Ein Haus voll spannender Geschichten

Kinder schauen sich Bücher an. (Foto: dpa)
Für die meisten Kinder selbstverständlich: gedruckte Bücher. (Foto: dpa)

Das Junge Literaturhaus in Köln stellt euch die spannendsten Bücher für Kinder vor. Es gibt auch einen Buchklub für Leseratten und viele Veranstaltungen extra für euch.

Die Wendeltreppe im Flur (Foto: Csaba Peter Rakoczy)

Wenn Häuser sprechen könnten, dann hätte dieses sicher viele Geschichten zu erzählen. Denn das Gebäude, in dem heute das Junge Literaturhaus Köln sitzt, ist ganz schön alt: Manche Mauern im Keller stammen noch aus dem Mittelalter, das Haus darüber wurde am Ende des 16. Jahrhunderts, also vor über 400 Jahren, gebaut.

Wer durch die braune Eingangstür tritt, kommt in hohe Räume mit großen Fenstern und einer Wendeltreppe aus dunklem Holz. „Viele Kinder, die zum ersten Mal hier reinkommen, staunen erst einmal. So ein altes Haus finden die meisten total spannend“, sagt Ines Dettmann. Sie ist die Leiterin des Jungen Literaturhauses. In diesem Jahr feiert es seinen 10. Geburtstag – und zwar noch bis Ende des Jahres mit vielen Lesungen und Geschichten.

So fing alles an

So sieht das Haus von außen aus.
(Foto: Csaba Peter Rakoczy)

Das Junge Literaturhaus Köln hat ein großes Geschwisterkind: Das Literaturhaus Köln, das sich an Erwachsene richtet, gibt es schon 20 Jahre. 2007 kam man auf die Idee, ein Programm speziell für Kinder und Jugendliche zu machen. Das Junge Literaturhaus unter der Leitung von Ines Dettmann wurde gegründet. Im Lauf der Jahre wurde das Angebot für verschiedene Altersstufen immer größer und vielfältiger.

Heute gibt es pro Jahr an die 100 Veranstaltungen: Es werden Kinderbuchklassiker, aktuelle Jugend- und Sachbücher vorgestellt, es kommen Autoren aus Köln und der Region, aber auch aus dem Ausland. Jede Woche kannst du nachmittags Lesungen und Workshops im Literaturhaus besuchen. Darüber hinaus gibt es Veranstaltungen für Schulklassen und Kita-Gruppen. Alle zwei Monate kommt das neue Programm heraus.

Erstes Ziel: Spaß haben!

Im Literaturhaus wird nicht nur gelesen. Hier gibt es ein Konzert mit Ralph Caspers. (Foto: Literaturhaus)

Klar, im Jungen Literaturhaus wird vorgelesen. Aber das ist längst nicht alles: „Wichtig ist die Frage: Wie kann man ein Buch noch erleben, außer es zu lesen? Die Kinder sollen bei uns vor allem Spaß haben, sich wohlfühlen und eine schöne Erinnerung mitnehmen“, sagt Ines Dettmann. Deshalb ist das Programm im Literaturhaus möglichst vielfältig und interaktiv: Hier lesen Schriftsteller nicht nur aus ihren Büchern vor, sie erzählen auch von ihrer Arbeit und davon, wie ein Buch entsteht.

Manche bringen einen Film mit, um zu zeigen, wie ihr Arbeitszimmer oder ihr Schreibtisch aussieht. Illustratoren, die für Kinder- und Jugendbücher die Zeichnungen anfertigen, zeigen live auf einer Leinwand, wie das geht, oder zeichnen in Workshops mit dem Publikum gemeinsam einen Comic. Und immer gilt: Die Kinder dürfen ganz viele Fragen stellen.

Ganz schön viel Arbeit

Alte und brandneue Kinderbücher stehen hier bereit zum Entdecken. (Foto: Csaba Peter Rakoczy)

Die Leiterin des Jungen Literaturhauses hat viel zu tun: „Ich bekomme im Monat von Kinder- und Jugendbuchverlagen zwischen 40 und 50 Bücher zum Lesen geschickt“, sagt Ines Dettmann. Um sich Ideen fürs Programm zu holen, fährt sie außerdem im Frühjahr auf die Leipziger Buchmesse und im Herbst auf die Frankfurter Buchmesse. Gemeinsam mit einer Kollegin pickt sie die besten Geschichten heraus und plant die Veranstaltungen.

Zum Beispiel telefoniert sie mit Autoren, um Termine zu vereinbaren, oder sie überlegt, was alles gebraucht wird für eine Lesung oder einen Workshop. Sind genügend Stühle da? Braucht man eine Leinwand, auf der Bilder gezeigt werden? Und dann kommt es auch schon mal vor, dass ein Klavier ausgeliehen werden muss, wenn Autoren mit den Kindern Musik machen möchten.

Zur Person

Ines Dettmann
(Foto: Csaba Peter Rakoczy)

Ines Dettmann hat Germanistik und Journalistik studiert. Am liebsten mag sie Geschichten, in die man richtig eintauchen und die Welt um sich herum vergessen kann, wie zum Beispiel „Ich, Gorilla und der Affenstern“ von Frida Nilsson. „Am schönsten an meiner Arbeit finde ich, dass ich so viele verschiedene Sachen machen kann“, sagt sie, „ich habe mit Büchern zu tun und kann mir überlegen, wie ich eine Veranstaltung aufbauen möchte. Das Tollste ist aber das Feedback: Wenn ich höre, wie Kinder vor Lachen glucksen oder ›coole Jungs‹ plötzlich ganz aufmerksam zuhören, das gibt mir ganz viel zurück“.

Buchklub für kleine Leseratten

Seit Anfang Oktober gibt es im Jungen Literaturhaus einen Buchklub für 8- bis 12-Jährige. „Wir wollen uns einmal im Monat treffen, gemeinsam lesen und über Bücher sprechen“, erklärt Ines Dettmann. Man kann auch selbst ausprobieren, Geschichten oder Gedichte zu schreiben. Wer du mitmachen möchtest, schreib einfach eine E-Mail an dettmann@literaturhaus-koeln.de.

Darauf kannst du dich freuen

Noch bis Ende des Jahres gibt es tolle Geburtstaghighlights im Jungen Literaturhaus: Am 24. Oktober kommt die Illustratorin Rotraut Susanne Berner mit ihrem „Herbst-Wimmelbuch“, am 7. November gibt es mit Andreas Steinhöfel und „Rico, Oskar und das Vomhimmelhoch“ eine Familienlesung und am 10. Dezember lädt Gina Mayer zur Adventlesung in den „Magischen Blumenladen“. Auf der Website (siehe unten) findest du das komplette aktuelle Programm.

Junges Literaturhaus Köln, Großer Griechenmarkt 39, Köln, Tel. 0221 / 995 55 80, www.junges-literaturhaus.de.

Von Doreen Reeck