Auf der Suche nach Walen auf der Insel Grönland

Manche Wale machen besondere Geräusche, um an Beute zu kommen. (Foto: privat/Jens Koblitz.)
Manche Wale machen besondere Geräusche, um an Beute zu kommen. (Foto: privat/Jens Koblitz.)

Für seine Arbeit fliegt Jens Koblitz manchmal mit einem Hubschrauber über das Meer. Er ist Forscher. Vor Kurzem war er auf der Insel Grönland unterwegs. Dort wollte er herausfinden, wo in der Gegend Wale herumschwimmen.

Das sind Jens Koblitzer und seine Kollegen. (Foto: dpa)

Das sind Jens Koblitzer und seine Kollegen. (Foto: Privat/Jens Koblitzer)

Bitterkalt wehte der Wind über das Eis. Jens Koblitz und seine Kollegen flogen trotzdem hinaus – mit dem Hubschrauber über das Meer vor der Insel Grönland. Grönland befindet sich ganz im Norden unserer Erde. Dort ist es sehr kalt, überall liegen Eis und Schnee.

Welcher Wal schwimmt genau wo?

Selbst im Meer treiben eine Menge Eisbrocken. Doch nicht nur die sind dort zu finden – auch Wale. Genau diese spürten die Forscher auf. Sie wollen nämlich herausfinden, wo in dieser Gegend genau welcher Wal herumschwimmt.

Rund um die Insel Grönland leben einige Wale. Forscher Jens Koblitz und seine Kollegen interessieren sich dabei vor allem für zwei Arten: Belugas und Narwale.Der Beluga ist ein weißer Wal. Er kann knapp sieben Meter lang werden – so lang wie ein kleiner Bus. Eine seiner Besonderheiten ist seine knubbelige Stirn.Dagegen sieht der Narwal aus wie eine Kreuzung zwischen Wal und Einhorn. Denn er trägt einen langen Stoßzahn, der wie das Horn des Fabel-Wesens aussieht. Er ist kleiner als der Beluga: Er wird bis zu fünf Meter lang.

Drei Wochen lang ging Forscher Jens Koblitz jeden Tag auf die Suche nach Walen. (Privat/Jens Koblitzer)

Drei Wochen lang ging Forscher Jens Koblitz jeden Tag auf die Suche nach Walen. (Privat/Jens Koblitzer)

Zusammen mit zwei Forscherinnen und einem Techniker ging es drei Wochen lang jeden Tag hinaus. Die Truppe startete immer in Niaqornat. Das ist ein kleiner Ort im Westen der Insel. Vom Hubschrauber aus hielten die Wissenschaftler nach Walen Ausschau. „Wenn wir welche gesehen haben, sind wir schnell auf dem Eis gelandet“, erzählt Jens Koblitz.

Aufpassen, dass kein Eisbär zu nahe kommt

Am Rand einer riesigen Eis-Platte packten die Forscher ihre besonderen Geräte aus wie Mikrofone. Diese hängten sie ins Meer. „Die sind wie Perlen an einer Schnur aufgereiht“, erklärt der Forscher. Anschließend hieß es: warten. So lange, bis die Wale, die die Forscher vom Hubschrauber aus gesehen hatten, wieder auftauchten. Und: Aufpassen, dass kein Eisbär zu nahekommt! Die großen Raubtiere können richtig gefährlich werden.

Zeigten sich die Wale wieder in der Nähe, bestimmten die Wissenschaftler genau den Ort, an dem sie sich befanden. Dann nahmen sie die Rufe der Wale auf. Wale senden besondere Laute aus, die andere Wale hören können – wir Menschen hingegen oft nicht.

Ein Computer-Programm erkennt die Wal-Laute

Bei Grönland treiben selbst im Meer eine Menge Eisbrocken herum. (Foto: Privat/Jens Koblitz)

Bei Grönland treiben selbst im Meer eine Menge Eisbrocken herum. (Foto: Privat/Jens Koblitz)

Darum jagten Jens Koblitz und seine Kollegen ihre Aufnahmen später durch ein besonderes Computer-Programm. Das hat der Forscher zusammen mit einem Kollegen vor der Reise nach Grönland geschrieben. Mit diesem Programm können sie die Wal-Laute erkennen.

Drei Wochen Wal-Geräusche – das bedeutet viele Monate Arbeit am Computer. So wollen die Forscher vieles über die Tiere bei Grönland herausfinden. Zum Beispiel welche Geräusche die Wale wofür benutzen.

Ändert sich das Verhalten von Walen?

Jens Koblitz und seine Kollegen wollten herausfinden, ob sich das Verhalten von Walen verändert – und welchen Einfluss der Mensch dabei hat. Deshalb planen sie, nicht nur einmal Wal-Daten zu sammeln. Sondern immer wieder, über einen längeren Zeitraum.

„Der Mensch beeinflusst den Lebensraum der Wale dort mehr und mehr. Wir wollen wissen, was das für die Tiere bedeutet“, sagt der Wissenschaftler. In der Arktis soll zum Beispiel zunehmend nach Öl gebohrt werden. Die Forscher fragen sich deshalb: Stört das die Tiere? Wie reagieren sie darauf?

Eine tolle Expedition

Seine Expedition nach Grönland fand Jens Koblitz toll: „Es war sehr beeindruckend, die riesigen Tiere aus der Nähe zu sehen“, erzählt er. Einem Eisbären sind die Forscher dort übrigens nicht begegnet. „Wir haben nur Spuren im Schnee gesehen“, sagt er. Obwohl Jens Koblitz Eisbären mag, war er darüber doch ziemlich froh.

Von dpa