Wenn es in der Nacht hell ist – Sommersonnenwende

Wenn es in der Nacht hell ist – Sommersonnenwende
Stonehenge. Foto: Gettyimages

Der 21. Juni ist der längste Tag des Jahres und wird Sommersonnenwende genannt. Aber was genau ist das eigentlich? Und warum wird sie in so vielen Ländern gefeiert? 

Eine Frage des Standpunkts

Zur Sommersonnenwende steht die Sonne so hoch über der Nordhalbkugel der Erde, wie es nur geht. Deshalb dauert es an diesem Tag auch besonders lange, bis sie wieder untergeht – am Nordpol scheint sie sogar die Nacht über. Wie du vielleicht weißt, bewegt die Erde sich nicht nur um die Sonne, sondern dreht sich auch um ihre eigene Achse. Das ist eine gedachte Linie durch das Erdinnere, die den Nordpol und den Südpol verbindet. Weil diese Achse schräg steht, sind unsere Tage unterschiedlich lang. Da sich die Nordhalbkugel ab der Sommersonnenwende langsam wieder von der Sonne abwendet, werden unsere Tage von da an kürzer. Das Gegenstück zur Sommersonnenwende ist die Wintersonnenwende, der kürzeste Tag des Jahres. Beachte aber: Auf der Südhalbkugel ist es genau andersherum! Was für uns der längste Tag des Jahres ist, ist dort der kürzeste und umgekehrt. Die Jahreszeiten sind quasi vertauscht.

Weiße Nächte in Island

Mit der Sommersonnenwende beginnt bei uns der Sommer – zumindest im Kalender. Für Meteorologen, das sind Wetterexperten, fängt der Sommer nämlich schon am 1. Juni an, weil sie so ihre Messwerte über die Jahre hinweg besser vergleichen können.

Der Tag der Sommersonnenwende ist nicht an allen Orten gleich lang. Je weiter nördlich man sich befindet, desto länger ist es dort hell. Das gilt auch für die Tage um die Sommersonnenwende herum. In nordischen Ländern wie Island gibt es deshalb viele „weiße Nächte“, in denen es fast gar nicht mehr dunkel wird.

Blumenkränze sind ein wichtiger Schmuck. (Fotos: lena_granefelt)

In Schweden wird gefeiert

Die Schweden feiern zur Sommersonnenwende „Midsommar“. Wie du dir sicher schon denken kannst, bedeutet das „Mittsommer“. Das Fest findet jedes Jahr am Samstag zwischen dem 20. und 26. Juni statt und fällt deshalb nicht zwangsweise auf den Tag der Sommersonnenwende. Am Mittsommertag wird viel gesungen, Menschen tanzen um eine mit Blüten und Birkenzweigen geschmückte Stange und viele Frauen tragen Blumenkränze auf dem Kopf. 

Menschen machen kurz nach Sonnenaufgang am alten Steinkreis Stonehenge. Foto: Aijaz Rahi/AP/dpa

Ein mysteriöser Steinkreis

In England besuchen viele Menschen Stonehenge, um die Sommersonnenwende zu feiern. Das ist ein etwa 5000 Jahre altes Steinmonument im Süden des Landes. Es wird vermutet, dass die Anordnung der Monolithen – so nennt man die großen Steine – mit der Sommersonnenwende zusammenhängt. An diesem Tag fällt das Licht beim Sonnenaufgang nämlich durch einen ganz bestimmten Punkt des Gebildes. Das Tolle: Zu diesem Anlass darfst du bis an die Steine herangehen. Normalerweise muss man nämlich hinter einer Absperrung bleiben. Aber Achtung, es wird voll: 2018 kamen etwa 10000 Leute. Nächstes Jahr müsstest du schon früher da sein – dann ist die Sommersonnenwende nämlich am 20. Juni. 

New York, Menschen nehmen am Mind Over Madness Yoga-Event während des Internationaler Tag des Yogas teil, um die Sommersonnenwende zu feiern. Foto: Mark Lennihan/AP/dpa

Legenden und Bräuche

Um die Sommersonnenwende gibt es viele Legenden: So glaubten einige Leute, dass an diesem Tag Hexen und Dämonen ihr Unwesen treiben, verborgene Schätze auftauchen oder in Gewässern versunkene Glocken läuten. Die Sommersonnenwende gilt auch als Fest der Fruchtbarkeit. Für viele Bauern war sie eine wichtige Orientierung zum Aussäen und Ernten von Gemüse und Getreide. Darüber hinaus wurden viele Feuer entzündet: Sie sollten das Böse fernhalten und ein Sprung über das Feuer sollte für Glück und Gesundheit sorgen. Solche Feuer gibt es auch heute noch.

Von Natalie Solbach