Schwimmende Feuerwehr

Schwimmende Feuerwehr
Foto: Michael Bause

Majestätisch liegen sie in einem kleinen Hafen in einem ruhigen Nebenarm des Rheins. In Poll gibt es die sogenannten Mole. Dort sind die Feuerlöschboote der Feuerwehr Köln Zuhause. Duda durfte einen Blick hinter die Kulissen werfen – und sogar bei einer Übung mitfahren.

Foto: Michael Bause

Die Boote

„Hydra“, „Branddirektor Hans“ und „Ursula“: So heißen die Schiffe, die zur Feuerwehr Köln gehören. Die „Hydra“ ist das größte Boot, das die Feuerwehrleute steuern: 33 Meter lang und 100 Tonnen schwer. „Branddirektor Hans“ ist 20 Meter lang und 25 Tonnen schwer. Es ist nach Walter Hans benannt, einem sehr bekannten Feuerwehrmann in Köln. Er war der erste Feuerwehr-Chef nach dem Zweiten Weltkrieg und baute die Feuerwehr komplett neu auf. „Ursula“ ist ein kleineres Rettungsboot.

Kapitän Alfred Braun. Foto: Michael Bause

Der Kapitän

Sollte etwas auf dem Rhein passieren, sind sie sofort einsatzbereit: rund um die Uhr stehen vier Feuerwehrleute am Rhein Wache. Immer einer von ihnen ist Kapitän und darf die großen Schiffe steuern. Heute ist das Alfred Braun. Er gehört genau wie die anderen Feuerwehrleute, die an der Mole arbeiten, zur Feuerwache 10 in Köln-Deutz. Für ihn ist sein Arbeitsplatz etwas ganz besonderes. „Ich wohne in der Nähe von Aachen, da gibt es nicht viel Wasser“, sagt Alfred Braun und lacht. „Deswegen genieße ich den Ausblick sehr.“

Übung „Person im Rhein“. Foto: Michael Bause

Person im Rhein

Feuer löschen, Menschen retten: Das sind die Hauptaufgaben der Feuerwehr – auch am Rhein. Rund 200 Einsätze fahren die Feuerwehrleute pro Jahr mit den Rettungsschiffen. Die Hälfte davon sind sogenannte Personensuchen: Passanten haben einen Menschen im Rhein gesehen, oder zumindest einen Gegenstand, der wie ein Mensch aussieht. „Bei etwa einem Viertel der Einsätze sind wirklich Personen im Wasser“, sagt Alfred Braun. Manchmal sei es auch nur ein Teddybär von der Kirmes, der wie ein echter Mensch aussieht – oder einfach ein Stück Holz. „Ungefähr 25 Menschen können wir rausholen – der Rest schafft es entweder alleine an Land oder ertrinkt leider.“

Feuer und Havarien

Ansonsten werden die Feuerwehrleute oft zu sogenannten Havarien gerufen: Schiffe laufen auf Grund. Wenn dann ein Leck am Schiff entsteht, versucht die Feuerwehr es zu schließen. Nur ganz selten brennt es tatsächlich auf einem Schiff. Vor knapp 30 Jahren gab es einen großen Einsatz für die Feuerwehr, an die sich auch Alfred Braun noch gut erinnern kann: „Damals gab es eine Explosion in Worringen. Gas entzündete sich auf einem Schiff und das Feuer schlug noch auf andere Boote im Rhein über – das war ein tagelanger Einsatz für uns.“

An Bord

Obwohl die „Hydra“ schon 56 Jahre alt ist und „Branddirektor Hans“ 35 Jahre, haben sie ziemlich moderne Technik an Bord. Auf einem großen Radarbildschirm sieht Kapitän Braun, wo Schiffe um ihn herum unterwegs sind oder wo sich der Deich befindet. „Das ist besonders wichtig, wenn es dunkel, neblig oder regnerisch ist und ich nicht so weit sehen kann“, erklärt Alfred Braun. Vor ihm befinden sich außerdem noch die Hebel, mit denen er die die Antriebsmaschinen steuern kann: nach vorne und nach hinten. Zwei Maschinen haben die großen Schiffe, jeweils mit 1000 PS – ein normales Auto hat nur rund 100 PS!

Auf dem Rhein

Trotz der vielen PS: Die Feuerwehrlöschboote fahren nur rund 45 km/h schnell – so schnell fahren Autos ungefähr in der Innenstadt. Die Schiffe machen nämlich hohe Wellen, wenn sie auf dem Rhein unterwegs sind. Wenn die Wellen noch höher wären, könnten sie für Menschen gefährlich werden, die am Rheinufer spazieren gehen – sie würden ganz nass oder sogar in den Fluss gezogen werden.

Foto: Michael Bause

Flammen löschen

Wenn es am Ufer des Rheins brennt, rücken auch die Feuerwehrlöschboote aus. Sie können dann vom Fluss aus löschen – und nutzen dafür das Wasser des Rheins. Mit großen Pumpen holen sie das Wasser ins Schiff und drücken es über einen Wasserwerfer wieder hinaus. So entsteht eine riesige Fontäne, die die Feuerwehrleute dorthin lenken können, wo es brennt. Dank des Rheinwassers geht ihnen so das Löschwasser auch nie aus.

Die Übung

Damit die Feuerwehrleute immer gut vorbereitet sind, wenn ein Einsatz kommt, üben sie regelmäßig auf dem Rhein. Heute trainieren sie, wie sie eine Person aus dem Wasser retten. Dafür haben sie eine Puppe eingepackt, die sie in den Rhein schmeißen. Mit der „Ursula“ manövrieren sie um die Puppe herum und ziehen sie vorsichtig an Deck. Kapitän Braun ist auf der „Branddirektor Hans“ mit dabei. Er schirmt das Rettungsboot ab, damit es nicht von anderen großen Booten gerammt wird. Wenn dann bald wieder ein Einsatz ist, sind die Feuerwehrleute wieder bereit.

Von Jennifer Wagner