Der Wald der Zukunft

Der Wald der Zukunft
Ein Weg führt durch den Wald im Äußeren Grüngürtel im Kölner Stadtteil Marsdorf. Foto: Matthias Heinekamp

Warst du schon mal im Kölner Waldlabor? Das klingt wie ein Experimentier-Raum, in dem Bäume untersucht werden. Tatsächlich ist es eine 25 Hektar große Fläche Wald mitten in der Stadt. Also so groß wie etwa 35 Fußballfelder nebeneinander.

Markus Bouwman, Leiter der städtischen Forstverwaltung, zeigt die großen Blätter des Blauglockenbaum / Kiribaum. Foto: Matthias Heinekamp

Das Labor liegt in Köln-Marsdorf, gar nicht weit entfernt vom Stadion, direkt an der Haltestelle „Stüttgenhof“ der Linie 7. Es ist offen für alle, du kannst also jeder Zeit vorbei schauen. Hier erfährst du viel Spannenes über Bäume, Tiere und das Leben im Wald. Markus Bouwman, Leiter der städtischen Forstverwaltung Köln, hat uns herumgeführt.

Das Waldlabor

Das Labor ist ein großes Experimentierfeld. Ziel ist, mehr über den Klimawandel und den Wald der Zukunft heraus zu finden. Unter anderem werden hier neue Gehölze und Waldformen erforscht. 2010 wurde das Waldlabor angepflanzt mit 14 verschiedenen Baumarten. Vorher war an dieser Stelle eine reine Ackerfläche. Hier leben viele Vögel, Greifvögel, Bussarde, Habichte, Turmfalken, Eulen, Waldkäuze, Kaninchen, Füchse. Mehrmals im Jahr gibt es Führungen für Erwachsene. Auch Schulen und Kindergärten können das Waldlabor auf eigene Faust besuchen. Finanziell wurde das Projekt unterstützt durch Toyota Deutschland, Rheinenergie AG, Stadt Köln und durch Spenden. Wer nicht mit Fahrrad oder Bahn, sondern mit dem Auto kommt, parkt am besten am Haus am See oder bei Toyota.

Eine Stele der „Kölner Grün Stiftung“ mit den Namen von Spendern. Foto: Matthias Heinekamp

Wandelwald

Das ist der erste Abschnitt des Waldlabors. Hier wurden die Bäume in Streifen angeordnet gepflanzt, so dass die Besucher einen Wandel erleben, wenn sie hindurchgehen. Unter anderem stehen hier Kirschen und Douglasien. In 20 Jahren soll an dieser Stelle ein geschlossener Nadelwald stehen. Die Küstentanne zum Beispiel wird 100 Meter hoch. Der Wandelwald wurde angelegt mit Spenden von mehr als 200 Kölner Bürgern. Wer 150 Euro spendete, hat 25 Quadratmeter Wald erhalten. Viele Kölner haben keinen Garten und möchten trotzdem gerne einen Baum pflanzen. Auf den Spender-Schildern steht dann zum Beispiel: „Zur Taufe von Leopold Moritz am 12.12.2010“.

Klimawald

Hier wurden Baumarten gepflanzt, die besonders gut mit Wärme und Trockenheit zurechtkommen. Der Sommer 2018 war sehr heiß, das hat viele Bäume gestresst. Durch die extreme Trockenheit haben sie weniger Wasser bekommen als sonst. Sie haben viel Laub verloren und ihre Blätter haben sich früh braun gefärbt. Hier wächst zum Beispiel die Mehlbeere mit ihren roten Früchten. Die Blätter sehen an der Unterseite aus, als wären sie mit Mehl bestäubt. Der Blauglockenbaum kommt ursprünglich aus Japan und China. Er wird auch Kiri-Baum genannt. Er hat extrem große Blätter und manche Triebe wachsen sogar wie kleine Mini-Bäume aus dem Boden.

17.09.2018, Köln: Ein Schild weißt auf den „Energiewald“ – die hier gepflanzten Bäume wachsen sehr schnell und werden dann geerntet um zum Heizen verbrannt zu werden. Foto: Matthias Heinekamp

Energiewald

Wie wird aus Holz Energie gewonnen? In diesem Waldabschnitt wird erforscht, wie sogenannte regenerative Energiequellen genutzt werden können. Damit sind Energien gemeint, die gut für die Umwelt sind. Der Energiewald ist „klimastabil“. Das bedeutet, dass der Rohstoff nachwächst und komplett genutzt wird. Es wurden vor allem schnellwachsende Arten wie Pappeln, Weiden und Esskastanien angepflanzt.

 

 

Hackschnitzel, Foto: Matthias Heinekamp

Der Wald wird alle paar Jahre mit einer Spezialmaschine abgeerntet. Die Holzschnitzel kommen in ein Heizkraftwerk, aus ihnen wird Wärme gewonnen. So wird Energie aus Braunkohle und Erdgas eingespart und das Klima weniger geschädigt.

Wildniswald

In diesem Stück dürfen die Bäume wachsen, wie sie wollen. Niemand greift ein. So kann man beobachten, wie sich ein Wald entwickelt, wenn er nicht gepflegt wird. Im Wildniswald gelten zwei Regeln: Hunde müssen an die Leine und Besucher müssen Pflanzen und Tiere in Ruhe lassen. Hier soll Natur noch Natur bleiben dürfen. Ohne menschliche Aussaat haben sich die Bäume selbst durch Flugsamen angepflanzt und sind völlig selbständig gewachsen.

Das Besondere am Wald

„Der Wald ist ein interessanter Lebensraum, nicht nur wegen der Bäume, auch wegen der vielen Tiere, Sträucher und dem Boden“, sagt Markus Bouwman, Leiter der Kölner Forstverwaltung. „Wir Menschen nutzen vom Wald nicht nur das Holz, sondern auch den Wald selbst als Erholungsraum. Der Wald ist unsere letzte natürliche Landschaftsform, alle anderen Gebiete sind inzwischen extrem vom Menschen beeinflusst. Toll finde ich, dass hier jeder Zeit etwas Spannendes passieren kann. Zum Beispiel wenn ein Fuchs plötzlich hinter einem Busch hervor springt.“

Foto: Matthias Heinekamp

Herbst im Kölner Waldlabor

Jetzt fallen die Blätter. Das hängt mit den Temperaturen zusammen, die Bäume lagern ihre Reservestoffe für den Winter ein. Vereinfacht gesagt ziehen sie die Nährstoffe aus den Blättern heraus. Die Färbung entsteht dadurch, dass das Blattgrün in den Blättern aufgespalten wird. Wegen der langen Trockenheit wird es dieses Jahr wohl eine nicht so schöne Färbung geben. Viele Blätter sind schon ausgefallen oder braun geworden.

Kunst im Kölner Waldlabor

Im Waldlabor gibt es momentan mehrere Holzinstallationen, die von Landschaftsarchitektur-Studenten geschaffen wurden. Durch das „Baumxylophon“ können Kinder und Erwachsene laufen. Die Äste sind hohl und klingen, wenn man sie gegeneinander schlägt. Von Christina Rinkl

www.koeln-waldlabor.de