Wie es ist, als Kind zwei Sprachen zu lernen

Wie es ist, als Kind zwei Sprachen zu lernen
Wenn Kinder in der Kita deutsch sprechen und mit ihren Eltern zu Hause englisch, macht das nichts, sagen Experten. Sie kommen deshalb nicht gleich durcheinander. (Foto: dpa)

Lucía lernt zwei Sprachen. Mit ihren Freundinnen redet sie deutsch. Wenn sie zu Hause ist, wird dort auch auf Spanisch gesprochen. Lucía findet das toll.

„Was heißt Flugzeug auf Deutsch?“, fragt Lucía und muss dann selbst ein bisschen lachen. Flugzeug ist ja ein deutsches Wort! Aber wenn man immer zwischen zwei Sprachen wechselt, wie Lucía, kommt man schon mal durcheinander. Meist findet die Sechsjährige es aber ganz normal, deutsch und spanisch zu sprechen.

Lucía ist sechs Jahre alt. Mit ihrer Mutter spricht sie spanisch, mit ihrem Papa deutsch. (Foto: dpa)

Lucía ist sechs Jahre alt. Mit ihrer Mutter spricht sie spanisch, mit ihrem Papa deutsch. (Foto: dpa)

Lucía wohnt mit ihren Eltern und ihren zwei jüngeren Brüdern in Oldenburg in Norddeutschland. Klar, dass sie mit ihren Freundinnen in der Schule auf Deutsch redet – und mit der Lehrerin natürlich. Doch wenn die Familie zu Hause Abendbrot isst, geht es immer hin und her.

Die Mutter spricht spanisch, der Vater deutsch

Ihre Mutter kommt aus Spanien. Sie plaudert mit Lucía spanisch. Ihr Vater redet in Deutsch mit ihr. Wenn sie mit ihrem sechsjährigen Bruder Nicolás spielt, unterhalten die beiden sich auf Deutsch. Doch mit ihrem kleinsten Bruder Pablo spricht Lucía spanisch. „Das versteht er besser, weil Mama ja immer mit ihm spanisch spricht“, sagt sie. Pablo ist erst ein Jahr alt.

Lucía findet es prima, dass sie zwei Sprachen kann. „Wenn jemand kein Deutsch versteht, kann ich mit dem eine andere Sprache sprechen.“ Zum Beispiel mit ihren Großeltern und ihrer Cousine in Spanien: Bei ihren Besuchen dort erzählt Lucía einfach die ganze Zeit auf Spanisch. Erst wenn sie wieder zurück nach Deutschland fliegt, wechselt sie ins Deutsche – von „avión“ zu „Flugzeug“. Denn eigentlich weiß Lucía, dass „Flugzeug“ auf Spanisch „avión“ heißt.

Leonard ist neun Jahre alt. Sein Vater spricht fließend türkisch - manchmal auch mit Leonard. (Foto: dpa)

Leonard ist neun Jahre alt. Sein Vater spricht fließend türkisch – manchmal auch mit Leonard. (Foto: dpa)

Auch der neunjährige Leonard hat Großeltern, die kaum Deutsch können und weit weg leben: in der Türkei. Als er sie mal besucht hat, wurde fast nur auf Türkisch gesprochen. „Manchmal hat auch jemand übersetzt, weil ich nicht so gut Türkisch kann – und Mama auch nicht“, erzählt Leonard.

Auf türkisch fragen, auf deutsch antworten

Sein Vater spricht fließend türkisch, denn er wurde in der Türkei geboren. Doch weil er schon in Deutschland lebt, seit er ein Kind ist, kann er auch sehr gut Deutsch. Mit Leonard redet er manchmal türkisch. Zum Beispiel, wenn er ihm etwas erklärt, oder sagt, dass Leonard jetzt mal endlich Klavierspielen üben soll. „Ja, mache ich“, antwortet Leonard dann auf Deutsch.

„Wenn ich etwas nicht verstehe, versucht Papa es mir auf Türkisch zu erklären“, erzählt der Neunjährige. Das ist ein bisschen mühsam – doch meist klappt es. Manchmal ist es lustig, zwei Sprachen zu verstehen. Seinem Freund Ben hat Leonard erklärt, dass „Honig“ auf Türkisch „bal“ heißt. Das fand Ben komisch – weil man Bälle doch eigentlich nicht essen kann.

Fragen und Antworten zum Thema

KINA - zu: Ohne lernen geht's nichtKommen Kinder, die mehrere Sprachen lernen, durcheinander?

Manche Menschen meinen, dass es für ein kleines Kind viel zu schwierig ist, zwei Sprachen auf einmal zu lernen. Viele Experten sehen das aber anders: „Für Kinder ist das kein Problem, wenn sie beide Sprachen regelmäßig hören“, erklärt eine von ihnen. Am besten ist es, wenn jeder Elternteil mit dem Kind nur seine eigene Sprache spricht, sagt sie. Also wenn zum Beispiel die Mutter spanisch redet und der Vater auf Deutsch. Doch selbst wenn die Eltern ab und zu in die andere Sprache wechseln, macht das nichts.

Fällt es Erwachsenen oder Kindern leichter, eine Sprache zu lernen?

Englische oder französische Wörter lernen – das ist für viele Erwachsene oft ziemlich mühsam. Wofür die meisten eine Menge üben müssen, läuft bei anderen scheinbar wie von selbst: Kleine Kinder etwa, die eine zweite Sprache können. Obwohl sie noch nicht einmal zur Schule gehen. Ihnen fällt das leicht, weil sie diese Sprache immer wieder hören. Seit sie ganz klein sind. Genau wie wir Deutsch lernen, ohne darüber nachzudenken. So bekommen solche Kinder von ihren Eltern zwei Sprachen mit.

Damit ein Kind die zweite Sprache richtig gut lernt, müsse es sie regelmäßig hören, erklärt eine Expertin. Spricht Papa oder Mama nur ab und zu die andere Sprache, lernt das Kind sie nur ein bisschen. Das ist aber immer noch besser als gar nichts. „Das Kind wird sich in der anderen Sprache trotzdem vertraut fühlen und auch einiges verstehen“, so die Expertin.

KINA - zu: Babyleicht! Sprachen lernen geht früh losMüssen die Kinder, die als Kleinkind eine Sprache lernen, gar nicht üben?

Manche Kinder haben Glück: Sie lernen schon als Kleinkind eine zweite Sprache. Und dann kommt diese Sprache auch noch in der Schule dran! Heißt das: Wer einen Vater hat, der aus England kommt, kann sich in Englisch zurücklehnen? „Nein“, sagt eine Expertin. Wie man die Worte schreibt und wie die Grammatik funktioniert, das müssen auch diese Kinder üben. Mit den Vokabeln haben sie es aber leichter. Da müssen sie nicht mehr so viel pauken wie Kinder, die mit der Sprache neu anfangen.

Kann man eine Sprache verlernen?
Wer eine Sprache sehr lange nicht hört und nicht spricht, vergisst sie möglicherweise. Selbst wenn ein kleines Kind eine Sprache sehr oft hört. Das ist dann keine Garantie dafür, dass es sich später noch daran erinnert, erklären Experten.

„Wenn es diese Sprache danach 30 Jahre lang nicht mehr hört, kann es sein, dass die Sprache irgendwann weg ist“, sagt eine Fachfrau. Darum findet sie es gut, wenn Eltern ihre Sprache immer wieder mit den Kindern sprechen. So bleibt bestimmt etwas hängen.

Von dpa