Aus Resten wird eine Mahlzeit

Aus Resten wird eine Mahlzeit
Foto: Jennifer Wagner

Brot, Porree, Kohl, Möhren, Fisch, Fleisch, Wurst: Der ganze Tisch ist voll mit Lebensmitteln. Es sind Reste vom Wochenmarkt in Rösrath-Hoffnungsthal.

Foto: Jennifer Wagner

Eingesammelt hat sie Silvia Fröhning. Sie ist Mutter einer Tochter, die in Hoffnungsthal zur Grundschule geht. Und für diese Grundschule hat sich Silvia Fröhning ein besonderes Projekt zur Weihnachtszeit überlegt: Sie kocht mit Kindern zusammen Essen aus Resten vom Wochenmarkt. Wir haben sie dabei begleitet.

Essbares landet im Müll

„Reste machen Schule“ steht auf einem Plakat an der Tür zur Mensa der Grundschule. „Ich bin Ökotrophologin und kenne mich mit Ernährung aus“, erklärt sie. Ökotropho – was? Ökotrophologie bezeichnet das Studienfach der Ernährungs- und Haushaltswissenschaften. Silvia Fröhning ist also Ernährungsexpertin und weiß: Wir schmeißen sehr viele Lebensmittel einfach weg, obwohl wir sie noch essen könnten.

Fast zwölf Millionen Tonnen Lebensmittel landen in Deutschland jedes Jahr im Müll. Das ist ein ganz schön riesiger Berg, wenn du dir überlegst, wie wenig zum Beispiel eine Banane wiegt: nur rund 100 Gramm! Pro Person sind es rund 55 Kilogramm, die wir pro Jahr zu Hause wegwerfen. Ansonsten werfen auch Supermärkte und Restaurants viel weg, aber auch bei der Produktion werden viele Lebensmittel aussortiert. Wenn Möhren zum Beispiel zu krumm gewachsen sind, dann kommen sie oft gar nicht erst in den Supermarkt. Sie werden vorher aussortiert und oft weggeschmissen – weil sie einfach nicht „schön“ genug aussehen. Essbar wären sie aber natürlich trotzdem.

Foto: Jennifer Wagner

Händler spenden Lebensmittel

Auch auf Wochenmärkten müssen Händler vieles wegschmeißen. Wenn sie frische Ware nicht verkaufen konnten und sie nicht mehr lange haltbar ist, landen die Lebensmittel im Müll. „Ich habe die Händler gebeten, uns nur Lebensmittel zu spenden, die sie sonst weggeworfen hätten“, sagt Silvia Fröhning. „Aber so manches haben sie uns trotzdem gegeben, weil sie das Projekt gut finden“, vermutet sie.

Denn so ein Kohlkopf hält sich schon noch ein paar Tage, auch wenn er samstags nicht verkauft wurde. Die Eltern finden die Aktion toll. Eine Mutter sagt: „Lebensmittel retten ist eine gute Sache, vor allem wenn sie sonst in der Tonne gelandet wären.“

Die gespendeten Lebensmittel werden von den Kindern zu leckeren Gerichten verarbeitet. Knödel, Nudelauflauf und Geschnetzeltes stehen auf der Speisekarte. Die dafür nötigen zusätzlichen Zutaten – wie zum Beispiel etwas Sahne – hat ein Vater noch schnell im Supermarkt gekauft.

Foto: Jennifer Wagner

Schnibbeln und Probieren

Und dann geht das Schnibbeln los: 15 Kinder schneiden fleißig Porree, Möhren und Brot, damit sie später alles zusammen in den Kochtopf werfen können. „Ich koche auch zu Hause gerne, vor allem mit meinem kleinen Bruder“, sagt die achtjährige Hannah während sie das Gemüse schneidet. „Mir macht das sehr viel Spaß.“ Am liebsten bereitet sie aber eigentlich Frühstück zu – auch für ihre Eltern: „Dann dürfen sie nicht gucken und mein Bruder und ich decken zusammen den Tisch.“

Am Ende des Tages dampft es gut riechend aus der Küche. Die Speisen verkaufen die Eltern am nächsten Tag auf dem Weihnachtsmarkt. Und schon am Nachmittag ist alles komplett ausverkauft. „Das werden wir bestimmt noch einmal machen“, sagt Silvia Fröhning zufrieden. „Das war nicht die letzte Reste-Aktion.“

Von Jennifer Wagner