„Der kleine Muck“ im Märchen-Check

„Der kleine Muck“ im Märchen-Check
Die Geschichte vom kleinen Muck gibt es zum Lesen und auch immer wieder auf Theater-Bühnen. Foto: picture alliance/Georg Wendt, dpa

Märchen haben besondere Merkmale: Sie spielen an einem unbestimmten Ort, und es passieren Dinge, die im wahren Leben gar nicht möglich wären. Was macht ein Märchen außerdem noch aus?

„Rotkäppchen“, „Schneewittchen“ oder „Hänsel und Gretel“: Diese Geschichten finden sich in Märchenbüchern. Aber warum dürfen sie dort drin sein? Was macht eine Geschichte eigentlich zu einem Märchen? Bei diesen Fragen kann Märchenexpertin Julia Ronge von der Grimmwelt Kassel helfen. Sie nimmt sich „Die Geschichte vom kleinen Muck“ vor. Zeit für einen Märchen-Check!

Punkt 1: „Märchen spielen immer an einem unbestimmten Ort“, sagt Julia Ronge. Das stimmt: Der kleine Muck erlebt seine Abenteuer in einer großen Stadt, die keinen bestimmten Namen hat. Die Geschichte könnte überall spielen und auch zu jeder Zeit.

Das Märchen vom kleinen Muck dient immer wieder als Vorlage, hier etwa für eine Eisfigur. Foto: Bernd Settnik/dpa-Zentralbild/dpa

Punkt 2: „Viele Märchen sind sogenannte Heldenreisen“, erklärt die Expertin. Auch der kleine Muck macht sich auf eine weite Reise. Er bricht auf, erlebt viele Abenteuer und kehrt verändert wieder zurück.

Punkt 3: „Im Märchen gibt es viele fantastische Elemente: Tiere, die sprechen können, oder Menschen, die in Tiere verwandelt werden“, sagt Frau Ronge. Beim kleinen Muck sind es Pantoffeln, die rasend schnell laufen können. Und ein Stock, mit dem man Gold im Boden finden kann.

Starke Gegensätze

Punkt 4: „Gut und Böse sind im Märchen ganz starke Gegensätze“, weiß die Fachfrau. Das ist beim kleinen Muck glasklar. Der kleine Held ist gut. Böse ist der König, bei dem Muck sein Glück finden möchte.

Die Märchen-Expertin Julia Ronge weiß, was ein Märchen zu einem Märchen macht. Foto: Harry Soremski/Grimmwelt/dpa

Punkt 5: „In Märchen geht es um Wünsche, die alle Menschen haben“, führt die Expertin aus. Bingo: Der kleine Muck sucht sein Glück. Glücklich sein wollen Menschen überall auf der Welt, sie möchten schön oder reich sein oder einen guten Freund finden.

Punkt 6: „Es geht immer mit einem Happy End aus. Die Guten werden belohnt, die Bösen bestraft: Eine Ordnung ist wieder hergestellt.“ Das passt auch auf die Geschichte vom kleinen Muck: Er findet sein Glück. Der König aber bekommt eine Strafe. Er muss sein Leben lang mit Eselsohren herumlaufen.

Punkt 7: „Märchen wollen unterhalten“, weiß Julia Ronge. Beim kleinen Muck stimmt dieser Satz doppelt. Denn das Märchen ist eine Geschichte in einer Geschichte: Der Schriftsteller Wilhelm Hauff berichtet darin von Kaufleuten auf einer weiten Wüstenreise. Sie erzählen einander am Abend zum Zeitvertreib ihre Geschichten, auch die vom Kleinen Muck. Diese Geschichten unterhalten die Menschen immer noch.

Punkt 8: „Selbst alte Märchen funktionieren auch heute“, meint die Expertin. Stimmt, der kleine Muck wird noch immer vorgelesen und aufgeführt. Manchmal ist die Erzählung aber ein bisschen verändert: So wird der kleine Muck im Apollo-Theater der Stadt Siegen zum Mädchen Muck. Muck spricht dabei auch die heutige Sprache.

Märchen finden sich in zahlreichen Büchern. Foto: Claudia Irle-Utsch/dpa

Ergebnis des Märchen-Checks

Alle acht Punkte werden erfüllt. „Die Geschichte vom kleinen Muck“ steht also zurecht in Märchenbüchern.

Von Claudia Irle-Utsch (dpa)