Ein Haus, ein Äffchen und ein Pferd

Ein Haus, ein Äffchen und ein Pferd
Zu Pippi Langstrumpf gibt es jede Menge Geschichten in vielen Sprachen. Foto: Christoph Driessen/dpa-tmn/dpa

Fast jedes Kind in Deutschland hat vermutlich schon einmal von Pippi Langstrumpf gehört. Ausgedacht hat sich die Geschichten eine berühmte Frau aus Schweden mit dem Namen Astrid Lindgren.

Astrid Lindgrens Familie: Ihre Tochter Karin Nyman und ihr Enkel Olle Nyman. Foto: Privat/Olle Nyman/dpa

Astrid Lindgren hat noch ganz viele andere Kinderbücher geschrieben, zum Beispiel über Michel aus Lönneberga, Ronja Räubertochter und Karlsson vom Dach. Einige davon hat sie ihrem Enkel Olle Nyman vorgelesen, als er ein Kind war. Olle ist heute 51 Jahre alt und erinnert sich noch gern an die Zeit mit seiner Oma zurück, die leider im Jahr 2002 gestorben ist. Im Interview verrät er, wie seine Großmutter war und was er an Pippi Langstrumpf besonders mag – denn die Geschichte von dem frechen Mädchen mit den roten Haaren und den abstehenden Zöpfen wird heute 75 Jahre alt! 

Interview

Was sind deine liebsten Erinnerungen an deine Oma, also Astrid Lindgren?
Meine Großmutter ist eine sehr verspielte Oma gewesen. Sie hat es geliebt, mit uns Kindern zu spielen. Ich erinnere mich noch daran, wie sie sich einmal als Hexe verkleidet hat und uns durch das Haus gejagt hat. Wir haben gelacht und gleichzeitig geschrien.

Hat sie euch auch aus ihren eigenen Büchern vorgelesen?
Oh ja. Sie hat aus ihren eigenen und auch aus anderen Büchern vorgelesen. Sie hat laut aus ihren Manuskripten vorgelesen, bevor sie veröffentlicht wurden. Zum Beispiel „Ronja Räubertochter“ im Jahr 1981, als ich zwölf oder 13 Jahre alt war. Auch aus „Brüder Löwenherz“ hat sie mir vorgelesen. Das hat sie 1973 geschrieben. Ich war damals erst vier Jahre alt und bin – so hat sie es später erzählt – offenbar beim Vorlesen eingeschlafen.

Pippi Langstrumpf und ihr Äffchen «Herr Nilsson». Foto: epa Pressensbild/epa Scanpix Sweden/dpa

Astrid Lindgrens berühmteste Bücher sind die über Pippi Langstrumpf. Wenn du Pippi wärst: Welche ihrer Stärken hättest du gerne gehabt?
Als Kind war es besonders verlockend, der Stärkste der Welt zu sein und Taschen voller Goldmünzen zu haben. Als Erwachsener würde ich sagen: Das Beste an Pippi ist, dass sie so unabhängig und willensstark ist. Und sie glaubt so stark an sich selbst. Sie zögert niemals, bevor sie etwas tut, auch wenn sie etwas noch nie zuvor gemacht hat. Für mich ist diese Einstellung zum Leben total schön, und wer würde es nicht lieben, keine Sorgen zu haben und so entspannt zu sein wie Pippi? Sie ist absolut selbstsicher und glücklich damit.

Gibt es auch etwas an Pippi, das du gar nicht magst?
Nein. Manche würden vielleicht sagen, dass sie in Sachen Höflichkeit kein Vorbild ist, auch, weil sie keine guten Manieren hat. Aber ich muss sagen, dass sie immer gute Absichten hat. Sie hat nicht vor, respektlos zu sein, und macht nie Dinge, um sich über Leute lustig zu machen – es passiert einfach.

Das Interview führte Steffen Trumpf (dpa)

So ist Pippi Langstrumpf entstanden

Die Autorin Astrid Lindgren hatte schon immer viele kreative Ideen – auf das freche, selbstbewusste Mädchen Pippi hat sie aber tatsächlich ihre Tochter Karin gebracht. Als sie mit sieben Jahren krank im Bett lag, bat sie ihre Mutter, ihr eine Geschichte zu erzählen. Und rate mal, welchen Namen Karin der Hauptfigur gab? Richtig, Pippi Langstrumpf!

Vor 75 Jahren kam das erste Werk über Pippi Langstrumpf heraus. Foto: The Astrid Lindgren Company/dpa

Zu ihrem 10. Geburtstag bekam die Tochter von Astrid Lindgren dann das Manuskript für das erste Buch – gedruckt wurde es im Jahr 1945. Das ist heute also 75 Jahre her.

Eigentlich sollte dieses Jubiläum nicht nur in Lindgrens Heimat Schweden, sondern auch in Deutschland mit Theaterstücken und Literaturfesten gefeiert werden. Wegen des Coronavirus geht das natürlich nicht – aber dann wird Pippi Langstrumpf eben im kommenden Jahr einfach nochmal gefeiert! (sob/ dpa)