Salim ist ein Drachenkämpfer

28.03.2018, Afghanistan, Kabul: Der zehnjährige Salim steht in einem Laden für Papierdrachen in der afghanischen Hauptstadt Kabul.
In Kabul gibt es einen Laden mit Drachensachen. Hier kauft Salim ein. (Foto: Christine-Felice Röhrs/dpa)

Spielst du gerne Fußball? Oder magst du Tanzen? Viele Kinder in Deutschland haben solche Hobbys. In dem Land Afghanistan lieben die Kinder das Drachenfliegen. Es ist ein richtiger Sport. Gerade im Frühling sind die Winde perfekt, deshalb startet die Saison. Der zehnjährige Salim erzählt von seiner großen Leidenschaft, die sehr gefährlich werden kann.

Salim kauft sich einen neuen Drachen. Diesmal ist es ein knallgelber mit Spiderman drauf. Salim ist zehn Jahre alt und total verrückt nach dem Drachenfliegen. Ein bisschen angeberisch sagt er: „Ich bin der beste Drachenläufer in meinem Viertel.“

Salim lebt in Kabul. Das ist die Hauptstadt des Landes Afghanistan. Um dahin zu kommen, muss man mindestens zehn Stunden mit dem Flugzeug fliegen.

Wieso Drachenfliegen?

Das Drachenfliegen ist für die Kinder ein richtiger Wettbewerb, erzählt Salim (Fotos: dpa)

Das Drachenfliegen ist für die Kinder ein richtiger Wettbewerb, erzählt Salim. Ziel ist es, die Schnur des Gegners mit der eigenen durchzuschneiden. (Fotos: dpa)

Das Drachenfliegen ist für viele Jungen in Afghanistan ein Lieblingssport, der jede freie Minute füllt. Die Drachensaison dauert in Kabul von Anfang März bis Ende April. Der Himmel über der Stadt ist dann voll bunter Tupfer.

Salim sagt, der beste Platz sei das Dach. „Da ist es windiger als auf der Straße.“ Dächer sind in Afghanistan oft flach und man kann auf ihnen rennen. Das ist aber auch gefährlich. Immer wieder fallen Kinder von Dächern runter.

Am Wochenende spielen sie deshalb am liebsten auf den Hügeln. Auch Eisverkäufer kommen dorthin. Außerdem Musiker und Leute, die Ritte auf Pferden anbieten. Die Drachensaison ist also fast so etwas wie eine lange Kirmes.

Wo gibt es die Drachen?

Drachenfliegen ist eine alte Tradition in Afghanistan. Im Frühling ist der Wind perfekt und die Saison startet wieder. (Foto: dpa)

Drachenfliegen ist eine alte Tradition in Afghanistan. Im Frühling ist der Wind perfekt und die Saison startet wieder. (Foto: dpa)

Salim holt sich neue Drachen immer im größten Drachenladen des Landes in der Altstadt von Kabul. Hunderte Drachen liegen hier in den Regalen, in allen Farben und Größen. „Wir haben jeden Tag bis zu 3000 Kunden aus dem ganzen Land“, sagt ein Verkäufer. 600 Angestellte machen nichts anderes, als für den Laden Drachen zusammenzukleben.

Ein Drachen kostet zwischen 20 und 4500 Afghani – so heißt das Geld in Afghanistan. Das sind weniger als ein halber Cent bis zu rund 50 Euro. Salims Familie ist nicht reich. Sein Vater verkauft Gemüse auf der Straße. Seine Drachen muss Salim deshalb selbst bezahlen. Also hat er sich einen Job ausgedacht, mit dem er sich Taschengeld verdient. Vor der Schule kauft Salim auf dem Markt einen Stapel Plastiktüten. Dann stellt er sich an die Straße und verkauft sie etwas teurer weiter.

Für Salim und die anderen afghanischen Kinder ist das Drachenfliegen aber mehr als Spaß – es ist ein Wettkampf. Das Ziel ist, mit der Schnur des eigenen Drachen die Schnur eines gegnerischen Drachen abzuschneiden. Die Schnüre sind scharf: gehärtet mit fein gemahlenem Glas. „Um sich nicht in die Finger zu schneiden, muss man Pflaster draufkleben“, sagt Salim. „So gewinne ich viele Drachenkämpfe!“ (dpa)

Lange Geschichte

Das Drachenfliegen ist eine alte Tradition in dem Land Afghanistan und mehreren Nachbarländern. Kinder und Erwachsene lassen Papierdrachen dort seit vielen Hundert Jahren steigen – vor allem im Frühling, weil es dann schön windig ist. In den Nachbarländern Pakistan und Indien gibt es sogar ein Festival für das Drachenfliegen. Es heißt Basant. In Pakistan wird Basant aber oft verboten. Das hat unter anderem religiöse Gründe. Außerdem verletzen sich Kinder oft dabei.

(Von dpa)