Schule zu Hause

Schule zu Hause
Foto: Getty Images

Alles ist anders: Küchentisch statt Klassenzimmer, Eltern statt Lehrer und Geschwister statt Mitschüler. Seit die Schulen vor zwei Wochen wegen des Coronavirus geschlossen wurden, lernen alle Kinder zu Hause. Aber wie klappts mit dem Homeschooling, wie man auf Englisch sagt? Das haben wir unsere Kinderreporter gefragt. Wir wollten wissen: Wie bekommt ihr eure Aufgaben? Wen fragt ihr um Hilfe? Und wie motiviert ihr euch für die Fächer, auf die ihr keine Lust habt?

Auf dieser Seite lest ihr die Antworten der sechs. Vielleicht findet ihr euch ja in einem der Texte wieder und stellt fest: Mir geht es ganz genauso! Doch so unterschiedlich die Antworten der Kinderreporter auch sind, eins ist bei allen gleich: Sie vermissen ihre Freunde und Klassenkameraden.

Kinderreporter Ruby.
Foto: Martina Goyert

Ruby (10)

Wenn ich meiner Mutter in der Vergangenheit zugeschaut habe, wie sie ihre Arbeit im Home Office erledigt hat, habe ich mir oft gewünscht, dass ich das auch dürfte. Damals wusste ich noch nicht, dass dieser Wunsch bald in Erfüllung gehen würde…

Unsere Lehrerin schickt uns jede Woche per Mail einen Wochenplan zu. Den müssen wir bearbeiten. Sie stellt uns dort Aufgaben für Mathe, Deutsch, Sachunterricht, Englisch und Kunst. Dann steht da zum Beispiel: Mathebuch, Seite 3, Nummer 7. Manchmal schickt sie uns auch Internet-Links. Das sind oft Bastelanleitungen oder Tipps zum Lernen. Sie hat meine Klasse außerdem auf einem Lernportal namens „Anton“ angemeldet. Dort kann man sein Wissen testen. Das macht mir großen Spaß und ich bin motivierter, die Aufgaben zu lösen.

Wenn ich mit einer Aufgabe fertig bin, kontrollieren meine Eltern sie, so wie sonst bei den Hausaufgaben. Manchmal wünschte ich mir aber, meinen Freunden schnell eine Frage zuflüstern zu können. Am Tag erledige ich ungefähr vier Aufgaben. Es klappt eigentlich sehr gut. Und das Beste ist, dass ich jetzt gemeinsam mit meiner Mutter an einem Tisch sitze, und wir beide arbeiten.

Kinderreporter Mila.
Foto: Martina Goyert

Mila (11)

Um 9 Uhr beginnt bei mir zu Hause der „Unterricht“. Meine Lehrer versorgen uns jeden Montag mit dem Lernstoff für die ganze Woche. Das finde ich gut, weil ich mir die Zeit selbst einteilen kann. Ich habe mir einen Corona-Stundenplan gebastelt, mit festen Zeiten, wann ich an welchem Thema arbeite.

Aktuell haben wir eine Geografie-Epoche: Ich erarbeite mir mit Atlas und Info-Blättern ein Referat über ein Land in Europa. Außerdem mache ich jeden Tag eine Stunde Englisch oder Russisch und natürlich Mathe. Auch einen Vokabel-Test habe ich letzte Woche schon zu Hause geschrieben. Den durfte ich selber korrigieren. Bisher habe ich meist drei Stunden pro Vormittag etwas für die Schule gemacht. Nach dem Mittagessen übe ich Cello, lese oder gehe mit meiner Schwester in den Wald.

Bisher klappt alles ganz gut. Aber: Ich vermisse meine Freunde sehr – und freue mich auf die Schule.

Kinderreporterin Moritz. Foto: Martina Goyert

Moritz (12)

Mir gefällt Home-Schooling, weil ich selbst bestimmen kann, wann ich die Aufgaben bearbeite. Montags schicken uns die Klassenlehrer Aufgaben aus allen Fächern über Mail zu, die wir meist bis Ende der Woche machen müssen.

Ich bin jemand, der gerne schnell die Hausaufgaben erledigt hat. Dann fühle ich mich befreit und habe Zeit für andere Sachen. Deshalb fange ich direkt nach dem Aufstehen an und plane etwa zwei Stunden ein. Wenn ich Fragen habe, kann ich meine Lehrer anschreiben. Oder ich stelle die Frage in meiner Whatsapp-Klassengruppe. Mit meinem Freund Luca habe ich über Facetime auch schon zusammen Mathe gemacht. Das war eine spaßige Abwechslung.

Was gefällt mir nicht? Dass ich niemanden mehr treffen kann. Ich vermisse meine Klassenkameraden sehr. Langsam wird es hier zu Hause echt langweilig.

Kinderreporter Florian. Foto: Martina Goyert

Flo (10)

Wir bekommen immer dienstags Materialien von unserer Schule zugeschickt. Ich schaue mir das dann an und teile es mir für die Woche auf. Dabei ist es manchmal etwas aufwendig die Materialien für die verschiedenen Fächer zu ordnen – das hängt auch von den Lehrerinnen und Lehrern ab. Ich versuche, die Aufgaben immer vormittags zu machen, damit ich den restlichen Tag frei habe. Meistens gelingt mir das auch.

Ich habe erstmal meinen Schreibtisch frei geräumt, weil es doch wichtig ist, einen geordneten Arbeitsplatz zu haben. Man muss auch viel stärker als in der Schule darauf achten, dass man genug macht. Blöd ist schon, dass man alles alleine machen muss: Meine Freunde fehlen mir sehr! Ansonsten könnte ich mir vorstellen, dass man das elektronische Lernen auch häufiger machen kann. In Englisch haben wir zum Beispiel Aufgaben mit QR-Codes – die sind klasse!

Kinderreporterin Mine. Foto: Martina Goyert

Mine (11)

Als die Schulen geschlossen wurden, mussten wir hinfahren, um dort Sachen abzuholen. Ich habe eine Mappe bekommen mit Arbeitsblättern und Aufgaben für die Fächer Mathe, Deutsch und Englisch. Wenn wir mal Hilfe brauchen, können wir unseren Lehrer jeden Tag von 10 bis 12 Uhr telefonisch oder per Mail erreichen. Das einzige, was für mich beim Lernen zu Hause ungewohnt ist, ist, dass der Lehrer einem nichts erklärt und man sich nicht einfach melden kann.

Wir nutzen auch die die App „Anton“, dort kann man zu jedem Fach Aufgaben bearbeiten. Ich nutze die App gerne, weil es eine Abwechslung zum normalen Lernen ist. Und nach zwei Stunden kann ich mich oft nicht mehr so gut konzentrieren. Was ich an Anton toll finde, ist, dass man für fast jede Übung eine Münze bekommt, mit der man sich dann Spiele kaufen kann. Ein Spiel kostet eine Münze.

Kinderreporterin Milla. Foto: Martina Goyert

Milla (10)

Bei uns an der Schule ist das mit dem Online-Unterricht so organisiert: Wir haben eine Cloud, über die wir alle Aufgaben von den Lehrern bekommen und wo wir unsere Lösungen auch reinstellen. Eigentlich klappt das ganz gut, nur manchmal ist die Cloud überlastet – einmal ist sie auch schon abgestürzt. Zusammen mit meinem Bruder mache ich etwa drei Stunden am Tag Schule.

Wenn ich Aufgaben bekomme, mache ich die meist am gleichen Tag. Auch Aufgaben für mehrere Tage, etwa in Deutsch, mache ich direkt bis zur Hälfte. Bei manchen Aufgaben brenne ich darauf, dass ich sie machen darf, bei anderen bin ich total unmotiviert. Ich habe mir einen Ordner angelegt, auf den ich „Coronaaufgaben“ geschrieben habe. Da hefte ich nach Fach geordnet alles ab. So habe ich einen besseren Überblick. Immer da, wo ich noch etwas zu tun habe, klebe ich mir ein buntes Post-it hin. So weiß ich: In Erdkunde muss ich noch etwas machen. Wenn ich damit fertig bin, nehme ich das Post-it ab.

Mein Bruder und ich machen auch jeden Tag Sport: Entweder „Albas tägliche Sportstunde“ von Alba Berlin auf YouTube oder irgendein anderes Video. Wir sind auch jeden Tag draußen, weil wir zum Glück einen Garten haben.

Hier haben wir noch mal Tipps fürs Homeschooling zusammengefasst:
duda.news/wissenswert-corona/unterricht-am-kuechentisch

Von Angela Sommersberg