Zu viel Zeit am Handy?

Kind starrt auf Tablet. (Foto: dpa)
In den meisten Familien gibt es Streit um die Frage, wie viel Zeit Kinder mit Handy und Tablet verbringen dürfen. (Foto: dpa)

Kommt dir das bekannt vor? Deine Eltern meckern, weil du zu viel am Handy hängst, du zickst – es gibt Streit. Dann geht es dir wie jedem fünften Kind in Deutschland. Das hat eine Studie herausgefunden. Eine große Krankenkasse wollte wissen, wie Kinder und Jugendliche Handy und soziale Netzwerke (Whatsapp, Instagram, Snapchat) nutzen – und ob das krank machen kann.

Dazu wurden 1001 Kinder und Jugendliche im Alter von zwölf bis 17 Jahren befragt. Das wichtigste Ergebnis: Von hundert Kinder sind zwei bis drei süchtig nach sozialen Netzwerken. Mädchen verbringen im Durchschnitt jeden Tag drei Stunden im Internet, Jungen zweieinhalb. Das kann dazu führen, dass man schlecht schläft, aggressiv oder sehr traurig wird. Aber warum sind Jugendliche so viel am Handy? In der Studie hat jedes dritte Kind gesagt, dass es dann nicht an unangenehme Dinge denken muss.

Traurig, oder? Wenn du das Gefühl hast, nicht ohne dein Handy leben zu können oder dir Sorgen um Freunde machst, solltest du mit einem Erwachsenen sprechen, dem du vertraust. Und damit du dich weniger mit deinen Eltern streitest, kannst du mit ihnen einen Vertrag abschließen. Dort haltet ihr fest, wie viel Zeit du im Internet verbringst. Hier findest du den Vertrag:

mediennutzungsvertrag.de

Von Angela Sommersberg

HELENA, 10

Helena (10) (Foto: Goyert)

Ich verbringe etwa eine Stunde am Tag am Handy, meistens höre ich Musik über Spotify. Außerdem gehe ich ins Internet und nutze Whatsapp und musical.ly. Bei Whatsapp haben wir einen Klassenchat, der gut für die Hausaufgaben ist, wenn man mal krank war. Da wird aber leider auch viel Mist geschrieben, manchmal habe ich dann 150 Nachrichten. Die lese ich aber gar nicht alle.

Ich hasse es, Kettenbriefe auf Whatsapp zu bekommen. Auf Youtube gucke ich mir Back- oder Tanzvideos an und mache das nach. Oft sehe ich mir auch Folgen von den „Pfefferkörnern“ an oder Harry-Potter-Fan-Videos. Manchmal mache ich auch mit meinen Freunden zusammen etwas am Handy: Mit meiner besten Freundin drehe ich gerade einen Tanzfilm und mit anderen mache ich musical.ly, aber ich poste nie etwas. Meine Mutter findet, dass ich manchmal zu viel am Handy bin, aber Streit haben wir deshalb nicht. Abends und nachts darf ich das Handy nicht mit in mein Zimmer nehmen, aber das ist okay. Insgesamt könnte ich ein ganz klein bisschen weniger am Handy sein.

LENNART, 10

Lennart (9) (Foto: Goyert)

Mein Smartphone hat eine Internetsperre. Deswegen kann ich damit nur telefonieren und SMS schreiben. Wenn ich etwas im Internet lesen möchte, benutze ich den Computer oder das iPad meiner Eltern. Ab wann ich mit dem Handy ins Internet darf, haben wir noch nicht festgelegt. Ziemlich viele aus meiner Klasse haben aber ein internetfähiges Handy und schreiben über Whatsapp. Außerdem haben sie viele Spiele auf ihrem Handy. Das finde ich nicht so gut, weil der Bildschirm sehr klein ist.

Ich selber spiele auf dem Computer und dem iPad, aber nicht jeden Tag und wenn, dann nur 30 bis 60 Minuten. Es stört mich, dass manche von meinen Freunden mit ihrem Handy spielen, wenn wir uns treffen. Ich kenne sogar zwei Jungs, die keine Zeit mehr zum Treffen haben, weil sie nur noch vor der Spielkonsole hängen.

MARLA, 10

Marla (9) (Foto: Goyert)

Ich benutze Whatsapp und Instagram nicht so oft. Dafür aber musical.ly! Das ist eine App, bei der man Videos davon macht, wie man die Lippen zu Liedern bewegt. Die Videos stellt man ins Internet oder behält sie für sich. Es ist cool, sich eigene Choreografien auszudenken. Doch ich habe die App jetzt gelöscht, weil ich das Gefühl hatte: Okay Marla, noch zwei Wochen länger musical.ly und du bist süchtig. Außerdem verbrauchte es viele mobile Daten.

Jetzt versuche ich, mehr zu lernen, da ich nicht mehr die ganze Zeit gucken muss, ob die musical.ly-Stars Lisa und Lena ein neues Video gepostet haben. Ich denke schon, dass viele süchtig sind und vergessen, dass es noch ein echtes Leben gibt.

MEDI, 11

Medi (11) (Foto: Martina Goyert)

Ich erlebe jeden Tag, wie lange manche Kinder und Jugendliche am Handy hängen. Da genügt ein Blick in die U-Bahn: Überall sitzen und stehen Menschen, die auf ihrem Smartphone herumtippen. Ich beobachte, wie Freunde nebeneinander sitzen und sich gegenseitig Nachrichten schreiben, obwohl sie einfach miteinander reden könnten.

Oder neulich auf einer Geburtstagsfeier bei einer Freundin: Einige Gäste stehen zusammen und schauen sich Youtube-Videos an – während das Geburtstagskind seine Geschenke auspackt. Sonnenuntergänge, Essen, neue Schuhe, eine tote Katze – alles wird fotografiert, gepostet und kommentiert. Das finde ich schrecklich.

Über den Tag verteilt beschäftige ich mich etwa eine Stunde mit meinem Smartphone. Ich schreibe, beantworte oder lösche Nachrichten. Ich telefoniere mit Freunden oder fotografiere. Instagram, Facebook, Handyspiele oder Snapchat nutze ich nicht. Bei meinen Mitschülern ist es größtenteils genauso. Ich bin davon überzeugt, dass unter Erwachsenen die Suchtgefahr nicht kleiner ist.

JOHANN, 12

Johann (11) (Foto: Goyert)

Ich bin nicht süchtig nach sozialen Medien. Ich nutze kein Instagram, Facebook, Whatsapp oder so. Ich schreibe zwar auf Skype mit Freunden und Verwandten, aber so selten, dass meine Eltern sagen, ich antworte zu wenig. Ich bin nicht viel im Internet unterwegs. Und obwohl das bei manchen aus meiner Klasse anders ist, würde ich mir bei keinem Sorgen machen, dass er süchtig ist.

Ich streite mich zwar manchmal mit meinen Eltern oder meiner Schwester, aber da geht es selten ums Handy. Eine feste Regel für das Internet gibt es bei uns nicht, nur dafür, wie lange wir am Computer spielen dürfen.

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