Von Feuerwehrfrauen und Friseuren
Warum heißt es eigentlich Krankenschwester und nicht Krankenbruder? Und wieso arbeiten meistens Frauen als Pflegerinnen in Altenheimen? Das fragen sich viele. Heute am 8. März ist Weltfrauentag. Den Tag nehmen wir zum Anlass, um euch zu erklären, warum es typische Männer- und typische Frauenberufe gibt.
Die Geschichte der Berufe
Diana Lengersdorf ist Professorin an der Uni Köln. Sie forscht im Fach Soziologie und beschäftigt sich dabei mit dem Verhalten von Menschen. Sie weiß, dass es die Unterscheidung von typischen Männer- und Frauenberufen schon sehr lange gibt. „Das geht auf die Entstehung von Berufen in der Mitte des 19. Jahrhunderts zurück“, sagt Diana Lengersdorf.
Zu dieser Zeit wurden immer mehr Maschinen erfunden. In der Gesellschaft habe sich dann der Gedanke entwickelt, dass man mit der Arbeit an Maschinen Geld verdienen könne. „Seit dem wurde unterschieden zwischen Arbeit, die zu Hause erledigt wird, und Arbeit, die man an einem anderen Ort macht“, sagt Lengersdorf. Damals war klar, dass vor allem Männer an einem anderen Ort arbeiteten. Frauen versorgten die Familie und kümmerten sich um den Haushalt.
Die Arbeit der Frauen
Aus dieser Auffassung heraus entwickelten sich später weitere Berufe. Frauen arbeiteten zum Beispiel in anderen Familien oder kümmerten sich um Kranke. Sie passten auf die Kinder auf oder erledigten dort die Hausarbeit. Daraus entstand später zum Beispiel der Beruf der Erzieherin oder der Haushälterin. Übrigens durften Frauen nur so lange arbeiten, bis sie verheiratet waren. Das stand sogar im Gesetz. Danach mussten sie ihren Mann um Erlaubnis bitten, weiter arbeiten zu gehen. Diese Regelung bestand sogar noch bis vor 40 Jahren.
Typisch Frau, typisch Mann
Aber auch heute noch interessieren sich Mädchen und Frauen mehr für Berufe, die als weiblich angesehen werde. Sie werden etwa seltener Kfz-Mechatronikerin oder Pilotin. Das sind eher Männerberufe. Es gibt aber auch kaum Männer in typischen Frauenberufen. Wenige Männer arbeiten etwa als Grundschullehrer oder Kosmetiker.
„Dieses Phänomen ist nicht einfach zu erklären“, sagt die Professorin. „Das hängt unter anderem damit zusammen, dass die Gesellschaft immer noch an diese alte Verteilung der Aufgaben glaubt: Männer verdienen Geld, und Frauen passen auf die Kinder auf.“ Es sei schwer, sich von diesen Vorstellungen zu lösen. „Wenn ein Mädchen gerne Rennautos bauen möchte, muss sie das erklären. Genauso wie Jungs erklären müssen, Friseur werden zu wollen.“ Das koste viel Energie. Deshalb suchen sich viele Menschen Berufe aus, die für ihr Geschlecht typisch sind.
Langsame Veränderung
Heute habe sich aber schon viel verändert, sagt die Professorin: „Es gibt langsam eine Veränderung. Einige Frauen arbeiten als Chefs in großen Unternehmen und verdienen viel Geld. Früher hätten dort nur Männer gearbeitet.“ Doch Kinder sollten ihre Träume verfolgen. „Wenn ein Mädchen Feuerwehrfrau werden will, soll sie das machen. Sie muss sich durchsetzen und darf sich nicht von Vorurteilen abschrecken lassen“, sagt Lengersdorf. „Es lohnt sich.“
Von Jennifer Stötzel





