Tierisch gute Teamarbeit

Tierisch gute Teamarbeit
Foto: Thilo Schmülgen

Warst du schon einmal am Flughafen Köln/Bonn und hast die Flugzeuge beobachtet? Vielleicht hast du gestaunt, wie groß das Airportgelände ist: 1000 Hektar misst es – etwa 1000 Fußballfelder hätten hier Platz! Gras müsste man dafür nicht erst säen, denn zwei Drittel des Flughäfengeländes bestehen aus Grünflächen. Da zudem das Natur- und Vogelschutzgebiet der Wahner Heide direkt nebenan liegt, lockt das viele Grün vor allem viele Vögel an.

Damit die nicht in der Luft mit startenden und landenden Flugzeugen zusammenstoßen, gibt es am Flughafen eine Spezialeinheit: die Bird Control, was in etwa „Vogel-Überwachung“ heißt. Sie beobachtet die Wildtierwelt rund ums Gelände und sorgt dafür, dass sich möglichst wenige Vögel am Flughafen aufhalten, damit Unfälle gar nicht erst passieren. Unterstützung kommt dabei von ganz besonderen „Mitarbeitern“: zwei Greifvögeln und drei Frettchen. Duda hat Marc Frangenberg von der Bird Control und seine tierischen Kollegen am Flughafen besucht.

Marc Frangenberg ist Falkner am Flughafen Köln/Bonn und arbeitet mit Greifvögeln und Frettchen um Wildtiere aus dem Sicherheitsbereich des Flughafens zu vertreiben. Foto: Thilo Schmülgen

Profi-Vogelscheuchen

Der Tag beginnt für Marc und seine Kollegen gegen sieben Uhr früh: „Wir fahren mit dem Auto die erste Kontrollrunde über das Flughafengelände und schauen, welche und wie viele Vögel wo genau sitzen. Das dauert ein bis zwei Stunden“. Alles wird genau in einem Protokoll aufgeschrieben. Bemerken sie Vogelschwärme, geben sie der Aufsicht im Flughafen-Tower Bescheid. Manchmal muss wegen eines Vogelschwarms der Flugbetrieb eine Pause machen. „Gegen ganze Schwärme können wir wenig machen “, erklärt Marc. Sichten sie aber einzelne Vögel, die den Start- und Landebahnen zu nahe kommen, verscheuchen sie diese mit Warnschüssen oder Pyrotechnik. „Das kann man sich wie eine Schreckschusspistole mit einer Silvesterrakete vorne dran vorstellen“, sagt Marc. Das Vogelverscheuchen nennt man Vergrämen.

Foto: Thilo Schmülgen

Fliegende Mitarbeiter

„Wir versuchen, es Vögeln am Flughafen so ungemütlich wie möglich zu machen“, sagt Marc. Dabei helfen ihm seine beiden amerikanischen Wüstenbussarde Hera und Mars: „Die Greifvögel lösen Stress bei den anderen Vögeln aus, die wir nicht am Flughafen haben wollen“. Wenn Marc bemerkt, dass sich an einer bestimmten Stelle immer wieder Vögel versammeln, lässt er Hera und Mars dort ihre Kreise fliegen. Die kleineren Vögel bekommen beim Anblick der Raubvögel Muffensausen und suchen das Weite – im besten Falle außerhalb des Flughafens. Gefahr gebannt. Amerikanische Wüstenbussarde sind dafür bekannt, dass sie eine Bindung, sozusagen eine Freundschaft, zu Menschen eingehen können. Wenn Marc die beiden frei fliegen lässt, kehren sie daher immer wieder zu ihm zurück.

Baby-Frettchen. Foto: Thilo Schmülgen

Flink und knuffig

Erst wenige Tage alt ist der jüngste Nachwuchs der drei Frettchen, die am Flughafen bei der Bird Control leben. Nur ein paar Wochen älter sind ihre sechs Halbgeschwister. „Die Frettchen und die Greifvögel sind unsere einzigen Mitarbeiter mit Vollpension“, sagt Marc und lacht. Sich jeden Tag um die Tiere kümmern und mit den Frettchen spielen: Auch das gehört zum Job. Aber die niedlichen Marder sind nicht nur Haus-, sondern auch Raubtiere und helfen mit, den Flugverkehr sicherer zu machen. Denn auf den Wiesen des Flughafens tummeln sich Hunderte Wildkaninchen und Hasen. „Die Frettchen flitzen durch die Gänge des Baus und treiben sie heraus. Dann müssen die Kaninchen Hackengas geben“, erklärt Marc. Denn auch Hera und Mars sind mit dabei, um sie zu fangen. Die Kaninchen und Hasen zu verscheuchen, ist wichtig, weil sie auf dem Speiseplan vieler Raubvögel stehen. Weniger Kaninchen heißt auch: weniger Vögel.

Blick über den Flughafen Köln/Bonn. Foto: Thilo Schmülgen

Das ganze Jahr zu tun

Neben Vögeln wie Enten, Gänsen und Tauben bekommen es die Bird Controller auch mit Zugvögeln wie Kranichen und Störchen zu tun. Damit die Schwärme sich nicht den Airport für eine Pause aussuchen, wird das Gras in einem Muster aus Flächen mit kürzeren und längeren Halmen geschnitten. „Kraniche landen nicht gern kurz vor hohem Gras, da sich darin ein Feind verstecken könnte“, weiß Marc. Das Gras lässt man auch lang wachsen, weil darin Mäuse und Kaninchen für Raubvögel aus der Luft nicht sichtbar sind und sie weiterfliegen. Viel zu tun hatte die Bird Control in den letzten Monaten: „Wegen des Coronavirus ging der Flugverkehr von 100 auf Null zurück. Die extreme Ruhe zog immer mehr Tiere an. Noch nie waren so viele Gänse hier, die haben uns gut auf Trab gehalten“, berichtet Marc.

Foto: Thilo Schmülgen

Ein Falkner am Flughafen

Marc Frangenberg ist Falkner und arbeitet seit mehreren Jahren für den Flughafen Köln/Bonn. Eigentlich hat er Restaurantfachmann gelernt und auch eine Zeitlang in diesem Beruf gearbeitet. „Ich habe mich aber schon immer für Greifvögel interessiert“, erzählt der 31-Jährige. Nachdem er mit Anfang 20 den Jagdschein gemacht hatte, schloss er die Ausbildung zum Falkner an. Er kennt sich also besonders gut mit Greifvögeln aus. Vor acht Jahren kaufte er seine ersten beiden Vögel: Weibchen Hera und Männchen Mars. Damals waren die beiden amerikanischen Wüstenbussarde erst ein Jahr alt und Marc musste sie erst an sich gewöhnen. „Man lernt beim Jagdschein unheimlich viel über Tiere und die Natur. Aber Mars und Hera zeigen mir immer wieder etwas Neues“, sagt Marc. Was ihm an seinem Job besonders gut gefällt? „Das Draußensein und das tägliche Arbeiten in der Natur!“

Von Doreen Reeck