Warum ist das Stadtarchiv eingestürzt?

Warum ist das Stadtarchiv eingestürzt?
Hier arbeiten Rettungskräfte in den Trümmern des eingestürzten Stadtarchivs. Foto: dpa

Vor neun Jahren passierte in Köln ein großes Unglück: Damals stürzte ein ganzes Gebäude ein, nämlich das historische Archiv der Stadt Köln. Jetzt entscheidet ein Gericht, wer daran schuld ist. Wir erklären dir, warum das Archiv wahrscheinlich einstürzte und welche Folgen das hatte.

Der Grund für den Einsturz

Ein historisches Archiv ist eine Art Museum. Eine Stadt bewahrt darin zum Beispiel alte Briefe, Fotos und Karten auf. Mit ihnen kann man verstehen, wie die Menschen früher lebten, wie Köln in der Vergangenheit aussah und was die Politiker damals gemacht haben. Köln hatte lange ein Archiv, in dem mehr als 1,7 Millionen Dinge gelagert wurden. Da wo es stand – an der Severinstraße in der Innenstadt – ist bis heute ein großes Loch. Im Jahr 2009 war das ganze Gebäude innerhalb von Sekunden eingestürzt. Auch andere Häuser daneben wurden dabei vollkommen zerstört.

Experten glauben, dass der Grund dafür Bauarbeiten für einen neuen U-Bahn-Tunnel waren, die in der Nähe des Archivs unter der Erde stattfanden. Bei den Bauarbeiten soll ein schwerer Fehler passiert sein, durch den ein Loch in einer Wand entstand. Als Bauarbeiter, die nicht wussten, dass dort eine undichte Stelle war, weiter arbeiteten, passierte das Unglück. Die Erde, auf der das Archiv stand, strömte mit viel Wasser durch das Loch. Stell dir vor, du stehst auf einem Stuhl. Wenn jemand den Stuhl plötzlich wegzieht, fällst du hin, tust dir weh und brichst dir vielleicht sogar einen Knochen. So kann man sich auch den Einsturz des historischen Archivs von Köln vorstellen. Das Archiv hatte keinen Halt mehr, also brach es in sich zusammen.

Zwei Menschen starben

Kurz bevor das Gebäude einstürzte, bemerkten Bauarbeiter, dass etwas Schlimmes passieren würde. Einer der Bauarbeiter rannte deswegen ins Archiv und warnte die Menschen, die darin waren. Das war ein großes Glück, denn so war keiner mehr im Gebäude, als es zusammenbrach. In den daneben liegenden Häusern, die auch einstürzten, waren aber noch zwei Menschen. Der 17 Jahre alte Kevin, der Bäcker werden wollte, schlief in seinem Bett. Der 24 Jahre alte Student Khalil war auch zu Hause. Die beiden jungen Männer wurden unter den Trümmern begraben und starben.

Dokumente beschädigt

Noch mindestens 30 Jahre wird es dauern, all die alten Bücher wieder herzurichten. (Foto: dpa)

Die alten Dokumente, die viel über die Vergangenheit Kölns verraten, wurden natürlich auch begraben. Die meisten konnten gerettet werden, waren aber stark beschädigt. Jetzt müssen sie von Experten so bearbeitet werden, dass sie wieder so aussehen wie vor dem Einsturz. Das nennt man restaurieren. Bis die Experten fertig sind, könnte es aber noch 40 Jahre dauern. Die wiederhergestellten Unterlagen kommen in das neue Archiv, das gerade in einem anderen Teil von Köln neu gebaut wird.

Gerichtsprozess

Ein Gericht soll nun darüber entscheiden, ob das Loch in der Wand den Einsturz des Archivs auslöste und wer dafür verantwortlich sein könnte. Vier Männer und eine Frau sind angeklagt. Einer der Männer soll schlecht gearbeitet und die Vorschriften missachtet haben. Die anderen vier Angeklagten, die die Baustelle kontrollieren sollten, sollen die schlechte Arbeit nicht bemerkt haben. Dadurch fiel der Fehler später wohl auch nicht auf und das Gebäude stürzte ein.

Von Hendrik Geisler