Süchtig nach Glücksspiel

Süchtig nach Glücksspiel
An solchen Automaten hat Frau Schuster gespielt. Immer und immer wieder hat sie Geld hineingeworfen. (Foto: dpa)

Dass man mehr spielt, als man eigentlich wollte, kommt schon mal vor. Aber manche Leute spielen um Geld – und können nicht aufhören. Für Frau Schuster hatte das schlimme Folgen.

Irgendwann bemerkte Frau Schuster, dass sie ein Problem hat. Sie erfährt, dass sie aus ihrer Wohnung ausziehen muss. Drei Monate lang hat sie die Miete nicht zahlen können. Denn Frau Schuster konnte nicht aufhören, um Geld zu spielen. Und dabei verlor sie so viel, dass sie nichts mehr bezahlen konnte.

Wann ist man süchtig?

Frau Schuster ist süchtig nach Glücksspielen. „Bei einer Sucht verlieren Menschen die Kontrolle über ihr Verhalten“, erklärt ein Experte. „Sie können nicht mehr damit aufhören.“ Selbst wenn es ihnen schadet. Man kann auch nach anderen Spielen süchtig sein, zum Beispiel nach Computerspielen.

Was ist die Grenze zwischen Spaß und Sucht? Der Experte sagt: Wer sein Spielen nicht mehr im Griff hat, die ganze Zeit ein Verlangen danach hat und am Ende Schaden verursacht, ist süchtig. Hobbys, Interessen, Freundschaften und Familie sind für einen Süchtigen oft nicht mehr wichtig. Er kümmert sich nicht mehr um seinen Alltag.

Glücksspiel bedeutet: Jemand zahlt Geld und hofft, dadurch mehr Geld zurückzubekommen. Der Zufall bestimmt das Ergebnis ganz oder fast ganz. Doch oft verliert man das meiste Geld. „Glücksspiele sind dazu da, die Taschen der Betreiber zu füllen, nicht die Taschen der Spieler“, sagt der Experte. Nicht jeder Spieler wird süchtig. Frau Schuster schon.

Aus Geldnot lügen und stehlen

Wie kam es dazu? Frau Schuster konnte nicht mehr zur Arbeit gehen, ihr Vater wurde schwer krank und jemand tat ihr Gewalt an. Um sich von diesen schlimmen Dingen abzulenken, ging sie spielen. Anfangs ab und zu, dann immer mehr. Sie sagt: „Ich wollte an nichts mehr denken.“

Sie spielte an Automaten, immer in derselben Bar in der Stadt Berlin. Vielleicht sind dir die bunt blinkenden Maschinen schon mal aufgefallen. Man schmeißt eine Münze rein, und wenn man Glück hat, kommen viele Münzen raus. Das passiert aber sehr selten.

Frau Schuster konnte nicht aufhören. Sie musste sich Geld leihen, um weiterzumachen. Sie hat auch Geld genommen, das ihr nicht gehörte. Das alles verlor die 53 Jahre alte Frau wieder. Sie erzählte Lügen, denn sie schämte sich. Keiner wusste von ihrer Sucht.

Die Wahrheit

Frau Schuster spricht mit einem Berater, der sich mit Glücksspielsucht auskennt. (Foto: dpa)

Doch als sie erfährt, dass sie, ihr Sohn und ihre Mutter aus der Wohnung ausziehen müssen, macht sie Schluss mit den Lügen. Sie erzählt ihren Liebsten, was mit ihr los ist – und hat seitdem keinen Automaten mehr angerührt. „Nie wieder will ich spielen“, sagte sie.

Dabei haben ihr Berater geholfen. Frau Schuster hat gelernt, sich um ihre Probleme zu kümmern, und sich nicht mit Spielen abzulenken. Immer noch trifft sie sich mit anderen Süchtigen, die über ihre Probleme sprechen.

Frau Schuster, die eigentlich anders heißt, spielt nicht mehr. Aber sie sagt von sich selbst: „Ich bin immer noch süchtig.“ Sie geht nirgendwo hin, wo es Automaten gibt. Nicht einmal „Mensch ärgere dich nicht!“ spielt sie.

Von dpa