Wie sieht Kyrillisch aus?

Wie sieht Kyrillisch aus?
So sieht kyrillisch aus - die Stationen einer Metro in St. Petersburg (Bild: dpa)

Wie sieht der Buchstabe B aus? Ist doch klar, so: „B“. Fragst du aber zum Beispiel ein Kind aus Bulgarien, bekommst du bestimmt eine ganz andere Antwort. Dort schreibt man das B nämlich so „Б“. Auch in Russland oder Serbien schreiben die Menschen mit einer anderen Schrift. Sie benutzen das kyrillische (gesprochen: kürillische) Alphabet. Je nach Sprache hat dieses Alphabet mal mehr oder weniger Buchstaben.

Wir in Deutschland benutzen das lateinische ABC. Einige Buchstaben sehen in beiden Schriften genau gleich aus. Aber die meisten Buchstaben sind total unterschiedlich. So wie zum Beispiel der Buchstabe B.

Sprache ohne Schrift

Benannt ist die Schrift nach einem Kirchenmann. Er hieß Kyrill von Saloniki. Er stammte aus Griechenland und lebte vor mehr als 1000 Jahren. Von seinem Kaiser wurde Kyrill in das Fürstenreich Mähren geschickt. Dort lebte ein Herrscher, der wollte, dass sein Volk das Christentum kennenlernt. Und Kyrill sollte es den Menschen näherbringen. In dem Land Mähren im Osten Europas wurde die Sprache Slawisch gesprochen. Aber es gab ein Problem: Denn zu dieser Sprache gab es damals noch keine richtige Schrift. „Die Sprache wurde nur gesprochen“, sagt Daniel Bunčić. Er arbeitet an der Uni Köln und ist Fachmann für Sprachen. Deshalb habe Kyrill einfach eine neue Schrift erfunden. „Er hat sich neue Zeichen ausgedacht, mit vielen kleinen Schlaufen und Kringeln“, erklärt der Experte.

Hängende Buchstaben

Die Schrift sah komplett anders aus als alle Schriften, die es damals gab. Die Buchstaben wurden zum Beispiel auch nicht auf einer Linie geschrieben. „Sie hingen vielmehr unter der Linie. Das sieht ein bisschen so aus, als würden sie an einer Wäscheleine hängen“, sagt der Fachmann. Mit dieser neuen Schrift schrieb Kyrill dann die wichtigsten Kirchenbücher auf. Das waren die Anfänge des kyrillischen Alphabets.
So richtig entstanden ist die Schrift aber erst einige Jahre später. In dem Land Bulgarien. Denn dort waren einige Schüler von Kyrill hingegangen. Sie vereinfachten die fremdartige Schrift. Dazu tauschten sie einfach bestimmte Buchstaben aus. Zum Beispiel durch solche aus dem griechischen Alphabet. Denn das Alphabet kannten sie gut. Daraus entstand dann ein Mix – aus der alten Schrift von Kyrill und den griechischen Buchstaben. Und das ist das kyrillische Alphabet.

Wo du Kyrillisch findest

Wusstest du, dass man die kyrillische Schrift auch auf unserem Geld findet? Zum Beispiel auf den neuen Fünf-Euro-Scheinen. Dort steht das Wort „Euro“ drauf – und zwar gleich drei Mal: Einmal in lateinischer Schrift, so wie wir sie kennen. Darunter steht das Wort dann in griechischen Buchstaben. Und zum Schluss auf Kyrillisch. Warum? Seit einigen Jahren gehört Bulgarien zur Europäischen Union, dem Bündnis von 28 Ländern in Europa – auch Deutschland gehört dazu. Bulgarien liegt im Südosten von Europa. Dort wird kyrillisch geschrieben. Deshalb findet man die Schrift nun auch auf den Euro-Scheinen.

Von dpa