Feiernde Frauen
Die Weiberfastnacht in Bonn-Beuel wird 200 Jahre alt.
An Weiberfastnacht fährt sie in einem großen Wagen vor. Auf dem Platz stehen schon die feiernden Jecken. Dann diskutiert die Wäscherprinzessin mit dem Bürgermeister, nimmt ihm den Schlüssel ab, lässt sich mit einem Kran bis zum Balkon hochfahren, klettert über die Brüstung – und übernimmt bis Aschermittwoch die Macht im Rathaus. Die sogenannte Rathauserstürmung ist der Höhepunkt im Karneval in Bonn-Beuel – die Szenen werden oft sogar im Fernsehen übertragen. Und in diesem Jahr ist dieser Moment ganz besonders, denn die Weiberfastnacht in Beuel wird 200 Jahre alt! Wie alles angefangen hat, erzählt dir Duda hier.
Sehr viel Wäsche
Beuel gehört zu Bonn und ist eine gute halbe Stunde mit dem Auto von Köln entfernt. Weil der Ort auf der rechten Rheinseite liegt, scheint die Sonne dort den ganzen Nachmittag und Abend auf das Ufer. Deshalb gab es vor 200 Jahren viele Wäschereien in Beuel: Die Frauen haben die Wäsche von reichen Leuten aus der Umgebung mit Wasser aus dem Rhein gewaschen und dann auf den Wiesen aufgehängt. In der Sonne wurde sie schnell trocken.
Ohne Maschinen
Die Arbeit der Wäscherinnen war sehr anstrengend. Denn damals gab es noch keine Waschmaschinen und Trockner. Jedes Teil musste von Hand gewaschen, ausgeschlagen, ausgewrungen und aufgehängt werden. Diese Arbeit machten die Frauen. Die Männer aus Beuel brachten die saubere Wäsche zurück zu ihren Besitzern.
Total sauer!
Auch an einem Wintertag im Jahr 1823 lieferten die Männer die saubere Wäsche aus – ihr Weg führte sie unter anderem nach Köln. Dort feierten die Menschen gerade Karneval. Der Kölner Karneval, so wie wir ihn heute kennen, entstand nämlich im Jahr 1823. Die Männer feierten also mit – und gaben all das Geld aus, das sie für die saubere Wäsche erhalten hatten. Darüber waren die Frauen in Beuel total sauer! Sie hatten schließlich die harte Arbeit gemacht und bekamen nun kein Geld.
Mutige Reaktion
Einige Wäscherinnen beschlossen, im nächsten Jahr, also 1824, an Karneval ebenfalls einen Tag nicht zu arbeiten. „Die Frauen setzten sich zusammen, tranken Kaffee, aßen Kuchen, sprachen über ihre Sorgen – und zogen über ihre Männer her“, erzählt Patty Burgunder. Sie ist stellvertretende Chefin in der Karnevalsgesellschaft „Altes Beueler Damenkomitee von 1824 e.V.“. Sie sagt: Dieser Donnerstag im Jahr 1824 war die Geburtsstunde der Weiberfastnacht, so wie wir sie heute kennen. „Dass die Wäscherinnen ihre Arbeit niedergelegt haben, war sehr mutig“, findet Patty Burgunder. Denn damals hatten sie kaum Rechte und mussten das machen, was die Männer sagten.
Eigene Komitees
In den Jahren danach machten immer mehr Wäscherinnen und auch andere Frauen bei der Weiberfastnacht mit. Nach der Organisation „Altes Beueler Damenkomitee“ gründeten sich noch viele weitere Komitees für Frauen. Heute gibt es in Beuel und den umliegenden Orten 15 Stück. Die Frauen in den Komitees heißen „Komiteeschwestern“ oder „Möhn“. Letzteres ist eigentlich eine ältere, verheiratete Frau. Die „Obermöhn“ ist die Chefin aller Damenkomitees.
Blau und Weiß
Seit dem Jahr 1958 gibt es die Wäscherprinzessin – vergleichbar mit dem Prinz im Kölner Karneval. Die Wäscherprinzessin trägt ein blaues Kleid mit weißer Spitze darüber und eine blaue Samtjacke. „Die Farbe Blau steht für den Rhein, die weiße Spitze für die saubere Wäsche“, erklärt Patty Burgunder. Die Prinzessin hat zwei Wäscherinnen, die sie unterstützen. In diesem Jahr heißt die Wäscherprinzessin Sabrina I. (gesprochen: die Erste). Sie 22 Jahre alt und schon fast ihr ganzes Leben im Karneval unterwegs: Mit vier Jahren hat sie angefangen, bei einer Karnevalsgruppe zu tanzen. Weil die Weiberfastnacht in Beuel 200-jähriges Bestehen feiert, wurde Wäscherprinzessin Sabrina mit den Komiteeschwestern kürzlich sogar von Bundeskanzler Olaf Scholz in Berlin empfangen.
Auch für Kinder
Seit 31 Jahren gibt es auch eine Kinderwäscherprinzessin. Denn was die Großen können, können die Kleinen auch, fand die damalige Leiterin der Kita St. Pius in Beuel. Deswegen wird die Kinderwäscherprinzessin immer unter den Mädchen aus dieser Kita ausgelost – natürlich nur unter denen, die Lust darauf haben. In diesem Jahr fiel das Los auf Sarah I. Sie wird begleitet von den Wäscherinnen Ida und Izzy. Die drei Mädchen sind sechs Jahre alt und kommen nach den Sommerferien in die Schule. Die Kinderwäscherprinzessin und ihre Wäscherinnen haben in einer Karnevalssession zwischen elf und 15 Auftritte. Und natürlich nehmen sie auch beim großen Zug an Weiberfastnacht teil.
Von Angela Sommersberg







