Girls‘ Day: Mädchen und Technik – das passt super!

Mädchen im Labor - Nur langsam trauen sich Mädchen auch in klassische Männerberufe. Gut so, denn die Bedingungen sind dort viel besser. (Foto: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.)
Langsam trauen sich Mädchen auch in klassische Männerberufe. Gut so, denn die Bedingungen sind dort viel besser. (Foto: Kompetenzzentrum Technik-Diversity-Chancengleichheit e.V.)

Später mal als Informatikerin arbeiten? Das können sich nur fünf Prozent der Mädchen vorstellen, also nur jedes 20. Afsar Soheila Sattari (60) findet das blöd. Sie hat selbst Informatik studiert und setzt sich dafür ein, dass mehr Mädchen in technischen und naturwissenschaftlichen Berufen eine Ausbildung machen. Deswegen hat sie eine besondere Veranstaltung organisiert. Heute ist nämlich Girls‘ Day und Boys‘ Day – also ein Tag an dem Mädchen typische Männerberufe und Jungs typische Frauenberufe ausprobieren können.

Was sind Mint-Berufe?

Beim Girls' Day können Mädchen technische und naturwissenschaftliche Berufe ausprobieren. Unternehmen wie die Bayer Pharma AG fördern dies. (Foto: Bayer Pharma AG)

Beim Girls‘ Day können Mädchen technische und naturwissenschaftliche Berufe ausprobieren. Unternehmen wie die Bayer Pharma AG fördern dies. (Foto: Bayer Pharma AG)

Die Abkürzung Mint setzt sich aus den Anfangsbuchstaben der Fächer Mathematik, Informatik, Naturwissenschaft und Technik zusammen. „Es gibt insgesamt 162 Mint-Berufe“, sagt Afsar Soheila Sattari. Dazu zählen zum Beispiel Apotheker, Automechaniker oder Mathe-Lehrer. Das Tolle an den meisten Mint-Berufen ist: „Man bekommt meistens unbefristete Verträge und verdient mehr Geld als in anderen Jobs“, weiß Afsar Soheila Sattari.

Übrigens: Man muss nicht für alle Mint-Berufe Abitur haben. Manche lernt man in einer Ausbildung, für andere studiert man. Hört sich alles ziemlich gut an, oder? Trotzdem sind nur 15 Prozent der Leute, die in Mint-Berufen arbeiten, Frauen. Dafür haben Frauen häufig Berufe, in denen man nicht so viel Geld bekommt – und arbeiten manchmal auch nur den halben Tag. Deswegen verdienen Frauen im Durchschnitt 21 Prozent weniger als Männer.

Warum ist das so?

„Das liegt an der Erziehung in Deutschland und vielen anderen Ländern“, sagt Afsar Soheila Sattari. Denn viele Leute glauben immer noch, dass Mädchen besser Sprachen lernen können und Jungs besser Mathe und Physik. Oft ist es sogar so, dass Jungs für gute Noten in Mathe besonders gelobt werden – und Mädchen für eine in Sprachen. Dadurch wird ihre Begeisterung in eine Richtung gelenkt.

„Dabei stimmt das alles gar nicht!“, sagt die Expertin. „Frauen, die in technischen Berufen tätig sind, machen ihre Arbeit genauso gut wie Männer.“ Und wer jetzt denkt, dass man in Mint-Berufen besonders schwer tragen muss (was Männer besser können), hat sich getäuscht. „Heutzutage wird das meiste von Maschinen erledigt. Man sitzt viel am Computer.“

Wie geht es weiter?

Das Denken der Menschen muss sich ändern. Dass es auch anders geht, weiß Afsar Soheila Sattari. „Ich komme aus dem Iran. Dort versuchen Eltern ihre Jungen und Mädchen für die Berufe Arzt, Jurist oder Ingenieur zu begeistern, denn damit kann man am meisten Geld verdienen.“ Deswegen studieren dort auch viele Mädchen Technik oder Naturwissenschaft. Dass die Bemühungen von Afsar Soheila Sattari und anderen in Deutschland Erfolg haben, zeigt diese Zahl: Nach dem Girls‘ Day 2016 konnten sich 7,4 Prozent der Mädchen vorstellen, später als Informatikerin zu arbeiten. Also anderthalb mal so viele wie vorher.

VON ANGELA SOMMERSBERG