Slackliner: „2,5 Zentimeter vom Fliegen entfernt“
Das Sportgerät von Friedi Kühne ist nur 2,5 Zentimeter breit. Er überquert darauf spielerisch Schluchten und Flüsse. Der Mann aus Bayern gehört zu den besten Slacklinern der Welt.
Sie ist biegsam, schmal und schaukelt meist hin und her. Auf einer Slackline (gesprochen: släcklain) das Gleichgewicht zu halten, ist gar nicht so einfach. Für Friedrich Kühne mit dem Spitznamen Friedi ist das jedoch kein Problem. Der 34-Jährige ist ein super Slackliner. Sogar mehrere Weltrekorde hat er aufgestellt. Am liebsten balanciert er mehrere Hundert Meter über dem Boden.
Beim Slacklinen gibt es verschiedene Disziplinen. Unter anderem das sogenannte Highlinen. Dabei balanciert man in großer Höhe. Was ist das Tolle daran?
Friedi Kühne: „Wenn man auf der Slackline steht, dann ist das einfach ein Wahnsinnsgefühl. Wir sagen immer: Man ist 2,5 Zentimeter vom Fliegen entfernt. So schmal ist nämlich das Band. Man nimmt die Vogelperspektive ein und thront quasi über allem.“

Friedi Kühne sagt: Am Anfang darf man beim Slacklinen nicht zu schnell aufgeben. Foto: Kyle Lovett/dpa
Bei einem Ihrer Weltrekorde sind Sie mehr als zwei Kilometer balanciert. Was denkt man da?
Friedi Kühne: „Im besten Fall denkt man an nichts. Man vergisst alles um sich herum. Man versucht, sich komplett zu konzentrieren – auf die Atmung, die Körperhaltung, den nächsten Schritt. Aber das klappt natürlich nicht immer, manchmal springen die Gedanken auch wild hin und her.“
Wollten Sie schon immer Weltrekorde aufstellen?
Friedi Kühne: „Als Sportler will man natürlich immer besser werden. Man will immer höhere und immer längere Strecken schaffen. Da hat sich das mit den Weltrekorden ein bisschen so ergeben.“
Gibt es einen Ort, an den Sie sich besonders gerne erinnern?
Friedi Kühne: „Da kann ich mich nur schwer entscheiden. Spektakulär war sicher die Highline, die zwischen zwei Wolkenkratzern gespannt war. Dann gab es noch eine Highline in Nordamerika. Die war gar nicht mal so besonders hoch, aber mitten in der Wildnis. Am intensivsten sind mir aber meine Free-Solo-Begehungen in Erinnerung geblieben.“
„Eine gigantische Herausforderung“
Free Solo bedeutet, ohne Sicherung zu balancieren. Ist das nicht super gefährlich?
Friedi Kühne: „Wenn man das macht, muss man sich seiner Sache zu 100 Prozent sicher sein. Das kannst du auch nur machen, wenn du die Strecke vorher schon etliche Male gelaufen bist, ohne zu fallen. Aber natürlich ist es vom Kopf her eine gigantische Herausforderung.“
Und was passiert, wenn man das Gleichgewicht verliert?
Friedi Kühne: „Man stürzt nicht gleich ab, sondern fängt sich an der Line. Das hat man aber auch Tausend Mal vorher trainiert.“
Wie viel Vorbereitung steckt in einem Weltrekord?
Friedi Kühne: „Die Weltrekordversuche sind ein gigantisches Unterfangen. Da müssen viele Leute an einem Strang ziehen und es dauert manchmal mehrere Wochen, bis die Highline steht. Oft müssen wir den Ort auch erst erschließen. Da gehören dann ganze Berg- und Klettertouren dazu.“
Wann wagen Sie einen Rekordversuch?
Friedi Kühne: „Man muss die Gelegenheit nutzen, sobald man sie kriegt. Alles hängt vom Wetter ab. Uns bleibt da oft nicht viel Zeit. Sobald das Ding gespannt ist, geht es meist direkt los.“
Von Stefanie Paul (dpa)





