Zirkusluft schnuppern in Köln

Zirkusluft schnuppern in Köln
Kleine Artistin: Marie turnt am Tuch. (Bild: Martina Goyert)

Marie schwebt kopfüber in der Luft. Nur zwei lilafarbene Tücher, die sie um ihre Arme und Beine gewunden hat, halten sie. Marie lacht. Gerade hat sie den „Schmetterling“ geschafft. So nennen die Kinder im Kölner Zirkuszentrum ZAK die Übung, bei der man kopfüber an den Tüchern grätscht.

Ob sie so weit oben keine Angst hat? „Nö“, sagt Marie und schüttelt den Kopf. „An den Tüchern turne ich am allerliebsten.“ Marie ist acht Jahre alt. Seit vergangenem Herbst geht sie einmal in der Woche nach der Schule ins Kölner Zirkus- und Artistikzentrum ZAK. Was die Kinder hier lernen, erkennt man schon von weitem: Auf dem Gelände steht ein großes, gelb-rotes Zirkuszelt.

Seiltanzen, Jonglieren oder Einradfahren? Im ZAK dürfen die Kinder selbst entscheiden, was sie üben. (Bild: Martina Goyert)

Im ZAK dürfen die Kinder selbst entscheiden, was sie üben. (Bild: Martina Goyert)

Übung fürs Gleichgewicht

Das Training findet aber nicht im Zelt, sondern in der Halle nebenan statt. Die Kinder dürfen selbst wählen, was sie üben: Ein Mädchen fährt Einrad, ein anderes balanciert über ein  Drahtseil, das nächste läuft auf einer  blauen Tonne, die auf der Seite liegt. Manchmal steckt sie dabei ihre Hände in die Taschen oder dreht einen Teller auf einem Stab über ihrem Kopf. Alles kein Problem.

„Ich finde es super, dass wir ständig neue Tricks lernen“, sagt Mara. Nicht so wie beim Fußball, wo man immer nur Fußball spielt. Mara ist zehn Jahre alt und hat ein wenig Angst vor Höhe. Deswegen turnt sie nicht am Tuch, sondern fährt mit dem Waveboard. Doch es wäre nicht Zirkusunterricht, wenn sie nur durch die Halle rollen würde: Sie jongliert gleichzeitig mit Holzstäben. Wie die meisten Übungen hier trainiert das den Gleichgewichtssinn und die Koordination, erklärt Zirkuspädagoge Daniel Patschovsky. Er leitet die Zirkus-Stunde.

Jeder kann Zirkus

Obwohl das schwierig aussieht, können Kinder schon im Kindergarten mit dem Training anfangen. Dann üben sie leichtere Dinge und jonglieren zum Beispiel mit Tüchern, nicht mit Bällen. Dazu muss man nicht besonders sportlich sein. „Das ist das Schöne an der Zirkuspädagogik“, sagt Patschovsky. „Jedes Kind findet hier seinen Platz.“
Einmal im Jahr zeigen die kleinen Artisten, was sie gelernt haben. Sie sind schon ziemlich aufgeregt.  Bald  treten sie wieder im  Zelt vor Publikum auf. „Wie im richtigen Zirkus“, sagt Marie.

Von Annika Leister

WEITERE INFOS:

ZAK Zirkus- und Artistikzentrum Köln, An der Schanz 6, 0221-7021678

Zirkusfabrik Kulturarena, Bergisch Gladbacher Straße 1007, 0221-47 18 92 – 62

Kölner Spielecircus, Wissmannstr. 38, 0221 – 35 58 16 80

Circus Pappnase, Georgstr. 2, 02236-66795