Eine Fabrik erzählt Geschichten
Duda hat das Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer in Leverkusen-Schlebusch besucht.
Versteckt im Grünen liegt das Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer in Leverkusen-Schlebusch. Jürgen Bandsom ist hier Museumsleiter und so ziemlich für alles verantwortlich. Wie sein Tag abläuft, was besonders viel Spaß macht und ob er auch schon mal nachts im Museum ist, erzählte er Duda bei einem Rundgang durch die alten Hallen.
Eine Fabrik voller Leben
„Museumsdirektor sein ist schon cool!“, sagt Jürgen Bandsom. Das Museum, in dem er arbeitet, gehört einem Förderverein. Das heißt, Menschen aus Leverkusen haben sich zusammengetan, um eine alte Sensen-Fabrik als Museum und als Veranstaltungsort zu erhalten. Sie finden, dass der Freudenthaler Sensenhammer ein Stück Heimat ist und weiterhin mit Leben erfüllt sein soll. Bandsom ist auch aus Schlebusch. Mit dem Fahrrad ist er von seinem Zuhause in fünf Minuten auf der Arbeit.
„Es gibt noch viel zu berichten”
Das größte Ausstellungsstück ist das Museum, also die alte Fabrik für Sensen, selbst. Weil die Geschichten der Menschen, die früher hier gearbeitet haben, erzählt werden, erfährt man beim Museumsbesuch viel darüber, wie sich die Arbeitswelt ab dem Anfang des letzten Jahrhunderts verändert hat. Das heißt Industriegeschichte. Gleichzeitig wird erklärt, wie die ehemaligen Mitarbeitenden lebten. Das nennt man Sozialgeschichte. „Ich habe großen Respekt vor all denen, die hier Tag für Tag den Betrieb am Laufen gehalten haben. Und es gibt noch viel zu berichten“, sagt Bandsom. Zum Beispiel von Maria, die in den 1960er-Jahren aus Italien nach Schlebusch gekommen war. Nach dem Tod ihres Mannes arbeitete die Witwe und Mutter von drei Kindern lange Jahre als einzige Frau in der Produktion. Ihr will Bandsom bald eine eigene Ausstellung widmen.
Sensen und Sicheln
Eine Sense ist ein Arbeitsgerät zum Mähen von Gras, Getreide und Büschen. Am Stiel sitzt eine spitz zulaufende, bogenförmige Klinge. Dieses Sensenblatt wird aus Stahl geschmiedet. Im Unterschied zur Sense hat die Sichel eine kleinere, stärker gebogene Klinge und einen kürzeren Stiel. Bauersleute benutzten auch sie zum Schneiden von Gras und Getreide. Die Klingen von beiden Werkzeugen sind richtig scharf. Vor rund 100 Jahren wurden in Schlebusch von etwa 70 bis 80 Arbeitern im Jahr 200.000 Sensen hergestellt und weltweit verschickt.
Die Lieblingsstücke
Natürlich hat Bandsom auch ein Lieblingsausstellungsstück, eigentlich sogar zwei: Er mag den Schornstein über dem Kesselhaus. „Der gehört doch einfach zu einer richtigen Fabrik dazu“, findet der Museumsleiter. Sein anderes Lieblingsstück steht in der Schmiede und ist ein sogenannter Schwanzhammer. Mit diesem Gerät klopfte man die Klingen der Sensen breit. Früher wurde dieser schwere Hammer mit Wasserkraft angetrieben. Bandsom und seinen Kolleginnen und Kollegen können ihn auch heute noch in Betrieb nehmen. So ein Schwanzhammer macht ganz schön viel Krach. Wenn früher alle Maschinen gelaufen sind, muss es in der Schmiede sehr, sehr laut gewesen sein.
Neugierde ist wichtig
Im Gegensatz zu Museen mit großen Teams muss Bandsom viele Aufgaben selbst übernehmen. Er schreibt sogenannte Förderanträge, um Geld für die Arbeit des Vereins und den Erhalt der Fabrik zu bekommen, kümmert sich um die Pressearbeit, also die Website, Ankündigungen von Veranstaltungen und vieles mehr. Außerdem denkt er sich zusammen mit Vereinsmitgliedern und zwei weiteren Mitarbeitenden Projekte und Ausstellungen aus, die Besucherinnen und Besucher interessant finden könnten. Er forscht und sucht nach Ideen. Das macht ihm besonders viel Spaß. Aber manchmal packt er auch einfach mit an und fegt dann schon mal mit dem Besen durch die Halle.
Ein Museum für alle
Was kann man noch machen, um das Museum und die alten Hallen mit Leben zu füllen? Das ist eine Frage, über die Bandsom viel nachdenkt. Deshalb gibt es tolle Projekte und Veranstaltungen für ganz unterschiedliche Menschen: Schmiedevorführungen, Konzerte, Lesungen und Ausstellungen, speziell für Kinder zum Beispiel „Die kleine Sensenschmiede“ oder für Erwachsene, die schmieden können, „Die Nacht des Schmiedefeuers“. „Ich mag es, die Brücke zu schlagen zwischen den Menschen früher und heute und mir Schönes auszudenken, damit es gelingt. Bei der Arbeit habe ich tolle Begegnungen mit vielen verschiedenen Personen.“
Nachts im Museum
Und wann hat Bandsom Feierabend? „Das ist ganz unterschiedlich, oft gibt es am Abend noch Veranstaltungen oder Treffen, bei denen ich dabei bin.“ Also ist er auch schon mal nachts im Museum? Bandsom lacht und sagt: „Ja, das bin ich. Übrigens mag ich den gleichnamigen Film sehr und fände es toll, wenn wir irgendwann mal zu einer Kinonacht einladen könnten und ‚Nachts im Museum‘ vorführen.“
Infos im Netz
Wenn du mit deiner Familie oder vielleicht auch mit deiner Klasse das Industriemuseum Freudenthaler Sensenhammer besuchen möchtet, findet ihr auf der Website alle Infos zu Öffnungszeiten und Veranstaltungen.
Von Simone Nörling







