Lesende Kicker
Wie man durch Fußball Lust am Lesen bekommt.
Was haben Fußball und Lesen gemeinsam? Auf den ersten Blick gar nichts. Aber Fußball kann Lust auf Lesen machen. Das zeigt das Projekt „kicken und lesen“. 18 Jungs der Gesamtschule Wasseramselweg machen dieses Schuljahr bei dem Projekt mit.
Zu zweit geht es besser
Aus der Turnhalle ist leises Gemurmel zu hören. In Zweier-Gruppen sitzen die Jungs verstreut in der Halle, manche hocken auf dem Boden, andere seitlich auf der Holzbank. Sie stecken die Köpfe zusammen und manchmal ist Gekicher zu hören. Tandem-Lesen heißt diese Übung. Die Teams bestehen jeweils aus einem sogenannten Trainer und einem Sportler. „Also aus einem Jungen, der gut lesen kann und einem, der etwas mehr Unterstützung braucht“, erklärt Tim Ouerghi. Aber Leseübungen in einer Sporthalle? Was hat es damit auf sich? Tim Ouerghi ist Sportlehrer, er unterrichtet an der Gesamtschule am Wasseramselweg in Köln-Ehrenfeld. Zusammen mit seinem Kollegen Deniz Etiz betreut er das Projekt „kicken und lesen“. Die Idee: Durch Fußball sollen Jungs zum Lesen motiviert werden. Denn sie tun sich in dem Alter oft schwerer damit als Mädchen.
Wenige Plätze
18 Jungs sind in diesem Schuljahr bei dem Projekt dabei. Sie gehen alle in die sechste Klasse. Einer von ihnen ist Juri. Der Elfjährige erzählt, dass das Projekt an der Schule total beliebt sei. Sehr viele Jungs würden gerne mitmachen. Doch die Plätze sind begrenzt. „Deshalb wird ausgelost. Das ist ein bisschen wie beim Glücksrad. Ich habe mich super gefreut, als ich ausgelost wurde“, sagt Juri. Und was noch besser ist: Seine Freunde Julian und Linus sind ebenfalls dabei. „Das macht die Sache natürlich noch cooler“, verrät Juri und grinst breit. Ein ganzes Schuljahr dauert das Projekt, es ist wie eine Art AG, die Teilnahme ist Pflicht. „Die Jungs können also nicht einfach während des Schuljahres aufhören“, sagt Deniz Etiz.
Erst lesen, dann kicken
Nach dem Tandem-Lesen kommt das, worauf die Schüler die ganze Zeit gewartet haben: Es wird gekickt. Rumms! Der Schuss ging an die Latte. Schnell geht das Spiel aber weiter. Henry passt zu Adem, der gibt ab an Naseem – und Tor! Nach dem Spiel wird wieder gelesen. Genauer gesagt: vorgelesen. Dazu bilden die Jungs einen Kreis, manche lümmeln sich auf den Hallenboden, andere sitzen im Schneidersitz. Deniz Etiz liest vor. Heute steht auf dem Leseplan: „Rileys verrücktes Leben. Vom Pech verfolgt.“ Am Ende des Trainings müssen sich die Jungs dann selbst noch ein Buch aus der Lese-Kiste schnappen. Denn es wird nicht nur donnerstags beim Training gelesen, sondern auch zu Hause. Viele Bücher in der Lese-Kiste haben, na klar, mit Fußball zu tun.
Coole Belohnung
Die Jungs haben allen Grund sich beim Lesen anzustrengen. Denn es winken coole Belohnungen. So dürfen die Schüler beispielsweise ins Stadion und ein Heimspiel des 1. FC Köln anschauen. „Wer die meisten Fairness-Punkte sammelt, darf zudem als Fahnenjunge ins Stadion einlaufen“, verrät Deniz Etiz. Die Fairness-Regeln haben die Jungs selbst aufgestellt. Zu den Regeln gehört zum Beispiel, seine Sportsachen nicht zu vergessen, beim Auf- und Abbau zu helfen, nicht rumzunörgeln und sich an die Entscheidungen des Schiedsrichters zu halten. Die Fairness-Punkte werden jede Woche von den beiden Lehrern verteilt.
Wer liest, gewinnt
Die Gesamtschule am Wasseramselweg ist nicht die einzige Schule, die an dem Projekt teilnimmt. Auch andere Schulen aus Köln und der Umgebung machen mit. Und alle liegen sozusagen im Wettstreit miteinander: Es geht um den Turniersieg. Dabei zählen aber nicht nur die geschossenen Tore, sondern auch die Leseleistung: Jede Woche müssen die Jungs ein Buch mit nach Hause nehmen und möglichst viele Seiten lesen. Die gelesenen Seiten werden zusammengezählt – und die Schule, die am Ende am meisten gelesen hat, gewinnt. „Das bedeutet, wenn wir gewinnen wollen, müssen wir uns alle anstrengen“, sagt der elfjährige Henry.
Mehr Infos
Das Projekt „kicken und lesen“ findet auch im kommenden Schuljahr statt. Schulen, die sich dafür interessieren, können sich bewerben. Alle Infos gibt es hier.







