Serie: Was ist der Hinduismus?

13.02.2018, Indien, Allahabad: Zwei als Hindu-Gottheit Kali verkleidete Jugendliche machen im Rahmen des Shivaratri Festivals ein Selfie.
Zwei Jugendliche haben sich als Shiva verkleidet. Das Shivaratri Festival, die Nacht des Shiva, ist ein wichtiger Feiertag im Hinduismus, bei dem der hinduistische Gott Shiva geehrt wird. (Foto: dpa)

Was fällt dir als Erstes ein, wenn du an Religion denkst? Gebete und Kirchen, Moscheen oder Synagogen? Das liegt vermutlich daran, dass in Deutschland vor allem Christen leben und einige Muslime oder Juden. Auf dem Kontinent Asien ist das ganz anders: In Indien und einigen Nachbarländern sind die meisten Menschen Anhänger des Hinduismus. Er ist die drittgrößte Religion weltweit. Es gibt fast eine Milliarde Hindus. Wir erzählen dir mehr über ihren Glauben.

Woran glauben Hindus?

Heilige Hindu-Männer verbrennen am 22.2018 in Allahabad (Indien) während eines Rituals am Triveni Sangam, dem Zusammenfluss der zwei Flüsse Ganges und Yamuna, zur Feier des hinduistischen Frühlingsfests Vasant Panchami während der jährlichen Magh Mela-Feier Kuhmist.

Heilige Hindu-Männer verbrennen zu Ehren des Frühlingsfestes Vasant Panchami Kuhmist. (Foto: dpa)

Der Hinduismus ist eigentlich eine Sammlung verschiedener Religionen. Sie alle haben gemeinsam, dass sie in Indien entstanden sind. Die Hindus sehen ihre Religion als eine Ordnung der Welt – sie gibt ihnen Regeln vor, nach denen sie leben.

Hindus glauben zum Beispiel an Wiedergeburt, also daran, dass sie nach dem Tod in einer neuen Gestalt – vielleicht auch als Tier – weiterleben. Als was sie wiedergeboren werden, hängt davon ab, wie viel Gutes sie in ihrem Leben tun.

Es gibt zwischen den unterschiedlichen Glaubensgruppen aber auch viele Unterschiede. Sie haben verschiedene Traditionen, feiern ihre Feste auf unterschiedliche Art, lesen andere Texte. Und: Sie verehren unterschiedliche Götter. Im Hinduismus gibt es insgesamt mehr als drei Millionen von ihnen!

Drei Glaubensgruppen sind besonders groß: Vishnuismus (er verehrt den Gott Vishnu), Shivaismus (verehrt Shiva) und Shaktismus (verehrt Shakti, eine heilige weibliche Kraft).

Was hat es mit dem Kastensystem auf sich?

Die Gesellschaft der Hindus ist in unterschiedliche Stände, sogenannte Kasten, unterteilt. In Indien gibt es vier dieser Kasten: Brahmanen, Kshatriyas, Vaishyas und Shudras. Hinzu kommen die „Kastenlosen“: Dalits, auch „Unberührbare“ genannt.

Zwischen den Ständen herrscht eine strenge Rangordnung. Die Mitglieder dürfen nur in bestimmten Berufen arbeiten. Oft bleiben sie unter sich. Dalits gelten als unrein, viele Leute aus den vier Kasten wollen nichts mit ihnen zu tun haben.

Offiziell ist das indische Kastensystem mittlerweile abgeschafft. In der Realität halten sich aber noch viele an diese Rangordnung, vor allem in Dörfern auf dem Land. Außerdem haben Männer im Hinduismus oft mehr Rechte als Frauen – ganz unabhängig von ihrer Kaste.

Welche Feste feiern sie?

28.02.2018, Indien, Kolkata: Menschen tanzen anlässlich des Holi-Festes und bestreuen sich mit Farbpulver. (Foto: dpa)

Holi ist das indische Frühlingsfest und ist ein Fest der Farben, bei dem die Menschen sich mit buntem Farbpulver bestreuen und mehrere Tage lang in den Straßen feiern. (Foto: dpa)

Im Hinduismus gibt es viele Feste. Manche werden nur von bestimmten Gruppen gefeiert, andere zu unterschiedlichen Zeiten.
Du hast vielleicht schon einmal von „Holi“ gehört: Es ist ein buntes, fröhliches Fest, mit dem Hindus den Frühlingsbeginn feiern. Die Feiernden bewerfen sich mit buntem Pulver oder bespritzen sich mit Wasser.

Ein anderes Fest ist „Divali“, das Lichterfest. Es wird am Ende der Regenzeit gefeiert. Hindus zünden viele kleine Lampen an, die sie auf Fensterbänken verteilen oder in Papierbooten auf Flüsse setzen.

Wo begegnet uns Hinduismus im Alltag?

Holi klingt nach einem ganz schön lustigen Fest, oder? Das dachten sich auch viele Leute, die eigentlich keine Hindus sind. Auch in Deutschland werden mittlerweile in vielen Städten Holi-Festivals gefeiert. Für die Besucher ist es aber in der Regel nur eine lustige, bunte Party ohne religiöse Bedeutung.

Eine zweite Hindu-Tradition, die bei uns sehr beliebt ist, ist Yoga. Yoga ist eine indische Philosophie, also eine Weltanschauung. Mit verschiedenen Übungen trainieren Hindus ihren Körper und ihren Geist und wollen so zu Gott finden. Auch viele Leute, die keine Hindus sind, machen heutzutage Yoga. Bei manchen steht dabei Fitness im Mittelpunkt. Das ist aber nicht die eigentliche Idee von Yoga.

Von Eliana Berger

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