Vor 150 Jahren wurde „Alice im Wunderland“ geschrieben

„Alice im Wunderland
„Alice im Wunderland" war unzählige Male in den Kinos. Der Regisseur Tim Burton hat aus Lewis Carrolls Geschichten ein aufwendiges 3D-Abenteuer mit Johnny Depp gemacht. (Foto: dpa)

„Jemine! Jemine! Ich komme bestimmt zu spät!“, seufzt das weiße Kaninchen. Dann zieht es eine Uhr aus seiner Westentasche und verschwindet in seinem Bau. Was würdet ihr tun, wenn ein solch seltsames Wesen an euch vorbeihoppeln würde? Dem Mädchen Alice kommt das sprechende Kaninchen gerade recht. Ihre große Schwester liest in einem Buch ohne Bilder. Alice langweilt sich in der Mittagssonne. Also folgt sie dem hektischen Langohr.

Ein Bootsasuflug mit Folgen

Alice im Wunderland 2Welches fantastische Abenteuer damit beginnt, kann sie ja nicht ahnen. Der englische Schriftsteller und Mathematiker Lewis Carroll hat es vor 150 Jahren aufgeschrieben. Und auch erfunden. Auf einem Bootsausflug auf der Themse – das ist der Fluss, der durch London fließt – in Begleitung dreier Schwestern. Die Carroll mit Geschichten unterhielt. Von der Grinsekatze, die sich unsichtbar machen kann, bis nur noch ihr Lächeln zurückbleibt. Vom verrückten Hutmacher und dem Schnapphasen, die eine immerwährende Tee-Party veranstalten, bei der sie ihre Taschenuhren mit Butter bestreichen. Von rauchenden Raupen, lebenden Spielkarten, vom Spielkrötensupperich und einem dickem Ei, das auf einer Mauer balanciert. Alice Liddell heißt die mittlere der drei Schwestern im Boot. Sie ist von Carrolls durchgeknallten Ideen so begeistert, dass sie ihn bittet, diese doch aufzuschreiben. Und so wird sie zur Heldin, die dem weißen Kaninchen folgte.

Ein großer Erfolg

Das Buch ist sofort ein Erfolg. Sogar die Königin von England liest es. Die heißt damals Viktoria. Schließlich wird sogar eine Krankheit nach der Geschichte benannt: das Alice-im-Wunderland-Syndrom. Wer das hat, nimmt plötzlich sich selbst oder die Dinge um sich herum kleiner oder größer wahr, als sie es wirklich sind. Als guckte man durch ein Fernglas, mal richtig, dann wieder verkehrt herum. Schlimm ist die Krankheit nicht. Lewis Carroll hatte sie selbst. Oft sind es Kinder, die darunter leiden. Weil sie viel zu wenig geschlafen haben.

Viele Kinofilme

Schon 1903 kommt „Alice im Wunderland“ auch ins Kino – und seitdem unzählige Male wieder. Am bekanntesten sind wohl die beiden Disney-Verfilmungen. Der Regisseur Tim Burton hat aus Lewis Carrolls Geschichten ein super-aufwendiges 3D-Abenteuer mit Johnny Depp gemacht. So lustig wie die Bücher – es gibt noch ein zweites namens „Alice hinter den Spiegeln“ – ist der Film allerdings nicht. Wenn ihr euch Walt Disneys Zeichentrick-Version aus dem Jahr 1951 anschaut, werdet ihr euch dagegen fühlen, als hättet ihr gleichzeitig Cola getrunken und Eis gegessen. Soll man ja nicht. Macht aber Spaß, wenn der Magen gluckert und der Kopf gleich mit.

Folgt dem weißen Kaninchen

Warum das Buch immer wieder verfilmt wird? Weil es ja auch immer wieder gelesen wird. Guckt mal, ob es nicht auch bei euren Eltern im Schrank steht. Lest es oder lasst lesen. Hauptsache, ihr folgt dem weißen Kaninchen. Was dann genau passiert, müsst ihr schon selbst herausfinden. Lachen werdet ihr bestimmt. Und dann wird euch vielleicht ein wenig schwindlig. „Alice im Wunderland“ ist wie ein Karussell für den Kopf.

Von Christian Bos