„Ey, du Streber!“

„Ey, du Streber!“
Wer oft Bescheid weiß, wird gern als Streber bezeichnet. (Foto: dpa)

„Du Streber!“ Hast du das auch schon mal zu einem Mitschüler gesagt? Aber: Was bedeutet Streber eigentlich? Ist das wirklich ein Schimpfwort? Und wie geht es den Kindern, die so genannt werden? Das haben wir Kerstin Weidner gefragt. Sie ist Schulpsychologin bei der Stadt Köln.

Was bedeutet das Wort?

Streber hat mit dem Verb „streben“ zu tun. „Eigentlich ist ein Streber jemand, der etwas anstrebt, der ein Ziel vor Augen hat“, sagt Kerstin Weidner. Dieses Ziel kann zum Beispiel sein: Ich möchte gute Noten haben, damit ich nach der Grundschule auf das Gymnasium wechseln kann. Oder: Ich möchte später einen tollen Schulabschluss machen, damit ich den Beruf erlernen kann, auf den ich Lust habe. Streber sind oft begabt und haben gute Noten in der Schule. Deswegen geht es ihnen oft auch gut: „Sie haben keine Angst vor Klassenarbeiten, schlafen besser und haben weniger Stress mit den Eltern“, sagt die Expertin.

Was ist ein Streber?

Die Dinge, die einen Streber ausmachen, sind also im Grunde etwas Gutes. Trotzdem bedeutet das Wort etwas Schlechtes, es wird oft als Schimpfwort verwendet. „Viele haben das Vorurteil, dass Streber nur zu Hause sitzen und lernen“, sagt Kerstin Weidner. Streber gelten als langweilig, uncool und oft auch als selbstsüchtig – man glaubt also, dass sie ihre Erfolge nicht teilen möchten. „Klar, es gibt Schüler, die mit ihren guten Noten prahlen und jubeln – was bei anderen dann nicht so gut ankommt“, sagt die Expertin. „Aber viele gute Schüler sind bescheiden.“

Warum ist das ein Schimpfwort?

„Wenn Schüler nicht so gute Noten haben, sind sie oft neidisch auf die Erfolgreichen“, sagt Kerstin Weidner. „Denn eigentlich möchte jeder Mensch gut sein und gelobt werden.“ Manche Schüler gönnen den anderen ihren Erfolg nicht – und machen sie deswegen schlecht. „Wenn ich jemand anderen abwerte, werte ich mich selbst auf.“ So blöd das klingt: Jemand anderen schlecht zu machen, kann einem selbst das Gefühl geben, gut zu sein.

Wie geht es den Kindern?

Keiner möchte Streber genannt werden. „Es kann sehr verletzend sein, wenn man so bezeichnet wird“, sagt Kerstin Weidner. Klar, manchmal ist das als Witz gemeint, aber wenn Kinder immer und immer wieder Streber genannt werden, können sie richtig traurig und sogar krank werden. „Manche gute Schüler verstecken ihre Leistungen, damit sie nicht mehr Streber genannt werden“, sagt die Expertin. Und manchmal werden diese Kinder dann mit der Zeit wirklich schlechter in der Schule. Das ist vor allem bei Mädchen und in Fächern wie Mathe, Physik oder Biologie so, erklärt Kerstin Weidner.

Wie solltest du dich verhalten?

Du hast gute Noten, möchtest aber nicht als Streber bezeichnet werden? „Eine Studie hat gezeigt, dass erfolgreiche Kinder, die gut eingebunden sind, eher akzeptiert werden“, sagt die Expertin. Also: Freu dich über deine guten Noten, aber lass deinen Erfolg nicht übertrieben raushängen. Zeig den anderen, dass du nicht nur zu Hause sitzt und lernst. Triff dich mit Leuten aus deiner Klasse, geh zum Sport, feiere eine große Party zu deinem Geburtstag.

Und mach ruhig mit, wenn die ganze Klasse einen witzigen Lehrerstreich plant. Natürlich kannst du schwächeren Schüler aber auch anbieten, ihnen die komplizierte Rechnung in Mathe nochmal zu erklären. Oder die Grammatik-Regel in Englisch. Vielleicht zeigen sie dir dann im Gegenzug, wie man einen perfekten Korbleger macht oder ein schönes Bild zeichnet. Schließlich fängt heute ein neues Schuljahr an. Und da kann man ruhig mal alles anders machen.

Von Angela Sommersberg

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