind  Gründe, um  Flüchtlinge zurückzuschicken.

Warum so plötzlich?

Dass ein Flüchtlingskind aus deiner Klasse von heute auf morgen abgeschoben wird, liegt an den neuen Gesetzen. Die besagen, dass eine Abschiebung nicht mehr angekündigt werden muss. Die Familie wird also – ohne es zu wissen – von den Behörden abgeholt, zum Flughafen gebracht und in ihr Heimatland geflogen. Das ist für die Familie und vor allem das Kind oft ein  Schock. Denn das Kind hatte sich hier ja meist schon eingelebt.

Das kannst du tun

Es fühlt sich komisch an, wenn jemand plötzlich verschwindet. Das kannst du tun, wenn du deinen Mitschüler vermisst:

  1. Sprich mit deinen Eltern, Lehrern und Mitschülern über deine Gefühle.
  2. Hole die Verabschiedung nach: Schreibe ihm  einen Abschiedsbrief. Vielleicht kann dein Lehrer eine Adresse herausfinden, an die du den Brief schicken kannst.
  3. Versuche Kontakt  zu halten – per Brief oder vielleicht sogar Whatsapp.
  4. Falls möglich: Lege an den alten Platz des Mitschülers einen Stein oder eine Puppe. Das erinnert an ihn.
  5. Triff dich wieder mehr mit anderen Schülern aus deiner Klasse.

 

Von Angela Sommersberg