„Pumuckl ist wie mein viertes Kind“

„Pumuckl ist wie mein viertes Kind“
Heute sieht Pumuckl anders aus, als Barbara von Johnson ihn erstmals gezeichnet hat. (Foto: Franckh-Kosmos Verlag/dpa)

Barbara von Johnson wurde heute vor 75 Jahren geboren. Die Münchner Künstlerin hat als Erste die Pumuckl-Figur gemalt und später andere Kinderbücher illustriert.Wir haben mit ihr über ihre Erfindungen gesprochen.

Frau von Johnson, Sie sind die allererste Künstlerin, die den Pumuckl gezeichnet hat. Das war vor über 50 Jahren. Wie kam es dazu?

Mit diesem Bild hat Barbara von Johnson im Jahr 1963 den Wettbewerb gewonnen. (Foto: privat)

Barbara von Johnson: Ich habe als 21-jährige Studentin, im Jahr 1963, einen Wettbewerb gewonnen.  Es ging darum, dem Kobold aus den Geschichten von Ellis Kaut ein Gesicht und einen Körper zu geben. Sie hat uns das erste Kapitel vorgelesen, bei dem Pumuckl am Leimtopf von Meister Eder kleben bleibt und sichtbar wird. Die Malvorgabe lautete: rote Haare und große Hände zum Nagelkisten herunterwerfen. Dann haben wir drauflos gezeichnet.

Es heißt, Ellis Kaut fand Ihre Darstellung  am lustigsten – besonders die Frisur und den Gesichtsausdruck. Woher hatten Sie die Idee?

Barbara von Johnson: Eigentlich habe ich mich selbst porträtiert: Die vorstehenden Zähne, das Hohlkreuz, wodurch der Eindruck eines Bäuchleins entsteht und die verwuschelten Haare. Und genau wie er bin ich schon immer am liebsten barfuß gelaufen.

15 Jahre lang haben Sie dann den Pumuckl für Bilderbücher und  Cover von Platten- und Hörspielen gemalt.  Wieso haben Sie im Jahr 1978 damit aufgehört?

Barbara von Johnson: Ich bin selbst Mutter geworden, habe also meine eigenen drei kleinen Kobolde bekommen. Und als Pumuckl dann fürs Fernsehen produziert wurde und quasi in Bewegung kam, bin ich ihm nicht mehr nachgelaufen.

Barbara von Johnson (Foto: dpa)

Nach Ihnen haben andere Künstler die Zeichnung von Pumuckl übernommen. Und plötzlich sah er nicht mehr ganz so aus wie bei Ihnen …

Barbara von Johnson: Das stimmt. Ich musste mit ansehen, wie sich der Pumuckl im Laufe der Zeit immer weiter verändert hat. Natürlich schmerzen einen als optische Mama solche Veränderungen am eigenen  Kind. Aber wie im echten Leben verändern sich Kinder, wenn sie älter werden.

Was bedeutet Ihnen Pumuckl?

Barbara von Johnson: Pumuckl ist für mich wie mein viertes Kind. Ich habe 15 Jahre lang die Entwicklung des Pumuckls miterlebt, ihn also quasi von der Geburt bis zur Pubertät begleitet. Bis heute ist er präsent in meinem Leben und hat mich immer begleitet. Er hat mich zeichnerisch gefordert und mein Leben bereichert. Dafür sage ich gerne von Herzen: Danke, lieber Pumuckl!

Pumuckl ist am 21. Februar dieses Jahres 55 Jahre alt geworden. Passend zu diesem Anlass erscheint im November ein neues Pumuckl-Buch für Kinder und Sie wurden gebeten, wieder den Pumuckl zu illustrieren.

Barbara von Johnson: Für mich schließt sich damit ein Kreis: Ich habe Pumuckl als junges Mädchen sichtbar werden lassen und nun kehrt der kleine Kobold zu mir zurück. In dem Buch geht es um Wintergeschichten, sieben davon sind Kurzfassungen von Ellis Kauts Geschichten.

Malen Sie Pumuckl dann so, wie er früher ausgesehen hat?

Barbara von Johnson malt den Pumuckl am liebsten ohne Clownsnase. (Foto: privat)

Barbara von Johnson: Mir ist wichtig, dass „mein“ Pumuckl so aussieht, wie er immer ausgesehen hat, nicht verschlankt, nicht mit vier Fingern oder vier Zehen, nicht mit Clownsnase, sondern eben der seelenvolle, kleine freche Kerl ist, der er immer war.

Wie lange brauchen Sie, um ein Pumuckl-Bild zu malen?

Barbara von Johnson: Der Pumuckl geht mir heute wie damals leicht aus der Feder. Von der Idee, der ersten Schmierskizze bis hin zum fertigen Bild dauert es meist so 20 Minuten. Mein Handgelenk ist eingespielt.

Was können Sie Kindern raten, die auch gerne toll malen wollen?

Barbara von Johnson: Schöne Bilder entstehen, wenn man das auf Papier bringt, was man fühlt oder im Kopf hat. Also,  einfach seine Gedanken als Bild rauslassen. Da darf man gerne mutig sein und mit den Farben klecksen, kleckern und spritzen. Es muss nicht den Eltern oder Großeltern gefallen, was man malt. Am wichtigsten ist, dass man sein Gemaltes selbst toll findet.

Das ist Pumuckl

Pumuckl wurde 1961 von der bereits verstorbenen Autorin Ellis Kaut erfunden. Nach Gewinn des Illustrations-Wettbewerbs malte Barbara von Johnson als Erste die Figur von 1963 bis 1978.  Anschließend zeichneten andere Künstler Pumuckl,  unter anderem für Filme. Im Laufe der Zeit veränderte Pumuckl sich immer mehr: Er wurde schlanker,  das Gesicht flacher, hatte statt fünf nur noch vier Finger und Zehen und bekam eine Clownsnase.

Das Gespräch führte Jens Kopke