Außergewöhnliche Weihnachtsfeier

Außergewöhnliche Weihnachtsfeier
Foto: Matthias Heinekamp

Rote, goldene und blaue Kugeln hängen an einem Weihnachtsbaum, dazu noch ein paar rote Ketten und ganz viele Lichter. Auf der Spitze thront ein Stern – soweit, so normal. Aber: Der Baum steht unter Wasser!

Taucher der Tauchsportgemeinschaft Porz schmücken beim traditionellen Schatzkistentauchen einen Plastikweihnachtsbaum. Foto: Matthias Heinekamp

40 Hobbytaucher, rund die Hälfte Kinder und Jugendliche, sind mit Taucherbrillen, Schnorcheln und Flossen ausgestattet. Einige von ihnen tragen sogar einen Neoprenanzug und eine Pressluftflasche auf dem Rücken. In dieser Flasche befindet sich Atemluft, die die Taucher über ein Schlauchsystem einatmen. So müssen sie nicht immer wieder an die Wasseroberfläche schwimmen, um Luft zu holen. Mit dieser Ausstattung schmücken die Mitglieder der Tauchsportgemeinschaft Porz (TSG) seit 20 Jahren kurz vor Weihnachten im Schwimmbecken des Wahnbads einen Kunststoffbaum. Ein Höhepunkt für jedes Vereinsmitglied!

Kugeln mit Löchern

Tauchlehrer Anton Schuch-Clemens pustet laut in seine Pfeife – es geht los! Jedes Kind schnorchelt mit einem Erwachsenen zusammen durch das Becken. Jedes Paar darf eine Kugel und ein Knicklicht am Baum im Becken befestigen. „In die Kugeln habe ich Löcher gebohrt, damit sie voll Wasser laufen können. So hängen sie nach unten und driften im Wasser nicht nach oben“, erklärt Anton Schuch-Clemens. Der 71-Jährige hat sich vor 20 Jahren diese besondere Weihnachtsfeier ausgedacht. „Ich wollte es besinnlich und sportlich gestalten – mit einem Schuss Abenteuer!“, sagt er. Denn: An diesem Abend geht es nicht nur um das Schmücken des Unter-Wasser-Baums.

Einen Schatz heben

Foto: Matthias Heinekamp

Alle Knicklichter an den grünen Zweigen wiegen durch die strampelnden Schnorchler leicht hin und her. Nun beginnt der zweite Teil der Feier: Die Taucher dürfen eine Schatzkiste bergen! Anton Schuch-Clemens hat acht Gurkengläser in eine alte Holzkiste gepackt, die mit Gummibärchen und Schokolade gefüllt sind. Aber so einfach kommen die Taucher nicht an den Schatz –die Kiste ist mit acht Vorhängeschlössern gesichert! Um an die Süßigkeiten zu gelangen, müssen die Schnorchler die Schlösser knacken. Dafür bekommt jedes Taucherpaar einen Schlüssel am Beckenrand ausgehändigt. Aus insgesamt 20 Schlüsseln müssen sie die richtigen acht finden und das geht nur durch Ausprobieren!

Der letzte Schlüssel

Immer wieder tauchen die Vereinsmitglieder ins tiefe Becken hinab, auf dessen Boden die Schatzkiste liegt. Das letzte Schloss ist dabei immer etwas Besonderes: Diesen Schlüssel bekommt ein Taucher, der im vergangenen Jahr sehr viel trainiert und sich gut geschlagen hat – er darf als „Weihnachtsfee“ die Kiste öffnen und die Gläser befreien. Eine große Ehre!

Wichtige Aufpasser

Eine neue Aufgabe darf in diesem Jahr auch Leo übernehmen. Der 14-Jährige ist Kindertrainer bei der TSG. „Ich habe sonst auch immer mit den Baum geschmückt und nach der Kiste getaucht“, sagt er. „Aber jetzt darf ich zum ersten Mal aufpassen. Ich habe mehr Verantwortung.“ Am Beckenrand sind nämlich zehn Taucher mit Pressluftflaschen unter Wasser. Sie achten darauf, dass niemandem etwas während der Aufgaben unter Wasser passiert. Wenn jemand zum Beispiel keine Luft mehr bekommt, können sie schnell helfen.

Besondere Weihnachtsstimmung

„Taucher sind Abenteurer“, erklärt der Erfinder des Schatzkistentauchens Anton Schuch-Clemens. Als er die Idee zu der Feier hatte, dachte er: Die Eltern schmücken Zuhause immer den Baum, bereiten das Essen vor und die Kinder müssen kaum etwas tun außer ihre Geschenke auszupacken. „Das können wir im Club doch anders gestalten!“, war er überzeugt. Und bis heute ist er jedes Jahr fasziniert vor Weihnachten. „Es ist unheimlich schön!“, sagt er mit einem großen Lächeln. Vor allem, wenn alle Lichter am Baum befestigt sind und das Deckenlicht im Hallenbad ausgemacht wird. Dann leuchtet nur noch der Baum im Wasser, umgeben von ein paar Lampen und die Taucher planschen durch das Becken.

Weitere Infos zur TSG Porz:
www.porzer-taucher.de

UMFRAGE:

Hanna, elf Jahre
Seit vier Jahren bin ich im Verein. Ich schmücke jetzt zum fünften Mal den Baum – das macht mir am meisten Spaß. Mein Knicklicht hänge ich immer ganz nach oben in die Spitze. Wenn ich die Kugel untertauche, macht sie Blubberblasen – dann geht die Luft aus ihr raus und ich kann sie nach unten sinken lassen. Damit ich den Baum schmücken kann, muss ich gut die Luft anhalten – das längste, was ich geschafft habe, waren 45 Sekunden unter Wasser!

Philipp, elf Jahre
Ich bin seit einem Jahr dabei und will auf jeden Fall weiter machen. Ich trainiere zwei Mal pro Woche und es macht mir viel Spaß. Zu Weihnachten ist das immer ein riesiges Event, wobei ich am liebsten die Kugeln an den Baum hänge. Danach öffnen wir Kinder sieben Schlösser der Schatzkiste – das letzte darf die Weihnachtsfee aufmachen. Heute durfte ich das sein! Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet. Das war absolut fantastisch!

Julian, elf Jahre
Seit Sommer 2017 schnorchele und tauche ich im Verein. Die Weihnachtsfeier ist für mich besonders cool, weil wir mit den Erwachsenen zusammen im Wasser sind. Sonst trainieren wir Kinder ja allein. Das Beste ist, die Schlüssel auszuprobieren bis einer passt. Aus dem Training helfen mir dabei am besten die Apnoe-Übungen – dabei lernen wir die Luft anzuhalten. Aber auch Streckentauchen und Abtauchen sind hilfreich.

Von Jennifer Wagner