Mit echter Uniform zum Einsatz

Mit echter Uniform zum Einsatz
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Kichern und Tuscheln ist im Besprechungsraum der Polizei in Lelystad zu hören. Das ist eine Stadt in der Nähe von Amsterdam. Elf Kinder sitzen im Raum und warten, dass die Besprechung beginnt. Dabei erfahren sie alles über ihren Einsatz von heute.

Niederlanden

Die Kinder sind Polizeikids. Moment – sie sind bei der Polizei? Geht das überhaupt, wenn man noch so jung ist? In den Niederlanden schon. Wir haben die Kinder begleitet und erklären dir ihre Aufgaben.

Professionell auftreten

Zwei Polizistinnen erklären, dass der heutige Einsatz der Kinder bei einer Gedenkfeier sein wird. Die Aufgabe: In zwei Reihen an der Straße stehen, eine Gasse bilden und so die Prozession schützen. Die Polizeikids müssen dabei ruhig sein, dürfen nicht lachen oder quatschen. Sie sollen sich so verhalten, wie sie es in der Ausbildung gelernt haben. „Also professionell“, sagt Thijmen Mulder. Er ist zwölf Jahre alt und der größte in seiner Gruppe. Es ist sein zweiter Einsatz. Einen Monat zuvor hat er die Ausbildung zum Polizeikid abgeschlossen.

Die Ausbildung

Jeden Mittwoch hatte Thijmen anderthalb Stunden Polizeitraining, ein halbes Jahr lang. „Es war immer schön, aber ich musste dann oft Treffen mit meinen Freunden absagen.“ Dafür hat er viel gelernt. Auch seine Kondition hat er trainiert. „Und wir haben Tipps bekommen, wie wir uns durchsetzen und jemanden auf Abstand halten, der uns angreift“, erklärt er. „Wir sind auch mit auf die Polizeiwache gegangen, haben Autos angehalten und die Fahrtgeschwindigkeit gemessen.“

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Aufregende Prüfung

Am Schluss gab es eine Prüfung. Thijmen war nervös. „Wenn du die Hälfte falsch machst, fällst du durch. Total streng.“ Aber es ging alles gut. „Wir mussten an einer Schule einen verdächtigen Mann anhalten, einen Parkour zurücklegen und ein Brett durchschlagen.“

Danach wurden die Polizeikids offiziell ins Amt eingeführt, haben einen Ausweis bekommen und eine Uniform. Die sieht so ähnlich aus wie die niederländische Polizeiuniform, auch neongelb und schwarz.

Niederlanden

Gute Partner

Aranka van Velde ist Polizistin und arbeitet oft mit den Kindern zusammen. Wenn Polizeikids für einen Einsatz gebraucht werden, ruft sie die Eltern an und fragt, ob die Kinder Zeit haben. „Es funktioniert super. Bei einem Flohmarkt, einer Kirmes oder wie jetzt bei einer Gedenkfeier können wir sie sehr gut gebrauchen. Aber nicht immer. Wenn es gefährlich werden könnte, setzen wir die Polizeikids nicht ein.“

In den Schulen macht die Polizei Werbung für das Projekt. So hat auch Thijmen davon erfahren. Kinder zwischen sieben und elf Jahren können sich dafür melden. „Wir schauen, welchen Kindern die Ausbildung besonders guttun könnte. Welches Mädchen und welcher Junge sollte üben, sich zu behaupten? Das lernen sie bei uns am meisten“, erklärt Aranka.

Aber auch die Polizei hat etwas davon. Das Verhältnis zwischen der Polizei und Kindern ist nämlich nicht gut. Viele Kinder sehen die Polizei als Feind oder haben Angst vor ihr. „Wenn ich in ein Viertel gehe, wo Polizeikids wohnen, erkennen sie mich. Sie trauen sich, mich anzusprechen, wenn etwas passiert ist, sie wissen, dass wir den Menschen helfen wollen. Und dieses Gefühl breitet sich zum Glück langsam in der ganzen Stadt aus“, sagt Aranka.

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Der Einsatz

Nach der Besprechung steigen die Kinder in den weißen Polizeibus und fahren zusammen mit vier Polizisten zu ihrem Einsatz. Sie bekommen viel Aufmerksamkeit und müssen immer wieder erklären, was sie machen. „Es ist auch interessant zu beobachten, wie anders Menschen sich verhalten, wenn du mit der Uniform über die Straße gehst. Sie verhalten sich dann extra vorbildlich. Das ist witzig zu sehen“, sagt Thijmen. Der Einsatz läuft gut, alles bleibt ruhig. Thijmen ist zufrieden.

Von Christina Weise