Das ist eure Zeitungsseite!

Das ist eure Zeitungsseite!
Interview mit einem TV-Star: Die Klasse mit Ralph Caspers (Foto: privat)

Den Schriftzug „Kölner Stadt-Anzeiger“ haben die Schüler in knallbunten Buchstaben über ihre Artikel geschrieben. Und auch sonst ähnelt die Zeitungsseite, die die Schüler der Montessori-Schule Gilbachstraße eingereicht haben, schon sehr der Duda-Kinderseite. Mit ihrem Beitrag hat die vierte Klasse eines der begehrten Cat-Ballou-Schulkonzerte vor den Sommerferien gewonnen. Die hatte Duda unter den drei besten Einsendungen verlost.

Ralph Caspers im Interview mit Oskar und Veit (Foto: privat)

Insgesamt 60 Beiträge waren in der Kinderredaktion eingegangen! Aber es kam uns ja gar nicht so sehr auf das Aussehen der Zeitungsseiten an – sondern vor allem auf den Inhalt. Es haben die drei Klassen gewonnen, die sich journalistisch und kreativ mit dem Thema Freundschaft auseinandergesetzt haben – und zwar in Form eines Interviews, einer Reportage und eines Kommentars. Und was die Schüler aus der Kölner Innenstadt über Freunde zu sagen haben, das lest ihr hier! Die Beiträge der anderen Gewinner zeigen wir ebenfalls noch während der Sommerferien.

Das Interview mit Ralph Caspers: Nutellapizza zum Frühstück

Wie wichtig ist für Sie Freundschaft?

Ralph Caspers: Sehr wichtig. Wenn man keine Freunde hat, ist man oft ziemlich alleine. Es ist ja schön, mal alleine zu sein, aber es ist auch toll, Sachen mit anderen zu teilen. Und am besten macht man das mit Freunden. Man kann mit Freunden zusammen lachen, zusammen lästern und man kann Freunden sein Herz ausschütten, wenn einen etwas bedrückt. Selbst, wenn die nichts Kluges sagen, ist da jemand, der zuhört.

Haben Sie über Ihre Arbeit beim Fernsehen Freunde gefunden?

Ralph Caspers: Ja, habe ich auf jeden Fall. Ich habe tatsächlich sogar meine Frau über die Arbeit beim Fernsehen kennengelernt.

Und wie haben Sie das gemacht? Also Freunde gefunden über das Fernsehen.

Ralph Caspers: Es sind weniger die Zuschauer, die zugucken, sondern eher die Leute, mit denen ich arbeite. Und es gibt immer welche, mit denen man eine Wellenlänge hat. Die verstehen, was man sagt und man selbst versteht, was die sagen. Dann denkt man sich, das ist so nett mit uns beiden, wir können ja mal etwas unternehmen, was nicht im Studio oder bei der Arbeit ist. Und dann entwickelt sich das.

Haben Sie auch Freunde aus anderen Ländern?

Ralph Caspers: Ja, habe ich auch. Ich habe ein Austauschjahr in den USA gemacht. Als ich in der 11. Klasse war, bin ich für das ganze Schuljahr in die USA gefahren und habe da in einer fremden Familie gewohnt. Und da gibt es Leute, mit denen ich immer noch Kontakt habe, auch mit meiner Familie da.

Hatten Sie mit einem Freund schon einmal einen richtig schweren Streit?

Ralph Caspers: Ja, hatte ich auch schon mal, aber das Gute bei Freunden ist ja, selbst wenn man sich mal richtig schwer streitet, kann man auch verzeihen und vergeben. Das ist bei Freunden wichtig, das gehört auch mit dazu.

Wie ist es zu dem Streit gekommen?

Ralph Caspers: So ein richtig großer Streit fällt mir jetzt gar nicht ein. Ich bin ein sehr friedliebender Mensch. Manchmal hat man einen Tag, da ist man schlecht gelaunt. Dann sagt ein Freund irgendetwas, was eigentlich gar kein Problem ist. Aber wenn man an dem Tag schlecht gelaunt ist, kriegt man das irgendwie in den falschen Hals.

Das ist so, als würde man sich verschlucken. Dann hustet man und das Husten ist wie anmotzen und man sagt: „Das stimmt gar nicht. Find ich total blöd, wenn du so was sagst.“ Und dann hat der Freund vielleicht auch gerade so einen Tag, wo er das nicht einfach wegstecken kann, und es schaukelt sich hoch. Man muss dann irgendwann auf Pause drücken und sagen: „Das ist doch jetzt total bescheuert, dass wir uns hier wegen einer Kleinigkeit streiten. Wir machen weiter wie vorher.“

Was machen Sie, wenn Sie sich nach einem Streit wieder vertragen wollen?

Ralph Caspers: Es kommt drauf an, ob ich was Blödes gemacht habe oder ob ich das Gefühl habe, dass der andere etwas Blödes gemacht hat. Aber das Erste, das ich mache, ist, mir zu überlegen, was mir eigentlich wichtiger ist. Ist mir wichtiger, dass ich recht habe oder ist mir wichtiger, dass wir weiter befreundet sind?

Wenn ich das für mich klar habe und merke, dass es eigentlich schöner ist, wenn man sich wieder verträgt, dann ist es relativ einfach zu sagen: „Es tut mir total leid, dass ich so etwas Blödes gesagt oder gemacht habe. Können wir uns vielleicht wieder vertragen? Kannst du mir das vielleicht verzeihen?“ Da braucht man manchmal einen Schubs, den man sich selbst geben muss.

Was machen Sie mit Ihren Freunden am liebsten?

Ralph Caspers: Ehrlich gesagt, am liebsten rumhängen. Kino finde ich gut oder auch einfach zu Hause sitzen und zusammen etwas essen oder spielen. Computerspiele mach ich auch gerne oder einfach erzählen. Letztens habe ich ein paar Freunde eingeladen und wollte ein Rezept für Pizzateig ausprobieren. Wir haben ganz viel Pizzateig gemacht, haben uns dann Pizza gemacht und es war sehr lecker.

Es ist etwas Teig übrig geblieben und am nächsten Morgen habe ich dann zum Frühstück Pizza gemacht. Ich hab wieder einen Teig ausgerollt. Ich habe aber keine Tomatensoße und Käse darauf gemacht, sondern Nutella. Es war Nutellapizza, das war sehr lecker. Hätte ich keine Freunde, hätte ich wahrscheinlich nie Pizzateig gemacht, hätte nie was übrig gehabt und hätte das nie probiert.

Haben Sie jetzt mehr Freunde, als Sie als Kind hatten?

Ralph Caspers: Ich kenne mehr Leute, aber mehr Freunde, glaub ich nicht. Lustigerweise sind die Leute, mit denen ich in der Schule war, immer noch meine engsten Freunde. Da kamen welche dazu und insofern habe ich wahrscheinlich schon mehr Freunde. Die Leute, die ich als Freunde benennen würde, die kann ich an zwei Händen abzählen. Vielleicht auch nur an einer. Ich kenne viele Leute, aber so richtig befreundet bin ich nur mit ganz wenigen.

Haben Sie schon einmal die Erfahrung gemacht, dass Ihre Freunde wegen Ihres Erfolgs auf Sie neidisch sind?

Ralph Caspers: Bisher noch nicht. Aber da hab ich auch einen Tunnelblick, sagt man. Ich guck da nur geradeaus und kriege das wahrscheinlich gar nicht mit, wenn jemand neidisch ist.

Mögen Sie Ihre Freunde auch manchmal nicht?

Ralph Caspers: Ja, manchmal mag ich meine Freunde nicht, aber das geht schnell vorbei. Es ist ja so: Leute, mit denen man befreundet ist, sind nicht perfekt. Es gibt Sachen, die man blöd findet. Aber wenn man befreundet ist, ist das nicht so schlimm, weil es da viele, viele andere Dinge gibt, die man toll findet. Und manchmal kommen die Sachen, die man nicht so toll findet, ein bisschen stärker raus und das nervt einen dann. Man geht sich dann vielleicht aus dem Weg, kommt aber wieder zusammen.

Haben Sie auch Freunde, die Sie seit Ihrer Kindheit begleiten?

Ralph Caspers: Wir sind ziemlich oft umgezogen, als ich klein war. Mit der fünften Klasse bin ich relativ konstant an einem Ort geblieben und bin nicht mehr umgezogen. Mit den Freunden aus der fünften Klasse bin ich immer noch befreundet.

Haben Sie sich im Fernsehen schon mal mit „Freundschaft“ oder „Mobbing“ beschäftigt?

Ralph Caspers: Ich habe eine Sendung gemacht, die heißt „Du bist kein Werwolf“ und da geht es sehr viel um Freundschaft, auch um Mobbing. Wir hatten Mobbing auch bei „Wissen macht Ah“, wo wir erklärt haben, was Mobbing eigentlich ist und woher das Wort kommt und was es bedeutet.

Das Interview führten Oskar und Veit

 

Außerdem haben die Schüler eine Reportage geschrieben: Freundschaft in der Ferne

Aquinnah läuft schon das dritte Mal zum Briefkasten. Immer noch nichts! Sie wartet schon so lange auf einen Brief von ihrer Freundin Stella aus Amerika. Schon vor drei Wochen hat sie selbst einen Brief nach Amerika losgeschickt.

Vor ein paar Jahren war das alles leichter, da konnte Aquinnah einfach kurz zu Stella hinüberlaufen. Damals, als sie selbst noch in Amerika lebte. Aber jetzt lebt sie in Köln, weil ihre Eltern unbedingt wollten, das Aquinnah und ihre Schwester Deutsch lernen.

Anfangs, im ersten Schuljahr, war es sehr schwer für Aquinnah. Wenn man die Sprache nicht spricht, ist es wirklich schwierig, Freunde zu finden. Und ihre alten Freunde in Amerika, vor allem Stella, hat sie sehr vermisst.

Inzwischen hat Aquinnah auch in Köln gute Freunde gefunden. Aber sie vermisst Stella immer noch sehr. Umso mehr freut sie sich auf die Sommerferien, denn dann fliegt sie mit ihrer Familie nach Amerika und damit auch zu Stella!

Die beiden werden sich endlich wieder in die Arme nehmen können und alles machen, was Freundinnen so machen – und vor allem eine Menge Quatsch!

Für Aquinnah sind Freunde in ihrem Leben sehr wichtig. Sie kann sich noch gut an das schwierige Gefühl erinnern, neue Freunde zu finden. Diese Zeit war für sie sehr schmerzhaft. Umso wertvoller sind Freundschaften für sie geworden, in Köln und in Amerika.

Und Briefe zu schreiben ist zwar schön. Aber sich zu sehen ist noch viel schöner!

Von Aquinnah und Irma

 

Im Kommentar fragten die Schüler: Kann man auch ohne Freunde leben?

Manche Menschen denken, dass sie ohne Freunde besser leben können. Sie müssen dann auf keinen Rücksicht nehmen und können tun und lassen, was sie möchten. Für uns wäre so ein Leben leer, ohne Freunde wäre die Welt ohne Farben. Wir genießen es, mit Freunden etwas zu unternehmen und die größten und die kleinsten Abenteuer zu erleben.

Ohne Freunde hat man niemanden zum Reden, wenn man traurig ist. Man ist einsam, wenn man niemanden zum Spielen hat. Und wenn wir keine Freunde hätten, könnte uns keiner trösten, wenn wir traurig sind oder uns helfen, wenn wir in der Schule nicht klarkommen. Und wir hätten keinen, mit dem wir so gut lachen können.

Manchmal braucht man aber auch in einer guten Freundschaft mal eine Pause. Zum Beispiel, wenn man sich gestritten hat oder einen schlechten Tag hat. Dann will man den anderen nicht verletzen und geht lieber weg.
Aber letztlich sind Freunde Menschen, die einem auch in schlechten Zeiten zur Seite stehen und einem Kraft geben. Und so ein Leben ohne Freunde, das wäre echt schrecklich.

Von Irma, Quinnie und Rachel