Aus Holz geschnitzt

Aus Holz geschnitzt
Johann beobachtet genau, wie sein Vater arbeitet. Bild: Stefanie Paul

Zu Besuch bei einem Holzbildhauer.

Wenn alles gut läuft, dann sieht man seine Arbeit gar nicht. Alexander Diczig ist Holzbildhauer von Beruf. Er repariert restauriert alte Figuren und Verzierungen und besser sie aus. Zusammen mit seinem Sohn Johann zeigt er Duda seine Werkstatt.

Ein Adler aus Holz breitet seine Schwingen aus. Bild: Stefanie Paul

Ein Raum voller cooler Sachen

Johann öffnet eine schmale Tür. Dann geht der Neunjährige eine sehr steile und sehr schmale Treppe hinunter in den Keller. Unten gibt es einen Raum mit einem großen viereckigen Tisch. Das Licht leuchtet hell, es duftet nach Holz und an den Wänden hängt überall Werkzeug: Zirkel, Sägen und Knüppel. Das sind Geräte, die man ähnlich wie einen Hammer verwendet. Dazu noch dutzende Schnitzmesser in verschiedenen Größen. Auf dem Tisch in der Mitte liegt eine Jesus-Figur aus Holz und direkt daneben steht ein Adler mit ausgebreiteten Flügeln. „Hier gibt es überall so coole Sachen“, sagt Johann begeistert und streicht vorsichtig über die Flügel des hölzernen Adlers. Hier, das ist die Werkstatt von Johanns Papa. Alexander Diczig ist Holzbildhauer von Beruf. Das bedeutet er schnitzt und repariert unter anderem Figuren und Verzierungen.

Alexander Diczig und sein Sohn Johann. Bild: Stefanie Paul

Andere Künstler nachahmen

Holzbildhauer ist ein ziemlich seltener Beruf. Es gibt nicht mehr allzu viele Leute, die diese Arbeit heute noch machen. Wie kam Johanns Papa dazu? „Ich habe schon immer gern geschnitzt“, erzählt Alexander Diczig. Aus dem Hobby hat er später dann einen Beruf gemacht. Der Holzbilderhauer nimmt die kleine Jesus-Figur in die Hand. 300 Jahre ist sie schon alt und ziemlich kostbar. An einer Hand der Figur sind einige Finger abgebrochen. Diese soll Alexander Diczig wieder anfügen. „Man muss sich dabei die Original-Schnitzerei ganz genau anschauen, dann muss man sich den Stil des Künstlers einprägen und diesen möglichst genau nachempfinden“, erklärt der 56-Jährige. Wenn alles klappt, wird man am Ende gar nicht erkennen, dass die Finger erneuert wurden. „Jeder Künstler schnitzt anders. Seinen Stil zu treffen, ist die große Herausforderung“, verrät der Holzbilderhauer. „Dafür braucht man ein gutes Auge und vor allem viel Geduld.“

Viele Figuren sind schon sehr alt. Bild: Stefanie Paul

Schnitzereien in Köln

Alexander Diczig ist für seine Arbeit in ganz Deutschland unterwegs. Im Residenzschloss in der Stadt Dresden im Bundesland Sachsen kann man seine Schnitzereien sehen, genauso in Düsseldorf, in Aachen und in Köln. Zuletzt hat er dort zum Beispiel in Sankt Ursula gearbeitet. Diese große Kirche gehört zu den ältesten der Stadt und ist über 1000 Jahre alt. Nach dem Dom ist sie die meistbesuchte Kirche von Köln. Das hat unter anderem mit der Goldenen Kammer zu tun. Das ist ein spezieller Raum, eine kleine Kapelle mit super vielen, feinen Verzierungen. Diese sind aus Holz geschnitzt und vergoldet. In der Goldenen Kammer werden die Überreste der Heiligen Ursula aufbewahrt. Sie ist die Stadtpatronin Kölns und nach ihr ist auch die Kirche benannt.

Es kommen viele Werkzeuge zum Einsatz. Bild: Stefanie Paul

Arbeiten wie früher

Oft arbeitet Alexander Diczig an Figuren, die mehrere hundert Jahre alt sind. Wenn er sie restauriert, arbeitet er wie die Künstler, die diese Figuren einst erschaffen haben. Also im Grunde mit den gleichen Werkzeugen. „Die Werkzeuge haben sich im Laufe der Zeit kaum verändert“, erzählt der Holzbildhauer. Teilweise stellt Alexander Diczig seine Werkzeuge sogar selbst her. Zum Beispiel, wenn er für eine Arbeit ein ganz spezielles Werkzeug braucht, das es so nicht zu kaufen gibt.

Auf der Suche

Auch im Urlaub ist der Holzbildhauer quasi immer bei der Arbeit. Genauer gesagt: auf der Suche nach Holz. „Wir bringen aus dem Urlaub eigentlich immer irgendwelches Holz mit nach Hause“, erzählt Johann. So wie zum Beispiel von der Insel Malta. Dort hat Alexander Diczig ein besonders schönes Stück Holz entdeckt. Und wer weiß, vielleicht wird daraus eines Tages etwas Besonderes geschnitzt.

Von Stefanie Paul