Die Schere soll kleiner werden

Die Schere soll kleiner werden
Artwork: Getty Images

Viele Menschen arbeiten ihr ganzes Leben lang. Reich werden sie trotzdem nicht. Andere Menschen arbeiten fast gar nicht – und haben trotzdem deutlich mehr Geld. Wie kann das sein?

Zum Beispiel, indem sie Häuser oder Aktien besitzen. Aktien sind kleine Anteile einer Firma, die man kaufen kann. Der Unterschied zwischen armen und reichen Leuten wird viel diskutiert. Fachleute benutzen ein bestimmtes Bild zum Vergleich: die Schere.

Wieso teilt eine Schere arme und reiche Menschen?

Bei einer geschlossenen Schere liegen die zwei Klingen aufeinander. Wenn man die Schere öffnet, vergrößert sich der Abstand der Klingen. Es entfernen sich also zwei Dinge voneinander, die eigentlich zusammengehören. So ist das auch beim Thema Arm und Reich: In einem Land wird eine Gruppe Menschen immer reicher, während die andere Gruppe immer ärmer wird. Die Schere zwischen Arm und Reich geht also weiter auseinander.

Ob man arm oder reich ist, hängt auch damit zusammen, wie man wohnt. Foto: Jens Büttner/zb/dpa

Geht die Schere wirklich immer weiter auseinander?

Gerade haben Forscher das Vermögen der Deutschen berechnet. Dabei geht es aber nicht nur um das Geld, was man zu Hause im Sparschwein hat. Sie zählten auch Häuser, Aktien, Gold, Schmuck und das Geld auf dem Sparkonto zusammen. Dabei fanden sie heraus: Der Unterschied zwischen Arm und Reich ist zwar groß. Geändert hat sich daran in den letzten Jahren aber wenig. Die Schere ist also geöffnet, aber die Klingen sind nicht noch weiter auseinander gegangen. Es gibt viele Politiker, die damit nicht zufrieden sind. Sie wollen, dass die Schere irgendwann wieder zusammen ist.

Wer ist eher arm und wer häufig reich?

„Zu den ärmeren Leuten gehören eher die jungen Menschen“, erklärt der Experte Markus Grabka. „Sie sind noch in der Ausbildung, haben wahrscheinlich noch kein Geld geerbt und hatten keine Zeit zum Sparen.“ Und die Reichen? „Das sind eher ältere Menschen, die bereits gespart haben.“

Wie kann die Schere wieder enger zusammengehen?

Markus Grabka sagt: Ob jemand mehr oder weniger Vermögen hat, liege vor allem daran, ob jemand ein eigenes Haus hat. Würde der Staat den jüngeren Menschen also helfen, Geld zu sparen und ein Haus zu kaufen, würde sich die Schere zwischen allmählich schließen. Das Problem ist: Manche Leute haben so viel Geld, dass es eigentlich unmöglich ist, nur durch arbeiten auch so viel zu verdienen. Deswegen gibt es Politiker, die fordern: Die Reichen müssen den Armen mehr Geld abgeben. Zum Beispiel, indem man mehr Steuern (das sind Abgaben an den Staat) zahlt, wenn man reich ist – Experten nennen das Umverteilung.

Von Max Müller (mit dpa)