Flöhe und Flöhchen
Kinder und Jugendliche tanzen im Karneval, aber trainieren das ganze Jahr.
Die Große Allgemeine Karnevalsgesellschaft von 1900 Köln e. V. gehört zu den Traditionsgesellschaften des Kölner Karnevals. Ihre Kinder- und Jugendtanzgruppe wurde vor 19 Jahren gegründet. Angi Meis leitet sie, Betreuerin Cleo Danielzyk trainiert sie in zwei Gruppen. Die „Flöhe“ sind neun bis 18 Jahre alt, die „Flöhchen“ drei bis neun. In der Session, der Zeit der Sitzungen, die vom 11. November bis zum Karnevalsdienstag dauert, treten die jungen Tänzerinnen und Tänzer so oft auf, dass das wöchentliche Training ausfallen kann. Für Duda haben sie eine Ausnahme gemacht und bei einem extra Treffen erzählt, was ihnen an ihrem Hobby besonders Spaß macht.
Wer trainiert denn da?
Erst einmal heißt es Aufwärmen: Die Kinder und Jugendlichen laufen in der Turnhalle ein paar Runden, dann stellen sie sich im Kreis auf. Zum Dehnen strecken sie die Arme über den Kopf, den rechten nach links, den linken nach rechts. Galoppieren auf der Stelle. Es sind mehr Mädchen als Jungs, die jüngsten gerade drei Jahre alt. Alle tragen kurze Hosen oder Leggings, dazu einfache T-Shirts. Noch lässt sich nicht erkennen, welchen Sport sie wohl ausüben werden, wenn sie mit dem Warmmachen fertig sind.
Tanz in Uniform
Nach einer kurzen Pause läuft statt Popmusik ein Karnevalslied. Shirts und Shorts haben die Kinder und Jugendlichen gegen schmucke Uniformen in Weiß und einem dunklen Rotton getauscht. Sie tanzen jetzt. Allerdings nicht paarweise oder alleine, sondern in der Gruppe, ein sogenannter Formationstanz. Und ausnahmsweise tanzen „Flöhe“ und „Flöhchen“ zusammen.
Tanzen hält jung
„Die Tanzgruppen sind das Herzstück des Vereins“, sagt Andreas Holtmann. Er ist der Pressesprecher des Vereins. Neben den „Flöhen“ und „Flöhchen“ gibt es noch ein Tanzcorps für die Erwachsenen, insgesamt tanzt etwa jedes vierte Mitglied. Die Karnevalsgesellschaft feiert 2025 ihr 125-jähriges Bestehen. Der Altersdurchschnitt ist aber sehr niedrig: „Die Tanzgruppen halten uns jung“, sagt Holtmann, „und sie sorgen dafür, dass wir keine Nachwuchsprobleme haben.“
Da sagen die jungen Tänzerinnen und Tänzer
Carlotta, 9: Ich stehe gerne auf der Bühne. Und ich finde es toll, wenn das den Leuten gefällt. Das Training macht viel Spaß, auch wenn es ab und zu anstrengend ist. In dieser Session trainiere ich jeden Freitag drei Stunden am Stück, weil ich gerade zu den Größeren wechsele: zuerst eine Stunde bei den Flöhchen, dann zwei Stunden bei den Flöhen. Ich werde zum ersten Mal beim Rosenmontagszug mitgehen. Darauf freue ich mich total!
Matti, 7: Ich bin Carlottas Bruder. Den Spaß am Tanzen haben wir von unseren Eltern geerbt, die haben früher auch in einem Karnevalsverein getanzt. Vor größeren Auftritten bin ich ganz schön aufgeregt, aber dann macht es doch viel Spaß. Ab und zu vertanze ich mich, aber das bekommt das Publikum gar nicht mit. Für den Straßenkarneval werde ich mich vielleicht als Brausetütchen verkleiden – oder als Pinguin.
Viktoria, 10: Ich bin seit sechs Jahren im Verein, seit drei Jahren bin ich unsere Ansagerin. Wenn wir auf die Bühne kommen, begrüße ich das Publikum auf Kölsch und sage die Tänze an. „Flüh, stellt üch op zo: ‘Häng huh’!“ – das heißt „Flöhe, stellt euch für ‚Häng huh‘ auf“ und das sage ich etwa, wenn wir zu diesem Stück von Kasalla tanzen. Ab und zu mache ich auch einen lustigen Spruch.
Mathilda, 11: Hier lernt man, wie man sich gut zur Musik bewegt. Das gefällt mir. In meiner Freizeit treffe ich mich mit Freundinnen und wir denken uns neue Tänze aus. Ich bin mal in der Lanxess-Arena aufgetreten. Das war riesig! Vor dem Auftritt hatte es Feuerwerk gegeben. Erst als sich der Nebel gelegt hatte, sah ich, wie groß der Saal war.
Lea, 13: Das Training ist anstrengend. Aber wir haben eine meganette Trainerin, darum macht es doch Spaß. In der Session haben wir zwei bis drei Auftritte in der Woche, manchmal sogar zwei Auftritte an einem Abend. Neben dem Training machen wir immer mal Ausflüge, ins Phantasialand oder in den Movie-Park, und es gibt auch eine schöne Weihnachtsfeier.
Mehr Infos
Infos für alle, die mal mittrainieren wollen, gibt’s hier.
Von Markus Düppengießer







