Ein Vertrag für die Familie

Ein Vertrag für die Familie
Lilly und ihre Mutter Wencke Schomakers füllen den Medien-Nutzungs-Vertrag aus. (Foto: Grönert)

Eltern und Kindern streiten sich oft darüber, wie lange Kinder Fernsehen gucken, im Internet surfen oder am iPad spielen dürfen. Das könnte jetzt anders werden: Mit dem Mediennutzungsvertrag könnt ihr ganz genau mit euren Eltern festlegen, wie lange und wie oft ihr Medien nutzt.

Im Fernsehen läuft ein spannender Film. Aber genau dann, wenn der Böse gefasst werden soll, ruft Mama: „Mach aus. Deine Fernsehzeit ist vorbei.“ Na toll. Und jetzt? Mama anbetteln, dass du nur noch diesen Film zu Ende sehen darfst? Ihr klarmachen, dass du nicht einschlafen kannst, wenn du nicht weißt, wer der Böse ist? Dann streitet ihr. Und zwar so lange, bis der Film vorbei ist. Und du hast nie erfahren, wie es ausging. Das ist eine ganz schön doofe Situation. Aber viele kennen sie sehr gut. Denn Kinder und Eltern streiten häufig darüber, wie lange und wie oft Kinder Fernsehen gucken, im Internet surfen oder am iPad spielen dürfen.

Damit es jetzt im neuen Jahr weniger Ärger gibt, haben die Mitarbeiter von Klicksafe und dem Internet ABC sich etwas ausgedacht: Einen Medien-Nutzungs-Vertrag. Den Vertrag findest du im Internet. Dort kannst du mit deinen Eltern festlegen, welche Medien du wann und wie nutzen darfst. Den guten Vorsatz „Weniger streiten“ kannst du also gleich umsetzen.

Den Vertrag gemeinsam ausfüllen

Lilly und ihre Mutter Wencke Schomakers aus Köln füllen den Vertrag auch zusammen aus. Unter dem Paragraphen-Symbol finden sie die „Allgemeinen Regeln“. Eine heißt: Im Internet und am Handy bin ich freundlich und beleidige niemanden. Lilly nickt. Diese Regel will sie aufnehmen. „Warum ist das denn wichtig?“, fragt Wencke Schomakers ihre Tochter. Lilly schüttelt den Kopf. „Weil sich das im Netz ganz schnell verteilt, wenn man schlecht über andere redet.“ „Ja“, jetzt nickt Lilly wieder. Dann klicken die beiden auf die Uhr auf der linken Seite und auf „Spielen am Bildschirm (Handy, Konsole, Internet)“. Wencke sagt: „Da nehmen wir mal 20 Minuten, oder?!“ „Aber eben hast du doch 30 gesagt, Mama“, widerspricht Lilly. „Ja, okay, dann 30“, einigen sich die beiden.

Lilly und ihr kleiner Bruder haben einen iPod, auf dem vier Spiele sein dürfen. Gerade mag Lilly „Hayday“ am liebsten. „Da geht es um eine Farm, man muss sich um die Tiere kümmern, Brot backen und so“, erklärt Lilly. Immer, wenn sie ein neues Spiel haben will, muss sie ein altes löschen. In der Familie gab es schon vor dem Vertrag ziemlich klare Medien-Regeln. „Die haben wir vor einiger Zeit im Familienrat beschlossen“, erklärt Mutter Wencke. „Vorher gab es gar keine Regeln, aber das ist ausgeufert und daran mussten wir was ändern.“ Seitdem würden sie sich ziemlich selten streiten, bestätigt auch Lilly. „Nur wenn ich gerade gut im Spiel bin, sage ich schon mal, dass ich noch fünf Minuten weiter spielen will – und manchmal klappt das auch.“

Feste Regeln helfen

Wenn Lilly und ihr Bruder aber ohne Erlaubnis weiterspielen, dann haben sie ein paar Tage lang iPod-Verbot. „Es hilft, dass es feste Regeln gibt“, sagt Lilly. Deswegen finden Mutter und Tochter den Vertrag gut. „Mir gefällt vor allem, dass wir ihn zusammen erarbeiten“, sagt Wencke Schomakers.

Auch für das Fernsehen gibt es klare Absprachen: Lilly und ihr Bruder dürfen abends 45 Minuten Kika gucken, aber das nicht jeden Tag. Das ist das Gute am Vertrag: Er stellt Regeln für alle Medien auf, für Computer, Fernseher, iPod, Handy, Konsole, Internet und so weiter. So vergisst man nichts.

Eine Sache liegt der neunjährigen Lilly aber noch besonders am Herzen. Dass sie unter der Rubrik „Sonstige Verabredungen“ eine eigene Regel aufschreiben darf. Lilly tippt: Die Eltern sollten nicht so oft am Handy hängen. „Manchmal erzähle ich was, aber Mama und Papa gucken auf ihr Handy und reagieren gar nicht.“ Deswegen hat die Familie schon gestritten. Seitdem dürfen die Eltern das Handy am Esstisch nicht mehr bei sich haben. Am Schluss drucken Lilly und Wencke den Vertrag aus und unterschreiben ihn. Im Medien-Nutzungs-Vertrag werden eben nicht nur Regeln für Kinder festgehalten – sondern auch für Eltern.

Von Angela Sommersberg

Hier könnt ihr den Mediennutzungsvertrag ausfüllen