Das machen die Ärzte ohne Grenzen

Das machen die Ärzte ohne Grenzen
Der Arzt Tankred Stöbe (rechts) untersucht ein syrisches Baby in einem Flüchtlingscamp im Irak. (Foto: Marta Soszynska/MSF)

Wenn du krank bist, gehst du zum Arzt. Die Krankenversicherung deiner Eltern bezahlt die Behandlung. In vielen Ländern ist das anders. Es gibt zu wenig Ärzte oder keine Krankenhäuser. Manche Menschen sind auch zu arm, um die Behandlung zu bezahlen. Oder der Weg ist für sie zu weit, um einen Arzt in der nächsten Stadt zu erreichen. In anderen Ländern herrscht Krieg, die Krankenhäuser wurden zerstört. In solchen Fällen helfen die „Ärzte ohne Grenzen“.

Die Organisation

Am 21. Dezember 1971, also am Mittwoch vor 45 Jahren, gründeten mehrere Ärzte und Journalisten in Frankreich die Organisation Ärzte ohne Grenzen. Sie hatten Naturkatastrophen und Krieg in armen Ländern miterlebt. Deshalb beschlossen sie, etwas für die Menschen in solchen Gebieten zu tun. Inzwischen ist die Organisation in rund 60 Ländern auf der ganzen Welt im Einsatz. 1999 wurde sie mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Die Ärzte kommen aus verschiedenen medizinischen Bereichen. Sie sind meistens zwischen sechs und zwölf Monate im Einsatz. Manchmal gibt es auch Notfalleinsätze von vier Wochen.

Die Ärzte

Tankred Stöbe stützt eine Frau auf dem Rettungsschiff. (Foto: Marta Soszynska/MSF)

Tankred Stöbe arbeitet in Berlin als Notarzt und im Krankenhaus auf einer Intensivstation. „Ich wollte etwas für Menschen in einem Land tun, in dem es weniger Ärzte gibt“, sagt der 47-Jährige. Deshalb hat er sich bei Ärzte ohne Grenzen beworben. 2002 war er zum ersten Mal für die Organisation im Einsatz: neun Monate lang in Thailand an der Grenze zu Myanmar. Das liegt in Südostasien. Mit einem Jeep fuhr Tankred Stöbe raus in den Dschungel und behandelte Kranke in kleinen Dörfern. Dort gab es keine Ärzte. Die Menschen hatten zum Beispiel Malaria oder waren von einer Schlange gebissen worden.

Die Arbeit

„Die Arbeit war ganz anders als im Krankenhaus in Deutschland. Am schwierigsten war es, herauszufinden, was die Patienten hatten“, sagt Tankred Stöbe. Denn technische Hilfsmittel gab es nicht. Er musste ohne Röntgen- und Ultraschall arbeiten und ohne gut ausgestattetes Labor. Deshalb war es umso wichtiger, die Patienten ganz genau nach ihren Beschwerden zu fragen. Doch häufig sprechen die Menschen kein Englisch oder Französisch. „Deshalb ist immer ein Übersetzer dabei, der zwischen Englisch und der Landessprache übersetzt.“

Die Einsätze

Bitte auch mal lachen: Wenn es geht, verbreiten die Ärzte auch gute Laune. (Foto: Marta Soszynska/MSF)

16 Mal war Tankred Stöbe bisher für Ärzte ohne Grenzen unterwegs. Er behandelte zum Beispiel im afrikanischen Sierra Leone Menschen mit Ebola und hat Krankenhäuser in Kriegsgebieten mit aufgebaut. Im vergangenen Jahr war er vier Wochen lang auf einem Rettungsschiff, das zwischen Italien und der Küste Libyens unterwegs war. „Wir kümmerten uns um Flüchtlinge, die auf kleinen Booten von Afrika nach Europa unterwegs waren.“ 1400 solcher in Not geratener Menschen wurden auf dem Schiff aufgenommen und behandelt.

Die Gefahren

Häufig sind die Ärzte in Krisen- und Kriegsgebieten unterwegs. In manchen Ländern ist es normal, wenn die Patienten mit Waffen ins Krankenhaus kommen. In Krankenhäusern von Ärzte ohne Grenzen ist das nicht erlaubt. „Es ist oft ein Spagat: Wir wollen helfen, müssen uns aber natürlich auch selbst schützen“, sagt Tankred Stöbe. Wenn es zu gefährlich ist, weil zum Beispiel in der Nähe gekämpft wird, legen die Ärzte auch schon mal einen Tag Pause ein – und fahren nicht zum Krankenhaus. Tankred Stöbe ist zum Glück noch nie etwas passiert.

Von Kathy Stolzenbach