Abitur in Turbo-Geschwindigkeit

Abitur in Turbo-Geschwindigkeit
G8 oder G9 - hinter den beiden Begriffen steckt die Frage, wie lange Kinder in die Schule gehen sollen. (Foto: dpa)

Ein Auto, das einen Turbomotor hat, kann ganz besonders schnell fahren. Und wer heute auf’s Gymnasium geht, macht sein Abitur ganz besonders schnell – er macht ein Turboabitur. Seit dem Jahr 2005 gehen Jugendliche in Nordrhein-Westfalen nur noch acht Jahre lang auf das Gymnasium (das heißt G8). Vorher waren es neun (G9). Auch fast alle anderen Bundesländer haben die Zeit bis zum Abi verändert. 

Seit der Verkürzung diskutieren Lehrer, Eltern und Politiker, ob die Entscheidung richtig war. Jetzt hat das Bundesland Bayern beschlossen, das Abitur nach neun Jahren wieder einzuführen. Doch worum geht es bei der Diskussion überhaupt? Wie sieht es in Nordrhein-Westfalen (NRW) vor der Landtagswahl in knapp drei Wochen aus?

Warum gibt es überhaupt G8?

Früher machten Abiturienten ihren Abschluss nach neun Jahren. Heute müssen sie schneller lernen. (Foto: dpa)

Früher waren die meisten Schüler 19 Jahre alt, wenn sie ihr Abitur gemacht haben. Dann folgten noch mehrere Jahre Ausbildung oder Studium. So konnten viele junge Menschen erst mit Mitte zwanzig anfangen zu arbeiten. „Das dauert in Deutschland alles viel zu lange“, dachten sich die Politiker. Denn im Ausland sind die Schüler oft früher  fertig. Die Politiker wollten, dass die Abiturienten ein Jahr früher Geld verdienen – und auch, dass sie ein Jahr früher Steuern zahlen, und so die Gesellschaft unterstützen können. Deswegen beschlossen sie in fast allen Bundesländern, das Abi nach acht Jahren Gymnasium einzuführen. Denn über Schulpolitik entscheiden nicht die Politiker in Berlin, sondern die in den Bundesländern.

Was ist das Problem an G8?

So haben sich die Bundesländer entschieden. (Grafik: Böhne)

Gesetzlich ist festgeschrieben, dass Schüler bis zum Abitur eine bestimmte Stundenanzahl in der Schule verbringen müssen. Logisch also, dass Schüler mehr Unterricht haben, wenn sie nur acht statt neun Jahre zur Schule gehen. Deswegen haben G8-Schüler oft nachmittags Unterricht – und weniger Zeit für Hobbys oder Freunde. Das finden viele Kinder und Eltern doof. Manche Schüler fühlen sich gestresst. Andere finden es aber gut, ein Jahr früher mit der Schule fertig zu sein – und dann zu studieren oder zu reisen. Ob G8 wirklich stressiger ist, bezweifeln Bildungsforscher. Ein Experte aus Kiel hat in einer Studie G8- und G9-Schüler verglichen. Er sagt: Wenn es um Stress geht, gebe es keine Unterschiede zwischen den Schülern.

Wer will den Wechsel?

Schüler in Düsseldorf demonstrieren gegen das schnelle Abi G8. (Foto: dpa)

Viele Kinder und  Eltern wollen  zu G9 zurück. Deshalb gibt es in NRW das sogenannte Volksbegehren „G9 jetzt“: Erwachsene, die dafür sind, können bis Anfang Juni unterschreiben. Stimmen genug mit „Ja“ ab, müssen die Politiker im Landtag darüber beraten.

In dem Bundesland Niedersachsen haben die Politiker sich schon vor zwei Jahren wieder komplett für G9 entschieden, in Bayern vor wenigen Wochen. In anderen Bundesländern gibt es Wahlfreiheit, in Ostdeutschland ist überall G8. So ein Wechsel ist aber eine Riesensache: Es muss  neue Lehrpläne und neue Schulbücher geben. Und es müssen mehr Lehrer eingestellt werden. Das kostet viel Geld.

Das wollen die Parteien

An fast allen Gymnasien in NRW machen die Schüler nach acht Jahren Abi. Es gibt aber einige Modellschulen mit G9. Außerdem machen die Schüler an Gesamtschulen und Berufskollegs nach neun Jahren Abitur. Das denken die verschiedenen Parteien:

SPD: Die SPD möchte, dass  jeder Schüler selbst entscheidet, ob er  das Abi an seiner Schule nach acht oder neun Jahren macht.

CDU und FDP: Die beiden Parteien wollen die Schulen entscheiden lassen, ob sie das Abitur nach acht oder neun Jahren anbieten.

Grüne: Die Grünen möchten eine flexible Laufbahn. Heißt: Jedes Kind geht so lange zur Schule, wie es das braucht.

Piraten, Linke, AfD: Diese drei Parteien möchten komplett zurück zu G9.

Von Angela Sommersberg

Was halten unsere Kinderreporter von G8? Wir haben sie gefragt:

Wie schnell willst du lernen?