Königin der Instrumente

Königin der Instrumente
Foto: Orgelbau Klais, Bob Rashid


Hast du schon einmal Orgelmusik in einer Kirche oder einem Konzertsaal gehört? Vielleicht hast du dich gewundert, wie ein einziges Instrument, das nur von einer Person gespielt wird, so voluminös klingen kann. Eine Orgel ist für solche Räume besonders gut geeignet, weil sie von allen Instrumenten das größte und lauteste ist.

Foto: Orgelbau Klais, Antonio Ceruelo

Aber vor allem wegen ihres besonderen Klangs wird sie auch als „Königin der Instrumente“ bezeichnet: Orgeln sind so gebaut, dass sie andere Instrumente nachahmen und so vielseitig wie ein ganzes Orchester klingen können. Duda hat Philipp Klais in seiner Orgelbau-Werkstatt in Bonn besucht, in der die Orgeln des Kölner Doms gefertigt wurden. In dem Familienbetrieb werden schon seit 132 Jahren Orgeln gebaut.

Hauptaschreinerei. Foto: Archiv Klais

Berühmte Orgelbauerfamilie

Johannes Klais, der Urgroßvater von Philipp Klais, gründete den Betrieb im Jahr 1882. Auch sein Sohn und wiederum dessen Sohn lernten den Beruf des Orgelbauers und führten die Werkstatt weiter. Schon lange ist sie in Deutschland und auf der ganzen Welt berühmt. Philipp Klais hatte aber erst andere Zukunftspläne: „Ich wollte Journalist oder Kameramann werden“, erzählt er. Nach dem Abitur ging er nach Australien, wo die Firma seines Vaters gerade eine Orgel fertig stellte. „Dabei habe ich dann mitgeholfen und bin so doch in dem Beruf hängengeblieben“. Anschließend machte er eine Ausbildung zum Orgelbauer in Frankreich und bei seinem Vater in Bonn. Seit 1995 leitet er den Betrieb.

Orgelbauer Philipp Klais führt uns durch die Werkstatt des Familienunternehmens und erklärt, wie eine Orgel gebaut wird. Foto: Martina Goyert

Pfeifenorgeln

Große Orgeln bestehen aus tausenden Orgelpfeifen aus Holz und Metall. Wenn Luft durch sie strömt, erzeugen sie einen Ton. Das passiert, wenn der Orgelspieler, der sogenannte Organist, eine Taste oder mit dem Fuß ein Pedal drückt. Das kannst du dir wie beim Klavier vorstellen, allerdings mit viel mehr Tasten und Pedalen. Bei der Orgel heißt das Spieltisch. Dort sind auch die Registerknöpfe angeordnet. Zieht man ein Register, erklingen mehrere Orgelpfeifen auf einmal. Je mehr Register der Organist zieht, umso vielstimmiger und lauter ist die Musik. Einige Pfeifen kannst du außen an der Orgel sehen, die meisten verstecken sich aber im Inneren. Manche Instrumente sind so groß, dass man sogar hineingehen kann. Orgeln, die mit Luft funktionieren, nennt man Pfeifenorgeln.

Einzigartig

Eine große Orgel zu bauen, dauert lange: „Vom Auftrag bis zum fertigen Instrument arbeiten wir drei Jahre“, sagt Philipp Klais. Als Erstes besichtigt er den Ort, für den die Orgel gedacht ist. Denn um den Klang des Instruments perfekt hinzubekommen, müssen unter anderem die Größe und der Tonumfang genau auf den Raum abgestimmt werden. Dabei kommt es auch darauf auf, ob ein Instrument für eine Kirche oder einen Konzertsaal gedacht ist: Nicht nur die Räume unterscheiden sich, auch die Musik, die gespielt wird. Wie die Orgel aussehen soll, spielt ebenfalls eine Rolle. Jedes Instrument ist einzigartig.

Foto: Martina Goyert

Handwerk

Für eine neue Orgel werden zuerst Zeichnungen und Pläne für alle Bestandteile erstellt. Das geschieht per Hand und mit speziellen Computerprogrammen. Dann wird das Material ausgesucht. „Ein weiches Holz ergibt zum Beispiel auch einen weichen Klang“, erklärt Philipp Klais. Für die Metallpfeifen werden in der Gießerei Zinnbarren geschmolzen und dann zu Blechen gegossen. Diese werden glatt gehobelt, zugeschnitten und zu Orgelpfeifen geformt. Die kleinsten messen nur wenige Millimeter und klingen sehr hoch. Die größten sind zwölf Meter lang, wiegen 750 Kilogramm und haben einen tiefen Ton. In verschiedenen Abteilungen entstehen die einzelnen Teile der Orgel wie Gehäuse und Spieltisch.

Foto: Martina Goyert

Orgel auf Reisen

In der großen Montagehalle der Werkstatt wird die Orgel komplett zusammengebaut. Dann wird sie wieder in Teile zerlegt, vorsichtig verpackt, mit dem Lkw an ihren Bestimmungsort gebracht und dort wieder aufgebaut. „Alle klanglichen Arbeiten werden erst vor Ort gemacht“, sagt Philipp Klais. Jede Pfeife wird gestimmt und genau auf den Raum ausgerichtet. Das kann mehrere Monate dauern. Die Orgelbauwerkstatt hat schon auf der ganzen Welt gearbeitet und Instrumente zum Beispiel in den USA, China und Russland gebaut. „Das Schönste an meinem Beruf ist, dass man in einem Team arbeitet und dabei sehr künstlerisch und kreativ sein darf“, sagt Philipp Klais.

Köln, Dom, Schwalbennestorgel. Foto: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte Matz und Schen

Schabernack

Die Langhausorgel im Kölner Dom birgt etwas ganz Besonderes: „Es gibt im Orgelbau die Tradition, die Instrumente mit einem Schabernack zu versehen“, verrät Philipp Klais. Sein Team baute in Köln das Register „Loss jonn“ („Los geht’s“) ein: Zieht man es, öffnet sich eine Klappe und eine große Figur mit Narrenkappe ist zu sehen. Dazu ertönt die Melodie von „Mer losse d’r Dom en Kölle“. „Die Figur haben wir dem damaligen Domprobst Henrichs nachempfunden und weil der in einer Karnevalsgesellschaft war, eine rot-weiße Kappe verpasst. Nur leider hatten wir die falschen Farben erwischt und haben das in einer Nach- und Nebelaktion noch mal in Grün und Gelb umgepinselt“, erzählt Philipp Klais und lacht.

Figur des ehemaligen Dompropstes Bernard Henrichs mit Narrenkappe. Foto: Hohe Domkirche Köln, Dombauhütte Matz und Schen

Infos

Auf der Website https://klais.de geben Bilder und Filme einen Einblick in die Werkstatt. Normalerweise gibt es auch Führungen, wegen Corona fallen die aber derzeit aus. Auf der Homepage erfährst du, wann es wieder losgeht.

Von Doreen Reeck