Die Flucht vor dem Hunger

Die Flucht vor dem Hunger
Habiba hat acht Geschwister. Foto: Eva-Maria Krafczyk/dpa

Habiba aus Somalia würde sich über Regen freuen

Die meisten Kinder freuen sich, wenn die Sonne scheint. Habiba aus Somalia dagegen wäre glücklich über Regen. Denn der fehlt in ihrem Land in Afrika schon viel zu lange. Seit auf den Feldern nichts mehr wächst, gehört Hunger zum Alltag.

Habiba ist zwölf Jahre alt und lebt in dem Land Somalia in Ostafrika. Früher wohnte sie mit ihren Eltern und den acht Geschwistern in einem Dorf. Dort pflanzte die Familie Mais und anderes Getreide auf ihren Feldern. Sie hatten Ziegen und Schafe, ein paar Kühe. Habiba ist das älteste Mädchen der Familie und musste viel mithelfen: im Haushalt, bei der Arbeit und bei der Versorgung der kleinen Geschwister. Außerdem besuchte sie eine religiöse Schule.

Habiba würde gerne wieder in ihr Dorf zurück. Foto: Eva-Maria Krafczyk/dpa

Es änderte sich alles

Doch als der Regen ausblieb, änderte sich alles. Somalia liegt am Horn von Afrika. Das ist der Zipfel, der wie ein Horn nach Osten aus dem Kontinent herausragt. Hier liegen etwa die Länder Somalia, Äthiopien und Kenia. Es ist dort meist warm und trocken. Doch zweimal im Jahr ist Regenzeit. Dann können die Bauern ihre Felder bestellen und die Pflanzen bekommen genug Wasser zum Wachsen.

Zuletzt blieben aber vier Regenzeiten aus und der Mais verdorrte. Je länger die Dürre dauerte, desto schwieriger wurde das Leben für die Familie. Es gab nicht mehr genug zu essen. Hunger gehörte zum Alltag. Mit Glück gab es eine Mahlzeit am Tag. Kühe und Schafe starben nach und nach, weil sie keine Nahrung mehr fanden.

Harte Arbeit

Habiba konnte nicht mehr zur Schule gehen. Sie war zuständig dafür, Wasser zu holen. In Habibas Heimat heißt das nicht, in den Laden um die Ecke zu gehen. Jeden Morgen lief sie mit einem leeren Kanister eine Stunde lang zum nächsten Brunnen, der noch nicht versiegt war. „Es ist sehr harte Arbeit, den schweren Kanister zurückzutragen“, erzählt Habiba. „Vor allem, weil ich schon hungrig losgegangen bin.“

Als auch in diesem Brunnen kein Wasser mehr war, hatte die Familie keine Wahl: Sie musste ihr Dorf verlassen. Vier Tage lang war die Familie zu Fuß unterwegs in die Stadt Baidoa. Hier leben sie nun mit Hunderten Familien in einem Lager für Geflüchtete. „Ich würde gerne wieder nach Hause auf unser Dorf gehen“, sagt Habiba. „Aber ohne Regen, ohne Vieh und ohne Getreide haben wir dort kein Leben mehr.“

Von Eva Krafczyk (dpa)